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Eine Ausbildung im Hotel ist nichts für Zartbesaitete

28.12.2012 | 15:37 Uhr
Eine Ausbildung im Hotel ist nichts für Zartbesaitete
Vanessa (18) Azubi im Haus am Park Bad WesternkottenFoto: Stefan Pohl

Bad Westernkotten.  Die Arbeitszeiten in der Hotel- und Gastronomiebranche gelten als hart und schrecken viele Arbeitsplatzsuchende ab. Mit etwas Phantasie lassen sie sich attraktiver gestalten. Die wirklich guten Zeiten in der Branche sind aber seit Mitte der 90er-Jahre vorbei.

Die Arbeit im Hotel- und Gaststättengewerbe ist nichts für Zartbesaitete, denen ein Acht-Stunden-Tag heilig ist. Bewerber müssen belastbar sein, auch körperlich, und dürfen nicht murren, wenn der letzte Thekengast noch um ein Uhr nachts ein neues Pils bestellt. Kleine Betriebe haben es da besonders schwer, zumal in Kurorten, in denen der klassische Kurgast seine Zeit nur noch in Kliniken verbringt.

Aber Arbeitsbedingungen werden von Menschen gemacht, so wie von Markus Meiswinkel (34), Inhaber des Kurhotels Haus am Park in Bad Westernkotten. Und er hält die Organisation der Dienste seiner beiden Azubis in dem 36-Betten-Haus für besser als es dem üblichen Standard in der Branche entspricht. „Hotelfachfrauen müssen von ihren Kenntnissen her breit aufgestellt sein“, berichtet er.

Unaufdringliche Höflichkeit

Und da das Haus am Park nur Hausgäste aufnimmt, durchlaufen die Auszubildenden zum Ende des zweiten Lehrjahres ein spezielles außerbetriebliches Fortbildungsprogramm. Innerhalb von 14 Tagen lernen sie dann in einem Betrieb im pfälzischen Deidesheim auch noch die Finessen des A la carte-Geschäfts: die Tageskarte erklären und Empfehlungen aussprechen, den passenden Wein dazu servieren, unaufdringliche Höflichkeit vor allem. „Was wir hier in Bad Westernkotten für unsere Hausgäste organisieren, ist planbar“, erklärt Meiswinkel. „Das A la carte-Geschäft ist da schon schwieriger.“

Im Moment lernen bei Markus Meiswinkel Vanessa (18) und Angelika (17) den Umgang mit den meist älteren Gästen (die Mehrzahl ist über 70). Dafür hat der Chef den wechselnden Schichtbetrieb eingeführt: Wenn die eine Spätdienst hat, macht die andere Frühdienst, und der Frühdienst hat das Wochenende frei, was in der Gastronomie nicht selbstverständlich ist, wie Meiswinkel betont. Der so genannte Teildienst am Wochenende reicht von 7 bis 13.30 Uhr und von 16.30 bis 21.30 Uhr. Nur bis 21.30 Uhr, müsste man sagen, vergleichsweise. Das ist der älteren Kundschaft geschuldet, die früh zu Bett geht. Die aber auch ihre Ansprüche hat. Ihretwegen hält das Haus alle Angebote vor. „Wir wollten mal von der Vollpension weg“, berichtet Meiswinkel. „Aber das geht einfach nicht. 70 Prozent unserer Gäste verlangen das.“

Referenzen

Markus Meiswinkel führt den Familienbetrieb in dritter Generation. Seine Familie stammt väterlicherseits nicht aus dem kleinen Dorf Meiswinkel in der Nähe der Autobahnabfahrt Freudenberg der A45, sondern aus dem nicht viel größeren Helgersdorf bei Netphen. „Dort trägt der eine Teil des Dorfes den Namen Meiswinkel und der andere heißt Büdenbender“, erzählt der Hotelinhaber schmunzelnd. Und in eine Familie Büdenbender aus Helgersdorf hat im übrigen ein gewisser Frank-Walter Steinmeier eingeheiratet, der es in der SPD zu einiger Bekanntheit gebracht hat. Die schwarze Dienstlimousine mit dem Berliner Kennzeichen soll dort schon fast zum Ortsbild gehören.

Aber auch der mit einer Ärztin verheiratete Markus Meiswinkel kann einige Referenzen vorweisen. Ob das Händeschütteln mit Helmut Kohl dazu gehört, muss offen bleiben, aber gelernt hat Meiswinkel sein Handwerk immerhin bei dem legendären Küchenchef Manfred Schwarz im Deidesheimer Hof, und in dessen Küche konnte man dem damaligen Bundeskanzler kaum entkommen.

Zeit für Renovierungen

Heute sind das schöne Erinnerungen, heute beschäftigt sich der Hotelinhaber mit einfacheren Dingen. Die Betriebsferien nahen - Zeit für Renovierungen: Die Bäder müssen instandgehalten, Fassaden renoviert, die Filteranlage im Schwimmbad muss erneuert werden - das Haus ist schließlich 40 Jahre alt. Rund 40.000 Euro Investitionskosten veranschlagt Meiswinkel dafür, wie fast jedes Jahr. „Man braucht keine Angst zu haben, zu viel Gewinn versteuern zu müssen“, meint er mit einem Augenzwinkern.

Die wirklich guten Zeiten in der Branche sind seit Mitte der 90er-Jahre vorbei, bedauert er. Heute kommen 95 Prozent der Gäste aus dem Ruhrgebiet, „wenn ihnen die Fahrt in weiter entfernte Kurorte zu viel wird. In einer Stunde sind sie hier.“ Die Gäste seien zwar älter, aber auch fitter und anspruchsvoller geworden, so Meiswinkel. Früher, als Kostenträger wie die Knappschaft noch für Kuren aufkamen, hätten die auch auf Moral geachtet. „Und zusätzlich ist nachts auch noch mein Opa über die Flure gegangen und hat nachgeschaut, dass auch jeder in seinem eigenen Bett liegt.“

Stefan Pohl



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