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Konzept für Pumpspeicherkraftwerk überzeugt Bürgermeister

19.02.2013 | 17:57 Uhr
Konzept für Pumpspeicherkraftwerk überzeugt Bürgermeister
Das Pumpenspeicherkraftwerk des Energieversorgers Mark-E in Rönkhausen.Foto: Hans Blossey

Hagen/Sundern/Finnentrop.   Im Sauerland ist alles anders: Technische Großprojekte werden hier nicht nur kritisch gesehen. Wenig Widerstand gegen geplantes Pumpspeicherkraftwerk in Sundern und Finnentrop erwartet. Man sei „vorsichtig optimistisch, dass es in der Region kein Theater gibt“.

Mit Spannung erwarten die Räte der Stadt Sundern und der Gemeinde Finnentrop sowie die Bewohner der umliegenden Ortschaften in Kürze Informationen über ein geplantes Pumpspeicherkraftwerk des regionalen Energieversorgers Mark-E sowie der Grünwerke in der Region, das in zehn Jahren seinen Betrieb aufnehmen könnte.

Die Töchter der Enervie-Gruppe aus Hagen und der Stadtwerke Düsseldorf wollen am kommenden Dienstag den Räten mit dem Sorpeberg in Wildewiese und dem Ermecketal bei Glinge einen von zwei im Sauerland ins Auge gefassten Standorten (von ursprünglich 400) für das technische Großprojekt vorstellen und „die Meinungsbildung vor Ort prüfen“, wie Enervie-Pressesprecher Uwe Reuter unserer Zeitung sagte. Den Standort für Plan B wollte er noch nicht nennen. Es werde keine Projektplanung vorgestellt - zu entscheiden gebe es noch nichts, fügte er hinzu: „Bevor wir in die konkrete Planung gehen, brauchen wir den Konsens vor Ort.“

Speicher sind notwendig

Pumpspeicherkraftwerke - bekanntes Beispiel ist das Koepchenwerk am Hengsteysee bei Herdecke - dienen der Speicherung von elektrischer Energie durch Hinaufpumpen von Wasser. Dieses lässt man später wieder bergab fließen erzeugt damit mittels Turbinen und Generatoren Strom, der gespeichert werden kann - nach Reuters Worten sind Pumpspeicherkraftwerke die zurzeit einzige verfügbare Form von Energiespeicher in großem Maßstab und wichtig für die Umsetzung der Energiewende. Speicher gelten als erforderlich, um den schwankenden Energiebedarf mit dem wetterabhängigen Angebot an regenerativ erzeugtem Strom in Einklang zu bringen.

Laut Sitzungsvorlage für den Rat der Gemeinde Finnentrop ist das drei Millionen Kubikmeter fassende Oberbecken des Pumpspeicherwerks auf dem Sorpeberg im Gebiet der Stadt Sundern, Ortsteil Wildewiese, unweit des Skigebiets vorgesehen. Das mit dem Oberbecken durch Rohre unterirdisch verbundene Unterbecken ist im Ermecketal auf Finnentroper Gebiet nördlich des Ortsteils Rönkhausen/Glinge geplant. Dort steht seit den 60er Jahren wenige hundert Meter entfernt das Unterbecken des alten Mark-E-Pumpspeicherwerks. Die neue Anlage soll den Plänen zufolge parallel dazu das Dreifache des elektrischen Arbeitsvermögens mit einer Kapazität von 420 Megawatt aufweisen.

Überzeugendes Konzept

Sunderns Bürgermeister Detlef Lins und sein Finnentroper Amtskollege Hess wurden schon vor einigen Wochen über die Pläne von Mark-E im Sunderner Rathaus informiert: „Wir hielten das Konzept für so überzeugend, dass wir es in die Prüfung geben“, so Lins gestern. „Es gibt gute innovative Möglichkeiten, vieles an Technik unterirdisch zu legen“, betonte der Sunderner Bürgermeister. Jedoch würde es in der etwa drei- bis vierjährigen Bauzeit am Sorpeberg und auch auf dem Weg zum Unterbecken im Finnentroper Ermecketal bei Glinge eine Großbaustelle mit vielen Erdbewegungen geben.

