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Interview

Wie Pooltester tödliche Unfälle verhindern sollen

30.06.2012 | 08:45 Uhr
Wie Pooltester tödliche Unfälle verhindern sollen
Vier Kinder kamen im vergangenen Jahr in Hotelpools ums Leben. Jetzt sollen "Pooltester" Gefahrenstellen erkennen und lebensgefährliche Mängel aufdecken.

Essen.  Nach mehreren tödlichen Unfällen in Hotelpools schult der Deutsche Reiseverband (DRV) nun Pooltester, die lebensgefährliche Mängel aufdecken sollen. DRV-Geschäftsführer Hans-Gustav Koch erklärt, wo die größten Gefahrenstellen liegen, was genau kontrolliert wird und was bei Beanstandungen passiert.

Die Sommerferien stehen vor der Tür, und alle Jahre wieder stellen sich Eltern die Frage: Ist der Pool unseres Ferienhotels wirklich sicher? 2011 kamen vier Kinder in Anlagen in Spanien , Bulgarien und in der Türkei ums Leben – die Dunkelziffer liegt viel höher. Der Deutsche Reiseverband (DRV) schickt nun erstmals „Pooltester “ in Hotels, um lebensgefährliche technische Mängel aufzuzeigen. Wer jetzt ins Becken steigt, was genau kontrolliert wird und warum sich die Tourismusbranche lange schwer tat, einheitliche Sicherheitsstandards einzuführen, darüber sprachen wir mit DRV-Geschäftsführer Hans-Gustav Koch.

Herr Koch, wer meldet sich freiwillig, um Pooltester zu werden?

Koch: Bevorzugt Menschen, die heute schon in der Touristikbranche beschäftigt sind, viele sind beispielsweise Reiseleiter oder Animateure oder Servicekräfte in Hotels. In jedem Fall Leute, die in den Urlaubsländern arbeiten oder leben, wo dann auch Pools getestet werden.

Wieviele Teilnehmer waren bei der ersten Veranstaltung auf Mallorca dabei?

Koch: Bei der Auftaktveranstaltung vor einiger Zeit wurden zunächst acht Personen geschult. Aber es hatten sich viel mehr beworben, nämlich knapp 50. Mittlerweile haben schon drei Kurse stattgefunden. Basierend auf den ersten Erfahrungen der Pilotphase wird der weitere Bedarf an zusätzlichen Testern ermittelt.

Was lernt man denn auf so einem eintägigen Pooltester-Lehrgang?

Koch: Es ist kein Lehrgang, sondern eine Schulung. Die Leitung hat der Hannoveraner Bauinspektor Peter Gansloser. Dessen Ingenieurbüro ist spezialisiert auf Bädersicherheit und hat das Schulungs-Konzept für uns entwickelt. Dabei haben wir uns gefragt, was wichtiger ist: möglichst umfangreich zu testen oder möglichst schnell anzufangen? Wir haben uns für zweiteres entschieden, mit dem Fokus auf den Gefahrenquellen, die in der Vergangenheit immer wieder zu tödlichen Unfällen geführt haben.

Also Ansaugpumpen und die dazugehörigen Öffnungen.

Koch: Genau. Wir prüfen mit der flachen Hand, einem Handtuch oder einer Folie, ob die Ansauggeschwindigkeit zu groß ist. Aber auch die Gitter spielen eine Rolle, sie müssen fest sein. Auch die Gittergröße muss unkritisch sein. Heißt: Die Löcher müssen so klein sein, dass sich ein Kind darin nicht die Finger einklemmen kann. Das sind die Dinge, auf die wir uns derzeit fokussieren.

Aber das alles sollte doch eigentlich schon die im Zielgebiet zuständige Agentur des deutschen Reiseveranstalters überprüft haben. Sonst kommt ein Hotel doch gar nicht in den Katalog.

Koch: Das ist richtig, aber nicht vollständig. Es ist so, dass die Agenturen der Veranstalter vor Ort im Rahmen ihrer sogenannten Wegesicherungspflicht ein Hotel mit all seinen Einrichtungen in Augenschein nehmen. Dabei schauen sie sich natürlich auch den Pool und den Technikraum an. Aber bislang ist niemand in den Pool gesprungen. Das machen wir jetzt.

Also schließen ihre Pooltester eine seit Jahren bekannte Sicherheitslücke?

Koch: Ich würde es so sagen: Wir setzen in puncto Sicherheit noch einen drauf. Es ist sogar wichtig zu betonen, dass die Verantwortung für die Poolsicherheit nicht beim Reiseveranstalter liegt, sondern beim Hotelier. Und das ist richtig so! Denn er baut diesen Pool, er betreibt ihn, und er hat ihn jeden Tag vor Augen. Mit unserer Brancheninitiative wollen wir ausdrücklich den Druck auf die Hoteliers erhöhen, damit diese Ihrer Verantwortung auch nachkommen. Jedes tote Kind ist eins zuviel.

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