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Betverbot

Ministerin will Gebet in Schule wieder einführen

28.01.2009 | 23:59 Uhr
Ministerin will Gebet in Schule wieder einführen

Korschenbroich. Dürfen Schüler in einer staatlichen Gemeinschaftsschule zum Unterrichtsbeginn ein gemeinsames Gebet sprechen? Nach Protesten von Eltern im rheinischen Korschenbroich hatte das Schulamt das Schulgebet zunächst untersagt. Ministerin Sommer will das Verbot wieder aufheben.

In der Gemeinschaftsgrundschule Pesch hatte sich eine Mutter beschwert, dass ihr Kind in der zweiten Klasse zum Unterrichtsbeginn ein Gebet des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer („Von guten Mächten”) beten sollte. Die Mutter schaltete das Schulamt ein. Darauf erließ das Schulamt eine Verfügung, die das tägliche Beten im Unterricht untersagte - und entfachte damit einen Sturm der Entrüstung.

In einem der Westfalenpost vorliegenden Vermerk drängt das Ministerium darauf, dass „das Morgengebet unter Berücksichtigung des Urteils des Bundesverfassungsgerichts wieder eingeführt werden sollte”. Laut BVG ist ein freiwilliges Schulgebet an Gemeinschaftsschulen zulässig. „Natürlich darf kein Kind gegen seinen Willen oder dem seiner Eltern zum Schulgebet gezwungen werden”, betonte Sommer. In solchen Fällen müsse die Schule sicherstellen, dass der Schüler dem „Gebet in zumutbarer Weise ausweichen kann”. Dabei dürfe den restlichen Schülern ein kurzes freiwilliges gemeinsames Gebet außerhalb des Religionsunterrichts aber nicht vorenthalten werden, „wenn diese ein solches Gebet wollen”.

Laut Vermerk will das Schulamt mit den Eltern der betroffenen Klasse ein klärendes Gespräch führen und in einer Klassenpflegschaftssitzung das weitere Verfahren abstimmen.

Streit ums Morgengebet

Das Ministerium will nur Empfehlungen geben: „Grundsätzlich sind die Schulleitung und Schulaufsicht im Rahmen der Eigenverantwortlichkeit gefragt und gefordert”, so der Vermerk.

In dem 2500 Einwohner zählenden Korschenbroicher Stadtteil Pesch schlägt der Streit ums Morgengebet hohe Wellen. Die einstmals katholische Grundschule Pesch wird seit der Umwandlung 2005 in städtischer Regie geführt. „Die Ehrfurcht vor Gott ist eines der wichtigsten Erziehungsziele des Schulgesetzes und der Landesverfassung”, betonte Sommer.

Überkonfessionell

In einem Telefonat mit dem Schulamt in Neuss wurden intensive Gespräche vor Ort verabredet. Um die Fronten nicht weiter zu verhärten, soll zunächst ohne Kirchenvertreter beraten werden.

Für die Katholische Elternschaft Deutschlands (KED) war das Verbot schlicht ein Skandal. Das Bemühen einer Lehrerin um einfachste religiöse Vermittlung sei „mit Füßen getreten” worden, hatte die KED-Vorsitzende des Bistums Aachen, Jutta Pitzen, geklagt. Zudem handelt es sich in dem kurzen Lied des 1945 im Konzentrationslager Flossenburg hingerichteten Theologen Bonhoeffer um ein überkonfessionelles Gebet. „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen - und ganz gewiss an jedem neuen Tag.”

Wilfried Goebels

Kommentare
27.01.2010
12:18
Ministerin will Gebet in Schule wieder einführen
von konfessionslos | #110

wenn ihr alle so für gebete seit dann betet zuhause. warum an einem öffentlichen ort? verstehe ich nicht.

offensichtlich gehts euch darum die andern...
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Rhein und Ruhr