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Das Geheimnis der schwarzen Hand, Folge 13

23.04.2012 | 21:59 Uhr
Das Geheimnis der schwarzen Hand, Folge 13
Foto: WP

Die Wälder wurden immer tiefer und dunkler. Keine Menschenseele war zu sehen. Würde der Täter endlich Ernst machen?

In dieser großen Stadt würde es genug Übergabepunkte geben. Wendler schaute auf sein Handy. Die Empfangsstriche wurden schwächer. Das Wort „Hexenplatz“ konnte er gerade noch lesen. Dann erlosch die Anzeige. Aber der Hinweis passte.

Sie bogen in den Wald ab und tasteten sich langsam voran. Ohne Navi halfen die Wegweiser. An fast jeder Kreuzung stiegen sie aus und studierten die Hinweise. Oberkirchen 4 km, Waldskulpturenweg 3 km. In einer verwunschenen Mulde waren sie am Ziel. Das Kunstwerk erinnerte an ein untergegangenes vermeintliches Hexendorf. Sollte es hier noch okkulte Bräuche geben und jemand die Schwarze Hand deswegen gestohlen haben? Totenstille im Wald. Alles verlassen. Kein Hinweis auf einen toten Briefkasten.

Bernhard Halbe ist Bürgermeister in Schmallenberg und Autor dieser Folge.

„Spinnenfuß und Krötenbein, wir sind viele Geisterlein! Wir haben leere Taschen und wollen was zu Naschen!“ Gemeinsam hatten die beiden dieses Lied in alten Zeiten an Halloween gesungen. Plötzlich stellten sie fest, dass ihre Mägen knurrten. Leerer Bauch sucht nicht gern. Sie fuhren nach Schmallenberg in den historischen Stadtkern, fanden ein schönes Zimmer, speisten ausgiebig und machten noch einen Zug durch die Gemeinde.

Einige Bierchen in den gut gefüllten Wirtshäusern halfen über die Orientierungslosigkeit hinweg. Nach einem prächtigen Schlaf sammelten sich am Morgen die sieben Sinne. Die Gegend hier ist gut katholisch. Wollte vielleicht jemand die Schwarze Hand bestatten und ihr den ewigen Frieden geben? Dann müssten sie nach Wormbach, zur Urpfarrei. Manche behaupten, dort sei der schönste Kirchhof Westfalens. Jedenfalls wurden vor Jahrhunderten Menschen aus ganz Südwestfalen hier bestattet. Die alten Totenwege werden wieder erschlossen und in die Erinnerung gerufen. In null Komma nichts waren sie da und stiegen aus. Die frische Luft konnten sie gut gebrauchen. Jedes Grab wurde von einem schlichten Holzkreuz geschmückt. Der Eindruck war überwältigend. Wendler entdeckte einen frischen Erdhaufen. „Nichts wie hin, vielleicht hat die Suche hier ein Ende!“, sagte er zu Hendrik Schulthof. Sie beschleunigten ihre Schritte und erreichten das Grab. Dort stand ein Mann und sah sie an. „Kommen Sie zur Beerdigung? Sie sind zu früh, die ist doch erst heute Nachmittag.“ Die alten Freunde sahen sich an. Wieder nichts. „Diese Irrfahrt dauert bald lange genug. Ich muss ans Geldverdienen denken. Sollen wir aufhören?“, sagte Schulthof. Wendler erwiderte: „Nein, lass uns noch einen letzten Versuch starten. Wir fahren noch einmal nach Bödefeld. Vielleicht haben wir etwas übersehen.“

Auf ihrem Weg kamen sie durch Bad Fredeburg und quälten sich durch die Serpentine. „Ein richtig schöner Ort.“, sagte Wendler, „Aber mit einer Umgehungsstraße wäre uns auch geholfen.“ Schulthof drehte das Radio an. Radio Sauerland berichtete, dass der Bödefelder Pfarrer gestern verabschiedet worden war. Nach Jahrhunderten würde der Ort keinen Pfarrer mehr haben. Wieder schauten sich die beiden an. Das war ein einschneidendes Ereignis für das Dorf. Hatten sie vielleicht deshalb selbst die Schwarze Hand herausgenommen, um ein Zeichen zu setzen und an diesen denkwürdigen Tag zu erinnern? Wendler fiel ein, dass keine Einbruchsspuren zu sehen gewesen waren. Hatten die Bödefelder selbst die Schwarze Hand weggenommen, um an diesen denkwürdigen Tag zu erinnern und Aufmerksamkeit zu bekommen? „Oder“, sagte Schulthof, „man darf es ja gar nicht denken, könnte der Pfarrer die Schwarze Hand zur Erinnerung mitnehmen wollen?“ So ganz abwegig schien das alles nicht, denn die Lösegeldforderung von 5.000 € war ihnen von Anfang an niedrig vorgekommen. Und so richtig ernsthaft hatte der Täter auch keine Übergabe inszeniert. Sie hatten öfter das Gefühl gehabt, dass sich jemand einen Spaß mit ihnen mache und sie durch den Hochsauerlandkreis schicke.

Bernhard Halbe



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