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Katholische Kirche

Katholische Klinik behandelte Vergewaltigungsopfer nicht

17.01.2013 | 18:36 Uhr
Katholische Klinik behandelte Vergewaltigungsopfer nicht
Verantwortliche Angestellte: die Chefärztin für Gynäkologie am St. Vinzenz Krankenhaus, Wencke Ruhwedel, und ihr Kollege an Heilig Geist, Henryk Pilch.Foto: Oliver Berg/dpa

Köln.   Zwei Kölner Kliniken geraten unter Erklärungsdruck, weil bekannt wird, dass sie einer vergewaltigten Frau Hilfe verweigerten. Die Kliniken entschuldigen sich mit einem „Missverständnis“ - und mit dem Abtreibungsverbot der Kirche.

Benommen muss die junge Frau gewesen sein, schwer verletzt an Körper und Seele. Doch Hilfe fand sie zunächst nicht: Gleich zwei katholische Krankenhäuser in Kölns Norden wiesen die 25-Jährige im Dezember ab – Opfer von Vergewaltigungen könne man nicht behandeln.

Vielleicht ist es Zufall, dass die Verantwortlichen am Tag, an dem die Geschichte bekannt wird, mit gefalteten Händen vor der Presse sitzen, allesamt: Chefärzte und Geschäftsführer der Hospitalvereinigung St. Marien, die zur „Stiftung der Cellitinnen zur heiligen Maria“ gehören – mit zehn Krankenhäusern in Köln und Wuppertal. Sie entschuldigen sich, „dass der Patientin nicht geholfen wurde“. Sie bedauern „die Aussage“ der diensthabenden Ärzte: „Sie hätte so nicht getroffen werden dürfen.“ Es sei doch so, dass „alle Menschen in Not sich an uns wenden dürfen“. Und: „Diesen Frauen zu helfen, ist unsere christliche Pflicht.“

Die Pille danach? - "Das ist unsere Grenze"

Nur ist es zugleich katholisches Verbot, die „Pille danach“ zu verabreichen. Das Medikament, ein Notfall-Kontrazeptivum, kann kurz nach dem Geschlechtsverkehr eine Schwangerschaft im Keim ersticken. Eine Abtreibung, nach dem Verständnis der Kirche: „Das ist unsere Grenze“, erklärt Christoph Leiden als Sprecher der Celitinnen, „das können wir nicht.“ Ansonsten sei eine „vollumfängliche“ medizinische und psychologische Versorgung von Frauen nach Sexualdelikten selbstverständlich. Wie auch die Zusammenarbeit mit der Polizei bei der „ASS“, der Anonymen Spurensicherung, bei der etwa Spermien entnommen und eingefroren werden, um belastbares Beweismaterial zu haben.

Kommentar
Unchristliches Verhalten - von Annika Fischer
Unchristliches Verhalten - von Annika Fischer

Ärzte sollen helfen und heilen. Das ist kein altmodisches hippokratisches Verständnis, sondern ihre Aufgabe. Einen Monat, nachdem zwei katholische Kliniken ein Vergewaltigungsopfer abwiesen, bestätigt ihre Leitung schließlich genau das : Man hätte helfen müssen.

Alles nur ein Missverständnis? Woher kommt dann die Ablehnung gleich zweier Ärzte, unabhängig voneinander, mit derselben Begründung? Woher kommt ihre Angst um den Arbeitsplatz? Warum verfasste die neue Haus-Ethikerin als eine ihrer ersten Amtshandlungen eine „Stellungnahme“ zum Umgang mit Opfern sexueller Gewalt, aus der aber niemand eine Dienstanweisung machte?

