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Soko Leitplanke unterwegs auf den Straßen in Südwestfalen

08.06.2012 | 18:57 Uhr
Soko Leitplanke unterwegs auf den Straßen in Südwestfalen
Gefährliche Leitplanken an der Altenaer Straße zwischen Lüdenscheid und Altena.

Hagen/Menden/Siegen.   Nach einem schweren Unfall im Hönnetal suchen Straßenmeistereien in Südwestfalen Leitplanken, die sich wie Speere in die Fahrertüren von Fahrzeugen bohren können.

Eigentlich sollen Leitplanken den Verkehr sicherer machen und Autofahrer schützen. Aber bei einem Unfall am 18. April im Hönnetal wurden sie einem 30 Jahre alten Mann aus Hemer zum Verhängnis: Beim Aufprall durchbohrte die Schutzplanke die Fahrertür, der junge Sauerländer wurde schwer verletzt. Nun kontrolliert Straßen-NRW alle Leitplanken an Bundes- und Landstraßen in Südwestfalen.

Seit vier Wochen fahndet die Landesbehörde nach solch gefährlichen Leitplanken. Präziser gesagt, nach uralten Konstruktionen, deren Enden nicht im Boden versenkt sind und die wegen der hohen Verletzungsgefahr bei einem Zusammenstoß bereits seit 1969 laut ADAC nicht mehr aufgestellt werden dürfen.

„Die Fahndung läuft auf Hochtouren“, berichtet Eberhard Zimmerschied unserer Zeitung. Den Abteilungsleiter bei der Regionalniederlassung Südwestfalen haben die Ergebnisse der ersten „Kon­trollfahrten“ überrascht: „Das Hönnetal ist kein Einzelfall, die Meistereien haben in den vier Wochen die Hälfte der 2050 Kilometer langen Straßenabschnitte in unserem Bezirk kontrolliert und bereits mehr als 100 solch gefährlicher Leitplanken entdeckt.“

Gefahr bei schneller Fahrt

Ausgetauscht werden müssten, so Zimmerschied, nur alte Leitplanken, die außerorts stehen. „Sie sind nur eine Gefahr, wenn man mit hoher Geschwindigkeit auf sie prallt. Jedenfalls mit mehr als 50 km/h. Innerorts sollen die alten Schutzplanken mit ihren verdickten Enden stehen bleiben.“

Zimmerschied schätzt, dass am Ende der Fahndung „mehrere hundert Leitplanken“ allein in Südwestfalen ausgetauscht werden müssen. „Und das wird dauern“, ergänzt er. Frühestens im August könnte mit den Arbeiten begonnen werden. „Bis dahin müssen wir uns erst einmal einen Überblick verschaffen.“

Der Abteilungsleiter wundert sich, dass es diese als gefährlich geltenden alten Schutzplanken überhaupt noch gibt. „In den 1980er Jahren gab es einen Vorstoß der Bundesregierung, sie alle abzubauen. Warum das nicht umgesetzt wurde, ist mir ein Rätsel.“

Pionierarbeit in Südwestfalen

Die Straßenmeistereien in Südwestfalen leisten laut Zimmerschied zurzeit Pionierarbeit. „Ein spezielles Programm ist auf den Rechnern aufgespielt worden.“ Es beinhalte Kartenmaterial mit Fotos der Straßenabschnitte, an denen Schutzplanken ein Sicherheitsrisiko darstellen. „Und jedes einzelne Bild zeigt uns, was getan werden muss.“

Dass die Strichliste bald schon nicht mehr auf einen Bierdeckel passt, ist Zimmerschied bewusst: „Im Hochsauerlandkreis wird es nicht anders aussehen.“ Dort und in den anderen Regionen des Landes sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis man die gefährlichen Leitplanken ins Visier nimmt.

Der Siegerländer weist darauf hin, dass solche Schutzplanken auch auf privatem Gelände unter bestimmten Umständen entschärft werden müssen. Das hänge von der Straßenlage und den Begebenheiten vor Ort ab. Der Unfall im Hönnetal, der zur sogenannten „Soko Leitplanke“ geführt hat, ereignete sich auf einer privaten Straße. „Für die Kosten eines Austausches von Leitplanken auf Privatgelände müssen die betroffenen Bürger aufkommen“, erklärt Zimmerschied. Die Kassen von Bund, Land und Kreisen würden „so oder so“ bald geschröpft. Nach seinen Schätzungen kostet jede einzelne Maßnahme zwischen 1000 und 2000 Euro. Für Südwestfalen rechnet er mit einem hohen fünfstelligen Betrag. Immerhin gebe es drei Möglichkeiten, die Begrenzungen zu entschärfen: „Erstens kann man die Planke entfernen, zweitens kann man sie zu einem Bogen verlängern, drittens kann sie in der Erde versenkt werden.“ Letzteres wäre die teuerste Variante.

Tragischer Unfall

In allen Fällen, so Zimmerschied, müsse eine Fachfirma mit den Arbeiten beauftragt werden. Da man als Landesbehörde gezwungen sei, die Vergabe der anstehenden Arbeiten auszuschreiben, könne sich „alles noch ein bisschen nach hinten verschieben“.

Der Unfall im Hönnetal sei tragisch, fasst es Eberhard Zimmerschied zusammen, aber er habe letztlich dazu geführt, dass endlich gehandelt wird: „So wie es uns die Polizei mitgeteilt hat, war der junge Mann zu schnell unterwegs. Hätte sich der Wagen nicht gedreht, wäre die Leitplanke vom Motorblock gebremst worden und wir würden immer noch nicht nach dieser Gefahrenquelle auf unseren Straßen Ausschau halten.“

Rudi Pistilli



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