Lins sagte weiter, dass so ein Projekt in der aktuellen Diskussion „absolut überdenkenswert“ sei. Dies sei für Sundern ein wichtiger Baustein neben der Windkraft, die nicht von diesen Plänen tangiert würde: „Die Kommune kann sich so aktiv in die Energiewende einbringen.“ Gleichzeitig sei es richtig, dies als interkommunales Projekt mit der Nachbargemeinde anzupacken. Touristisch sieht Lins Chancen: „So könnte unter Umständen auch das Schneeproblem in Wilde-wiese gelöst werden. Allerdings gibt es da noch keine Gespräche“, verwies er auf die Möglichkeit, aus dem oberen Reservoir Wasser für Schneekanonen abzuzwacken. Die Planer hätten versichert, dass der Bau auch immer viele Schaulustige bringe.

„Kein Theater“

Auch Reuter zeigte sich „vorsichtig optimistisch, dass es in der Region kein Theater gibt“ - nach den „guten Erfahrungen“ mit dem alten Pumpspeicherkraftwerk. Schließlich entstünden auch neue Arbeitsplätze.

Stefan Pohl und Matthias Schäfer



Kommentare
20.02.2013
14:18
Konzept für Pumpspeicherkraftwerk
von Gladiator112 | #3

Ich finde das eine tolle Sache! Ich wohne in Nähe des Oberbeckens und kann nur sagen, dass es einer der schönsten Orte im Sauerland zum Spazierengehen ist.

Wir haben ja mit Oberbecken und Unterbecken hier in der Region sehr gute Erfahrungen gemacht. Sicher wäre eine derartige Großbaustelle und auch die "doppelte Seenplatte" ein Touristenmagnet und auch für alle Einheimischen von Freizeitwert, wenn man dies direkt von Beginn, wie auch mit dem Weg um das Oberbecken, richtig einplant!

Natürlich muss vorher klar festgelegt werden, wie die Bauarbeiten möglichst wenig die Bewohner in der näheren Umgebung stören.

20.02.2013
09:46
Konzept für Pumpspeicherkraftwerk überzeugt Bürgermeister
von neo65 | #2

Zitat:

„So könnte unter Umständen auch das Schneeproblem in Wildewiese gelöst werden"

"Die Planer hätten versichert, dass der Bau auch immer viele Schaulustige bringe."

Hat Herr Lins nicht mitbekommen, dass seit Aschermittwoch der Karneval vorbei ist?
Ich finde es dramatisch, dass solche Politiker mitentscheiden, wie später unsere Landschaft aussieht. Selten einen solchen Blödsinn gelesen. Mann kann nur hoffen, dass die Bürger sich früh gegen die Pläne zur Wehr setzen.

1 Antwort
Warnung vor political incorrectness
von FernerBeobachter | #2-1

" Mann kann nur hoffen, dass die Bürger sich früh gegen die Pläne zur Wehr setzen..."

Aber, aber! Mit einer solchen political incorrectness stellt man sich doch dem "von allen gewolten Energieausstieg.. äh.. wollte sagen: Energiewende zum Ausstieg aus der Atomenergie" in den Weg, dich doch "von allen gewollt ist...":-) Nicht, dass es hinterher heißt: ...die hinterwäldlerischen Dxxxx aus dem Sauerland glauben noch ans Atom...."

20.02.2013
09:09
Konzept für Pumpspeicherkraftwerk überzeugt Bürgermeister
von FernerBeobachter | #1

400 MW ist ja schon mal ne Hausnummer. Mich würde nur mal interessieren, wie lange diese Kapazität abgegeben werden kann. Das ist die zweite interessante Kennzahl von Pumpspeichern.
Dass Pumpspeicherkraftwerke die einzige verfügbare Form von Energiespeichern in großem Maßstab sind, ist völlig richtig. Wenn auch nur der wirklich realisierbare Teil des Merkelschen Machterhaltungsmanövers in die Realität umgesetzt werden soll, dann wird Finnentrop nicht die einzige Baustelle bleiben. Es ist ja genug Platz im Sauerland, und so schwierig sind Umsiedlungen chinesischen Ausmaßes auch wieder nicht.

1 Antwort
Korrektur:
von FernerBeobachter | #1-1

Streiche "Kapazität", setze "Leistung". Nach der "Kapazität" hatte ich anschließend gefragt

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