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Das Geheimnis der schwarzen Hand, Folge 9

Das Geheimnis der schwarzen Hand
Criminale 2012

Sein alter Golf hatte ihn nur ganz selten im Stich gelassen und auch heute brachte er ihn – wenn auch etwas klapprig und mürrisch geworden – sicher in Richtung Marsberg.

Kurz vor dem Ortseingang von Bredelar bot sich dem Journalisten vom Sonnenlicht hell erleuchtet das beeindruckende Bild eines vorzüglich restaurierten Klosterkomplexes. Er hatte schon einmal von unterirdischen Gewölben und einer Klostermühle gehört. Sollte sich dort vielleicht die schwarze Hand befinden? Er parkte seinen Wagen in der Nähe des Westflügels und betrat das denkmalgeschützte Kloster.

„Leider konnte bisher nur der Westflügel und die ehemalige Klosterkirche restauriert werden. Für den Rest suchen wir noch einen Investor. Aber auch der wird sich noch finden“, war die zuversichtliche Antwort von Frau Veith, der Geschäftsführerin des Fördervereins Kloster Bredelar auf seine Frage zum ehemaligen Kloster und der späteren Eisenhütte Bredelar. Gerne und auch ein wenig stolz zeigte sie ihm die vorbildlich hergerichteten Räumlichkeiten, die heute zum überwiegenden Teil von ortsansässigen Vereinen genutzt werden und verwies auf die vielfältigen Veranstaltungen im Verlaufe eines Jahres.

Er war zwar neugierig geworden, aber die kleine Nachtmusik rief ihn wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Sollte er hier eine Spur von der schwarzen Hand finden? So interessant das Kloster und dessen neuerliche Nutzung auch waren, die Hoffnung hier eine mumifizierte Hand zu entdecken, war verschwindend gering. Er griff aufgeschreckt nach Mozart und der Nachtmusik. „Ja ich bin noch im Kloster“. - Und – „Nein keine Spur! Wo steckst Du überhaupt?“ Wendler teilte ihm mit, das der Erpresser nun endlich einen neuen Übergabetermin mitgeteilt hätte und das er zurzeit im Magnus Cafe in der Hauptstraße von Niedermarsberg bei einem guten Glas Westheimer sitzen würde. Die Übergabe der schwarzen Hand sollte auf geweihtem aber auch gleichzeitig auf historischem Boden stattfinden.

Welcher Ort wäre hierzu wohl geeigneter als die ehrwürdige Stiftskirche in Obermarsberg, hätte der Erpresser gesagt.

„Recht hat er ja! Der weiß, was er will“, Schulthof erinnerte sich an einen alten Stadtführer von Obermarsberg, der ihm vor längerer Zeit einmal in die Hände gefallen war.

Grau erinnerte er sich auch an die Geschichten von Karl dem Großen und der Christianisierung des Sachsenlandes. War da nicht auch noch ein Bild von so einer Irminsul, irgend so ein Heiligtum, dass die Sachsen verehrten. Ach - und wurde da nicht auch noch die Perle der Frühgotik erwähnt, die nun, wie hieß sie denn noch?

Ach ja die Nikolaikirche in der Oberstadt. Zwei hochrangige Gotteshäuser in einer kleinen Stadt, wo man wohl eher nur eine kleine mickrige Kirche vermutet hätte. Er beschloss, bei Gelegenheit diesem Ort auf dem Eresberg bald einen erneuten Besuch abzustatten. So viel gab es doch noch zu entdecken. „Gut, mein lieber Unbekannter, einen besseren Platz hättest Du Dir wirklich nicht aussuchen können. Ich bin gespannt auf die Übergabe und gespannt darauf, Dich kennenzulernen!“ „Punkt 22 Uhr auf dem Friedhof vor der Stiftskirche!“, teilte ihm der Kriminalkommissar mit und schlug ihm vor, doch zu ihm ins Cafe zu kommen.

„Der Erpresser scheint es mit der Liebe zum Detail und den historischen Örtlichkeiten recht ernst zu nehmen“, grummelte Schulthof zu seinem alten Freund, als er an seinem frisch gezapften Westheimer Pils nippte. „Neben der bedeutenden Geschichte hat dieses Örtchen aber noch einiges mehr zu bieten!“ „Stimmt“, pflichtete ihm Wendler zu. „Die brauen hier nicht nur ihr eigenes köstliches Bier, die stellen auch noch ihre eigenen Gläser dazu her“. „Und ihr eigenes Klopapier von der Wepa!“, scherzte Schulthof. „Sind ja so etwas wie Selbstversorger, obwohl sie wohl mit dem Glas von Ritzenhoff die ganze Welt versorgen!“, schmunzelte sein Freund. „Die örtliche Polizei ist informiert, ich bin gespannt, wer uns da heute Abend in die Falle tappt!“ Schon von weitem erhob sich majestätisch das hell erleuchtete Wahrzeichen von Obermarsberg vor den Augen der beiden Freunde.

Auf den Weg zum Übergabepunkt klingelte erneut das Handy des Kriminalkommissars. Erschrocken schauten sie sich an. Der Anruf bedeutete gewiss nichts Gutes. „Ihr habt zwar in Marsberg die älteste Psychiatrie von Westfalen, aber glaubt ja nicht, dass ich mich deshalb in diesem schönen Städtchen für dumm verkaufen lasse!“, röhrte der Erpresser durch die Hörmuschel. Und weiter raunzte er in den Hörer: „Im hellen Rampenlicht der Scheinwerfer der Stiftskirche werdet ihr die schwarze Hand nie zu Gesicht bekommen. Nicht nur Marsberg auch Medebach ist ein schönes Städtchen. Morgen, Herr Kommissar, morgen kommt Deine letzte Chance!“ Abrupt endete das Gespräch.

Hubertus Klenner

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