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Tierschutz

Mettwurst voller Tacker-Nadeln

31.08.2015 | 23:00 Uhr
Mettwurst voller Tacker-Nadeln
Paula, Rudi und Emma (von links), die Hunde von Arndt Wellbrock aus Sundern, haben einen Giftköder überlebt.Foto: Privat

Hagen.   Auch in Südwestfalen legen Hundehasser Giftköder aus. Hundebesitzer wechseln aus Sorge ihre Gassi-Route und buchen Anti-Giftköder-Seminare .

Emma schmatzte – und Arndt Wellbrock witterte gleich Gefahr. Er griff der Labrador-Dame ins Maul und räumte der Hündin den Mund leer. Hackfleisch durchsetzt mit Rattengift, wie Arndt Wellbrock erst nur vermutete, später von der Tierärztin bestätigt bekam. Auch seine Hündin Paula hatte davon gefressen, ebenso der Terrier Rudi. Alle drei bekamen ein Brechmittel – und überlebten glücklich.

Hackfleischbällchen mit Nägeln. Fleischwurststücke mit Rasierklingen durchsetzt. Mettwürste voller Tacker-Nadeln. Mit gefährlichen Ködern am Wegesrand scheinen auch in Südwestfalen Hundehasser dem besten Freund des Menschen immer häufiger nach dem Leben zu trachten, wie Meldungen auf Online-Plattformen wie giftkoeder-radar.com belegen. Dort kann jeder Nutzer Funde, Verdachtsfälle und Warnungen vor Rattengift am Wegesrand melden. Vollständig ist die Liste nicht. Allein von zehn Verdachtsfällen hat Arndt Wellbrock in den vergangenen Wochen in Sundern erfahren.

Die Augen immer am Hund

Jetzt begleitet ihn die Sorge um seine Tiere auf den Spaziergängen. „Wir passen nun extrem auf“, so Arndt Wellbrock. Andere Hundebesitzer führen ihre Lieblinge nur noch mit Maulkorb spazieren, berichtet er aus seiner Heimatstadt.

Wieder andere buchen ein Anti-Giftköder-Training in Hundeschulen. Nachdem man in Neunkirchen Leberwurst voller Rattengift gefunden hatte und im vergangenen Jahr der Hund von Bekannten an einem solchen Köder starb, bietet auch Hundetrainerin Alexandra Wurmbach Schulungen für Hund und Herr an. Mit dem Ziel, dass die Tiere Wurststückchen links liegen lassen, wenn Frauchen „nein“ befiehlt. Was allerdings bedeutet, dass die Besitzer „die Augen immer am Hund haben müssen“, so Trainerin Alexandra Wurmbach. Vollkommenen Schutz jedoch bietet selbst ein solches Training nicht: „Wenn etwas so gut riecht wie Hackfleisch, dann wird auch der besterzogene Hund manchmal schwach“, sagt Manuela Liefländer, ebenfalls Hundetrainerin und -psychologin aus Neheim.

Und so liegen die Nerven der Hudebesitzer derzeit blank. „Wenn sich das Tier nur einmal erbricht, überlegt man schon aufgelöst, was es aufgeschnappt haben könnte“, schildert Manuela Liefländer die Stimmung. Kaum, dass auf giftkoe­der-radar.de oder in sozialen Netzwerken eine neue Warnung auftaucht, wechselten Herrchen und Frauchen in den nächsten Wochen die Gassi-Route, um den Ködern aus dem Weg zu gehen. Aus jedem achtlos weggeworfenen Stück Wurst, werde gleich ein Giftköder gemacht, kritisiert man beim Tierschutzverein Hagen, dass längst nicht hinter jeder Internet-Meldung tatsächlich eine heimtückische Attacke steckt.

Spurenlage geht gegen null

Bei der Polizei im Hochsauerland jedoch will man die Sorgen der Hundebesitzer nicht abtun. „Es gibt solche Fälle immer wieder im Kreisgebiet“, so Pressesprecher Ludger Rath. Wer auf einen Giftköder stoße, der solle dies anzeigen. Auch, wenn die Täter kaum zu ermitteln sind. „Die Spurenlage geht da gegen null“, so Ludger Rath. Das hat auch Arndt Wellbrock erfahren müssen: Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen in seinem Fall eingestellt.

Nina Grunsky

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Mettwurst voller Tacker-Nadeln
Mettwurst voller Tacker-Nadeln
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2015-08-31 23:00
Sauer und Siegerland