Wie man in Tefía auf Fuerteventura Inselgeschichte erleben kann
01.07.2012 | 05:45 Uhr 2012-07-01T05:45:00+0200
Tefía. Im Inneren Fuerteventuras, 20 Kilometer von der Küste entfernt, liegt das Dorf Tefía. Wer sich dorthin verirrt, taucht ein in die Vergangenheit der Insel und ihrer Bewohner. Im Freilichtmuseum und beim Dorfschmied, der nach alter Tradition Eisenwaren herstellt, können Urlauber Geschichte erleben.
Ein Hund bellt zwischen den in der kahlen Landschaft verstreuten Häusern. Die flachen Bauten scheinen sich in den sanften hellbraunen Hügeln verstecken zu wollen. Tefía heißt das Dorf im Inneren der Insel, 20 Kilometer sind es von dort zur Küste . Die Bauernhäuser im traditionellen Stil – einstöckiges Trockenmauerwerk, weiß getüncht – bilden ein Museumsdorf. Der Hund ist ein Podenco Canario, ein kanarischer Jagdhund. „Er geht auf Kaninchen“, sagt Ramón, der heute an der Kasse des Ecomuseo La Algocida sitzt. Im Haus und mit Menschen sei die Rasse friedlich, auf der Jagd aber „nicht zu bremsen“. Gut für Touristen: Das Kaninchenfleisch wandert auch in die Kochtöpfe der großen Hotels an der Küste. Auf dem weitläufigen Gelände des Freilichtmuseums stehen noch eine Handvoll Kamele und eine Herde Ziegen, „unsere typischen Haustiere“.
Ramón ist der Dorfschmied, für die Besucher stellt er traditionelle Eisenwaren her. „Wir halten hier altes Handwerk am Leben“, ergänzt Juan stolz. 30 Jahre hat der Mittsechziger im Ausland auf dem Bau gearbeitet, meist in Australien . Jetzt ist er zurück in der Heimat und flechtet in seiner kleinen Werkstatt Körbe in allen Größen. Gleich nebenan greift Salome in einen dicken Packen Ton und formt mit geschickten Händen einen purrón. In dem Tonkrug bleibt das Wasser durch die Verdunstungskälte angenehm kühl. Gearbeitet wird freihändig: Die Töpferscheibe ist unbekannt.
Traditionelle Handwerkskunst erleben
Im Museumsdorf wird die traditionelle Handwerkskunst der Insel bewahrt, von der EU gefördert und selbst in der Hauptsaison von den Touristenmassen verschont. Die Kunsthandwerker haben meist Zeit für ein Schwätzchen, erklären geduldig die Finessen der kanarischen Hohlsaumstickerei – calado – für feine Tischwäsche und dass jede Käserei ihre Produkte mit einem anderen handgeschnitzten tellergroßen Holzstempel prägt.
Einblick in die noch gar nicht so alte Vergangenheit Fuerteventuras bieten eine ganze Reihe kleiner, aber feiner Museen, untergebracht in historischen Gebäuden. Das Museo de la Pesca Tradicional etwa ist im Faro de Tostón im äußersten Norden untergebracht. Gezeigt wird das karge und gefahrvolle Leben der kanarischen Fischer. Sehenswert sind auch die drei Leuchttürme aus drei Jahrhunderten. Küstenfischerei wird rund um die Insel noch heute betrieben, der Fang ganz frisch serviert – etwa im „Cava Azul“ am kleinen Hafen im nahe gelegenen El Coltillo. Die Strände rund um den Leuchtturm lohnen zu einem Badestopp: Feiner Sand, kindertaugliche flache Lagunen, kaum ein Mensch zu sehen und ein schöner Blick auf die Nachbarinsel Lanzarote.
Von Lanzarote aus startete 1402 der Normanne Jean de Béthencourt für die Spanier den Eroberungsfeldzug gegen die Ureinwohner, die Majoreros. Nach deren Unterwerfung gründete er im geografischen Zentrum eine erste Stadt, die nach ihm Betancuría genannt wurde und bis 1834 Inselhauptstadt war.
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