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Interview

WDR 5 Moderator Jürgen Wiebicke spricht über das Phänomen des Reisens

28.07.2012 | 08:45 Uhr
WDR 5 Moderator Jürgen Wiebicke spricht über das Phänomen des Reisens
"Frei wie ein Vogel" heißt es. Auf manchen Reisen kommt man diese Gefühl sehr nahe.

Essen.   Zu verreisen oder Urlaub zu machen ist für die Deutschen normal. Doch was fasziniert uns so sehr daran, die Heimat zu verlassen? Jürgen Wiebicke vom WDR 5 spricht über den Reiz der Fremde und den Unterschied zwischen Reisen und Urlaub.

Fremde Länder und Kulturen faszinieren den Menschen seit jeher. Über die Sehnsucht nach dem Unbekannten, die Folgen des Tourismus und den Sinn des Reisens sprach Katharina Klöber mit Jürgen Wiebicke, Moderator des Philosophischen Radios auf WDR 5.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Urlaub machen und Reisen?

Jürgen Wiebicke: Wenn ich Urlaub mache, geht es darum, dass ich wieder Kräfte sammel’ für den Alltag zu Hause. Es geht also ums Abhängen. Und ich kenne die Bedingungen. Beim Reisen habe ich dagegen eine unbekannte Komponente.

Warum reisen wir denn ins Unbekannte?

Wiebicke: Wahrscheinlich weil wir’s nicht zu Hause aushalten, weil wir eine innere Unruhe haben. Wir müssen unterwegs sein und uns von Vertrautem distanzieren , um schlauer zu werden.

Woher kommt diese Unruhe?

Wiebicke: Von unserer Anlage her sind wir mobile Wesen. Früher waren wir den ganzen Tag auf den Beinen. Heute sitzen wir am Schreibtisch und beugen den Rücken .

Manchen scheint das nichts auszumachen. Nicht jeder verspürt einen Drang, aufzubrechen.

Wiebicke: Natürlich, die Menschen sind eben sehr verschieden. Einige leben aus der Bewegung heraus, andere leben stark von vertrauten Routinen. Das war selbst bei den berühmten Philosophen so. Nietzsche und Rousseau sind gereist und gewandert, Kant dagegen hat sein ganzes Leben in Königsberg verbracht.

Was bedeutet das organisierte Reisen, der Tourismus, für unsere Welt?

Wiebicke: Einerseits hat der Tourismus zu einer globalen Welt beigetragen, andererseits zu ihrer Homogenisierung. Heute sieht’s überall mehr oder weniger gleich aus.

Immerhin haben wir heute überhaupt die Möglichkeit, uns zu vernetzen, zu reisen, andere Länder und Kulturen kennen zu lernen.

Wiebicke: Historisch betrachtet ist der Tourismus ein neues Phänomen. Wir in den westlichen Ländern haben uns daran gewöhnt, mindestens einmal im Jahr in Urlaub zu fahren. Aber Milliarden Menschen auf der Welt verstehen nicht, was wir da tun. Wir fahren nach Afrika, besuchen ein Dorf, und die Bewohner wissen nicht, warum wir da sind. Der reisende Mensch müsste sich selbst eigentlich komisch vorkommen, weil er oft selbst nicht weiß, warum er das tut.

An welche Reise erinnern Sie sich denn gerne zurück?

Wiebicke: Ich bin mal über den Balkan getrampt, bis nach Ungarn. Das war vor dem Krieg in Jugoslawien. Trampen – diese Reiseform gibt es heute gar nicht mehr. Ich wusste morgens nie, wo ich abends bin. Manche Gespräche waren inspirierend, bei anderen war ich froh, wenn ich wieder ausgestiegen bin.

In der Geschichte ‘Oh, wie schön ist Panama’ von Janosch machen sich der kleine Tiger und der kleine Bär nach Panama auf, ins Land ihrer Träume. Am Ende laufen sie im Kreis, kommen wieder zu Hause an und  stellen fest: Dort ist es am schönsten.

Wiebicke: Das ist doch sehr oft so. Man muss erst wegfahren, um zu erfahren, dass es bei uns gut ist. Ich habe in Bolivien mal eine Silbermine besichtigt. Die Verhältnisse, die Arbeitsbedingungen waren brutal. Das hat die ganze Reisegruppe aus der Kurve geworfen.

Aber Sie haben auch etwas mitgenommen.

Wiebicke: Ja. Das Reisen macht uns offenherziger. Die Erinnerungen dieser Reisen bleiben ein Leben lang. Es geht aber nicht primär um Landschaften oder Städte. Was bleibt, sind die Begegnungen.

Von KATHARINA KLÖBER



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