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Rechts-konservative Traditionalisten wollen Hindenburg-Platz wiederhaben

28.06.2012 | 18:42 Uhr
Rechts-konservative Traditionalisten wollen Hindenburg-Platz wiederhaben

Münster.   In Münster streiten konservative Bürger dafür, den gerade umbenannten Schlossplatz wieder zum Hindenburgplatz zu machen. Dieses breite, aktive Eintreten für umstrittene Personen wie Hindenburg, der Hitler 1933 zum Reichskanzler berief, ist neu. Und verstörend.

Unfrieden in der Stadt des Westfälischen Friedens: Nach der durch den Stadtrat beschlossenen Umbenennung des früheren „Hindenburgplatzes“ in „Schlossplatz“ machen rechts-konservative Traditionalisten Druck: Sie wollen ihren alten Hindenburg wiederhaben. Über 15  000 Unterschriften liegen dem Stadtrat vor, mit denen vehement die Rückbenennung gefordert wird. Das lehnte der Rat ab. Jetzt kommt es im September zum Bürgerentscheid. Dieses breite, aktive Eintreten für umstrittene Personen wie Hindenburg, der Hitler 1933 zum Reichskanzler berief, ist neu. Und verstörend.

1927 wurde der riesige Platz vor dem Münsteraner Schloss in Hindenburgplatz umgetauft – zu Ehren des Reichspräsidenten der damaligen Weimarer Republik. Bis März 2012 trug der Platz diesen Namen, viele akzeptierten ihn, ohne groß darüber nachzudenken. Doch seit Jahren gab es immer wieder Initiativen, die Ehrung Hindenburgs zu beenden. Nach einer intensiven Debatte, nach Info-Ausstellungen und öffentlichen Diskussionen beschloss der Münsteraner Stadtrat im März die Umbenennung. „Hindenburg wollte hinter die Demokratie von Weimar zurück und die freiheitliche Ordnung bewusst in eine autoritär-obrigkeitliche umwandeln“, begründete Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) seine Haltung zur Aberkennung des Namens.

Bürger-Abstimmung im September

Viele namhafte Historiker der Unistadt Münster stimmen dem zu. Hindenburg habe Hitler ernannt, sofort den Reichstag aufgelöst und damit bewusst die Einspruchsmöglichkeit des Reichstages gegen seine Entscheidung verhindert, sagte beispielsweise der Geschichtswissenschaftler Prof. Alfons Kenkmann in einem Zeitungsinterview – und widerspricht damit denjenigen, die die persönliche Verantwortung des damaligen Reichspräsidenten herunterreden.

Doch der Beschluss der Politiker blieb nicht unwidersprochen. Ausgerechnet die Junge Union, Nachwuchsorganisation der Partei des Oberbürgermeisters, war eine der ersten Gruppen, die die Rolle rückwärts anregten. Seit März sammelte eine Bürgerinitiative, der sich erzkatholische Strömungen bis hin zur rechtsextremen „Pro NRW“ verbunden fühlen, über 15 000 gültige Stimmen für einen Bürgerentscheid – weit mehr als nötig für die Bürger-Abstimmung am 16. September.

„Furchtbar blamabel“ für Münster findet das Prof. Barbara Stollberg-Rilinger, Trägerin des Leibniz-Preises und Sprecherin des Exzellenzclusters Religion und Politik der Universität Münster. Es sei ein Unterschied, ob ein Platz jahrzehntelang den Namen Hindenburgs trägt und diese Bezeichnung stillschweigend behält, oder ob ihm aktiv dieser Name zurückgegeben werde. Die Friedensstadt Münster schicke sich an, damit ausdrücklich einen Militaristen zu ehren, kritisiert die renommierte Wissenschaftlerin.

Mittlerweile gibt es auch eine Bürgerinitiative, die sich für die Beibehaltung des neuen Namens Schlossplatz ausspricht. Münster steht ein politisch heißer Sommer bevor.

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Info: Namensstreit auch in der Region

Ob Hindenburg, Karl-Wagenfeld (Schriftsteller, gilt als Repräsentant rassistischer Anschauungen) oder Agnes Miegel (Schriftstellerin, Verehrerin Hitlers): In vielen Städten wird diskutiert, ob umstrittenen historischen Personen die Ehrung durch Straßennamen aberkannt werden soll.

In Siegen stehen seit Jahren die Hindenburgstraße und die Hindenburgbrücke im Fokus – bislang ohne Ergebnis. 2001 wurde zuletzt in politischen Gremien darüber diskutiert.

In Essen haben die Grünen beantragt, die Hindenburgstraße nach Gustav Heinemann zu benennen.

In Lünen sollen die Agnes-Miegel-Straße und die Karl-Wagenfeldstraße umbenannt werden, beschloss der Rat kürzlich.

In Arnsberg wird die Karl-Wagenfeld-Schule in Graf-Gottfriedschule umbenannt. Die Karl-Wagenfeldstraße aber bleibt. Grund: Aufwand für die Bürger durch die Adressenänderung.

Heinz Krischer


Kommentare
04.07.2012
12:35
Rechts-konservative Traditionalisten wollen Hindenburg-Platz wiederhaben
von lbeck | #3

Die Gesichter scheinen mir alles andere als leer.

Diese Aktion (siehe Bild) wurde von munteren Studierenden der Universität Münster und anderen gestaltet, die sich dabei der Anwendung, der in diesen Kreisen scheinbar unbekannten Technik der Ironie bedient haben. ;)

SATIRE !!!

29.06.2012
11:48
Rechts-konservative Traditionalisten wollen Hindenburg-Platz wiederhaben
von khecki | #2

Man muss nur in die Gesichter gucken.Leerer Blick und nichts dahinter

28.06.2012
23:01
Rechts-konservative Traditionalisten wollen Hindenburg-Platz wiederhaben
von yulem | #1

Eine konservative Mehrheit in Münster hat immer wieder eine geforderte Umbenennung verhindert obwohl es schon 1947 einen Innenministererlass gab nachdem Militaristen wie Hindenburg von den Straßenschildern in ganz NRW entfernt werden sollten. http://www.muenster.de/stadt/archiv/pdf/hindenburg_rp_1946-11-16.pdf
Die längst fällige Umbenennungsentscheidung des Hindenburgplatzes in Schlossplatz durch den Rat ist eine gute. Das geschichtsblinde reaktionäre Bürgerbegehren dagegen ist blamabel für Münster: Wie kann man ernsthaft heutzutage einen Hindenburg wieder aufs Schild heben wollen?

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