Das aktuelle Wetter NRW 11°C
Inklusion

Grundschule Overberg in Hagen als Vorbild für integrativen Unterricht

18.01.2012 | 12:00 Uhr
Erfolgreiches Beispiel für Inklusion: Andre Birkenhauer, Schüler der Realschule Olsberg, mit Schulleiter Michael Aufmkolk. Foto: Jutta Klute

Hagen.  Die "Inklusion", der gemeinsame Unterricht von behinderten und nichtbehinderten Kindern, ist derzeit in der Diskussion. Viele Lehrer, vor allem an Gymnasien, stehen dem Konzept skeptisch gegenüber. An einer Hagener Grundschule hingegen, wird das Modell seit 2003 erfolgreich in der Praxis umgesetzt.

Das Schlagwort „Inklusion“ spaltet die Lehrerschaft in Südwestfalen in zwei Lager: Während für das eine die Forderung nach mehr gemeinsamem Unterricht von behinderten und nichtbehinderten Kindern nicht schnell genug umgesetzt wird, fürchtet das andere eine Überforderung aller. An der katholischen Grundschule Overberg in Hagen wird Inklusion jedoch bereits erfolgreich gelebt.

Langfristig, da sind sich die von unserer Zeitung befragten Lehrer einig, müsse das Ziel sein, alle Kinder, bei denen es möglich ist, mit pädagogischer Unterstützung in den Regelschulalltag zu integrieren. Viele Pädagogen befürchten aber, dass geltende Regeln der Landesregierung nicht genügen. Räumliche Gegebenheiten müssten erst veränderten pädagogischen Anforderungen angepasst werden, um Platz für individuelle Förderung zu schaffen. Zusätzliche Kinder mit Behinderung in der Klasse würden auch zusätzliche Sonderpädagogen erfordern.

„Es fehlt vor allem noch an praktischen Handlungsanleitungen“, berichtet Heidi Düwel (49), Schulleiterin der Mariengrundschule Meschede. An ihrer Schule seien die Voraussetzungen noch nicht gegeben. Betroffene Kinder könnten nicht so gefördert werden, „dass sie etwas davon haben“.

Der Unterricht darf nicht zu einem täglichen Kampf werden

Auch für Barbara Wolf (49), stellvertretende Schulleiterin der Kardinal-von-Galen-Schule Eslohe, einer Förderschule, macht Inklusion nur Sinn, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. „Die Schüler dürfen nicht hinter das zurückfallen, was an einer Förderschule geleistet wird. Nur dann ist es eine gute Sache.“ Es gebe immer noch viele Eltern, für die der Unterricht an einer Regelschule als enorme Belastung empfunden wird. „So manches behinderte Kind geht in zu großen Klassen unter. Da wird der Unterricht zum täglichen Kampf.“

Gemeinsames Lernen

Jutta Liese, Schulleiterin der Katholischen Grundschule Overberg in Hagen, kann die Aufregung nicht verstehen. Ihre Schule gilt bereits jetzt als eine mit Vorbildcharakter: Sie hat es beim Wettbewerb um den Deutschen Schulpreis unter die 20 besten der Republik geschafft. Am kommenden Donnerstag reist die 62 Jahre alte Schulleiterin nach Dillingen an der Donau, um den Bayern Inklusion nahe zu bringen.

In Hagen wird Inklusion gelebt - seit 2003

„Wir leben Inklusion. Seit 2003“, berichtet Jutta Liese. Da werde kein Kind vorher getestet. „Und genauso, wie ein Kind bei uns nicht erfährt, dass es hochbegabt ist, genauso erfährt ein anderes auch nicht, dass es behindert ist.“ Keines werde abgestempelt, jedes sei anders: „Nur darin ist jedes Kind gleich.“

Jutta Liese ist es nicht entgangen, dass vor allem Gymnasiallehrer der Inklusion besonders skeptisch gegenüber stehen. „Jeden mitzunehmen, das ist nicht einfach, aber es geht“, sagt sie. Ihre Kollegen sollten vom „Frontalunterricht“ Abstand gewinnen. Gymnasiallehrer sollten verinnerlichen, dass sie „in erster Linie Pädagogen und erst in zweiter Linie Lehrer sind“.

Für Jutta Liese, die selbst an einer Förderschule gearbeitet hat und die Arbeit der Lehrer dort schätzt, ist die Zeit der Förderschulen abgelaufen. „Von Ausnahmen abgesehen, gehört jedes behinderte Kind in eine Regelschule.“

Kein Kind darf zurückgelassen werden

In der Gesamtschule Fröndenberg mit ihren 1600 Schülern scheint Inklusion dem nahe gekommen zu sein, was sich die Landesregierung vorstellt. „Bei uns haben die Politiker alle Maßnahmen umgesetzt, die man dafür benötigt“, berichtet Schulleiter Klaus de Vries. In zwei Klassen seien insgesamt fünf behinderte Schüler „voll integriert“. „Beide Unterrichtsräume haben Anschluss an Differenzierungsräume. Wir sind im zweiten Jahr, das Lernklima ist positiv zu bewerten.“ Sonderpädagogen seien 2,5 Stunden die Woche für jeden einzelnen Schüler da.

Für de Vries steht fest: Inklusion führe das dreigliedrige Schulsystem ad absurdum. „Wenn behinderte Kinder nicht mehr ausgegliedert werden sollen, warum sollen es dann die sogenannten normalen Kinder?“ Kein Kind dürfe zurückgelassen werden. Es fehle nur noch eine spezielle Qualifizierung der Lehrer an allen Schulformen bei ­gleichzeitiger Reduzierung der Klassengrößen. „Wenn man behinderte Kinder nicht mehr aussortiert, dann hat das etwas mit Menschenwürde zu tun.“

Rudi Pistilli


Kommentare
18.01.2012
21:36
Grundschule Overberg vorbildlich
von stefanw2468 | #1

Genau aus diesem Grund wird die Overbergschule damals wie heute als Geheimtip unter Hagener Eltern gehandelt, die für ihr Kind Schwierigkeiten erwarten, weil es "anders" zu sein scheint als die meisten anderen Jungen und Mädchen: Zappelig, in sich gekehrt, besonders begabt oder was auch immer (ich vermeide hier mal die Fremdworte). Das Kind wird hier tatsächlich angenommen, sowohl im Verwaltungsakt wie auch als Mensch. Wir Eltern haben es bis heute zu keiner Minute bereut, unser Kind vor vielen Jahren an dieser kleinen und heimeligen Schule angemeldet zu haben, auch wenn es mittlerweile eine weiterführende Schule besucht..
Es wäre übrigens ein großer Verlust für Hagen, wenn diese Schule der "Wut" mancher Planer zum Opfer fiele.

Aus dem Ressort
Blitzschlag tötet 25-Jährigen aus Attendorn auf einer Wiese
Blitzschlag
Ein 25-jähriger Mann aus Attendorn ist von einem Blitzschlag getötet worden. Er befand sich mit einem 46-Jährigen auf einer freien Wiese, als über dem Ortsteil Ennest ein Gewitter aufzog. Der Blitz traf dabei die beiden Stuckateure. Die Wucht riss ihnen die Kleider vom Leib und verletzte sie schwer.
Blitzeinschlag in Menden - Mann (46) aus Trümmern gerettet
Unwetter
Bei einem Blitzeinschlag in Menden-Bösperde ist ein Mann schwer verletzt worden. Der Blitz brachte Teile des Dachstuhls eines Hauses zum Einsturz, der Mann wurde von den Trümmern verschüttet. Die Feuerwehr rettete ihn sowie sechs weitere Personen. Insgesamt sieben Bewohner erlitten Verletzungen.
Schroth kauft US-Firma für Flugzeug-Innenausstattung
Luftfahrtindustrie
Der Sicherheitsgurt-Hersteller Schroth ist auf Expansionskurs. Das Unternehmen, das Sicherheitsgurte für Luftfahrt, Automobilrennsport und Militär produziert, erwarb das US-Unternehmen „Interiors In Flight“. Mit der Acquisition erschließt Schroth ein neues Geschäftsfeld, denn „Interiors in Flight“...
Blitzeinschlag in Freienohl - Schock für Hausbewohnerinnen
Unwetter
Hoher Sachschaden entstand am Mittwoch in Freienohl, als ein Blitz in ein Wohnhaus einschlug. Zwei Bewohnerinnen erlitten einen Schock. Rund 50 Rettungskräfte waren im Einsatz. „Zwei der Bewohner hatten richtig Glück“, berichtet Christoph Pesch, Einsatzleiter der Feuerwehr über die Rettungsaktion.
Aus dem Gericht ins Gewahrsam
Polizei
Ein vorausgegangener Streit mit seiner Freundin und die flinken Beine einer Polizistin sind am Mittwochnachmittag in Siegen einen 20 Jahre alten Straftäter zum Verhängnis geworden. Bei dem Mann wurden Gegenstände gefunden, die aus Einbrüchen über die Osterfeiertage stammen, so die Polizei.
Umfrage
Kommunen im Sauerland wollen schärfer gegen besonders laute Motorräder vorgehen. Die Bußgelder werden drastisch erhöht. Was halten Sie davon?

Kommunen im Sauerland wollen schärfer gegen besonders laute Motorräder vorgehen. Die Bußgelder werden drastisch erhöht. Was halten Sie davon?

 
Fotos und Videos
Blitz schlägt in Dachstuhl ein
Bildgalerie
Unwetter
Wildnis Heiligenborner Wald
Bildgalerie
Urwald
Gruftenweg auf Siegener Friedhof
Bildgalerie
Denkmal
Osterhasenfete in Berge
Bildgalerie
Osterparty