Die Kirche ist in Köln einmal mehr gescheitert an ihrer eigenen Moral. Ihre Lehre, ein Kind sei die gottgewollte Frucht der Liebe, ist schlicht falsch im Falle einer Vergewaltigung, von der neben Verletzungen möglicherweise eine Schwangerschaft bleibt. Den betroffenen Frauen Hilfe in Form eines Medikaments zu versagen, das solche Folgen roher Gewalt im ersten Keim erstickt, ist unchristlich. Falls es hier wirklich nur um die „Pille danach“ ging.

Darum ging es am 15. Dezember, einem Samstag: Bei einer Party soll das Opfer betäubt worden sein und anschließend vergewaltigt. Eine Notärztin übernahm die Erstversorgung, verschrieb auch die „Pille danach“. Das will sie bei ihren Anrufen in den Kliniken St. Vinzenz und Heilig Geist auch gesagt haben. Dennoch lehnten beide Assistenzärztinnen im Nachtdienst die Behandlung ab: Mit den gynäkologischen Untersuchungen sei auch ein Beratungsgespräch über eine mögliche Schwangerschaft und ihren Abbruch verbunden. Das dürfe man nicht. Hilfe leistete erst das Evangelische Krankenhaus.

Wer sich nicht an die Regeln hält, dem droht die Kündigung

Zwei Ärzte, die mit derselben Begründung dasselbe ablehnen? „Zufall“, sagt der Klinikträger. Gynäkologin Wencke Ruhwedel, Chefärztin in St. Vinzenz, versichert, man habe betroffenen Frauen stets geholfen. Dass die jungen Kolleginnen das plötzlich stoppten, begründet die Stiftung mit einer „Stellungnahme“ aus der neu eingerichteten „Stabsstelle Ethik“: Dort sei die Haltung der Kliniken im Umgang mit Vergewaltigungsopfern erst im November schriftlich niedergelegt worden. Keine Leitlinie ist das, auch keine Dienstanweisung. Aber ein Papier, das schlecht kommuniziert worden sei: „Das hat vielleicht zu Verunsicherung geführt.“

Zu großer, offenbar: Eine der Frauenärztinnen soll sich am Telefon damit entschuldigt haben, eine Kollegin sei kürzlich entlassen worden, nachdem sie einer betroffenen Frau geholfen habe. Von Kündigungen will ihr Klinikchef André Meiser indes nichts wissen. Wobei sich seine Mitarbeiter an das Kirchenrecht natürlich halten müssen. Das Bistum Köln erklärte am Donnerstag, die „Pille danach“ sei in den eigenen Kliniken im Bistums-Gebiet „grundsätzlich ausgeschlossen“; sie widerspreche „den ethischen und moraltheologischen Grundsätzen der Kirche“.

Klinikverbund hat Medikamente gar nicht erst vorrätig

Beim Verbund Katholischer Kliniken Düsseldorf hat man Tabletten zur nachträglichen Schwangerschaftverhütung gar nicht erst vorrätig. Und auch in den 16 katholischen Krankhäusern im Ruhrbistum dürfte die „Notfall-Kontrazeption“ als Tabu verstanden verden, glaubt Sprecher Ulrich Lota: „Die katholische Kirche lehnt Abtreibung ab.“ Wobei einzelne Häuser davon offenbar abweichen: Am St. Elisabeth Krankenhaus in Dorsten etwa werde laut Sprecherin Angelika Rütten „im Einzelfall entschieden“. Man gebe sich Mühe, „die Gründe genau zu prüfen“.

Ob die „Pille danach“ überhaupt ein Abtreibungsmittel ist, darüber streiten Experten. Und die Frau in Köln hatte um das Medikament schließlich gar nicht gebeten.

Annika Fischer und Dagobert Ernst



Kommentare
19.01.2013
11:45
Katholische Klinik behandelte Vergewaltigungsopfer nicht
von Holz-Auge | #24

Es war doch eine gute Entscheidung, als ich vor zwanzig Jahren aus der katholischen Kirche ausgetreten bin.

18.01.2013
20:51
Das Verhalten der katholischen Kliniken,
von Neronimus | #23

ist ein deutliches Zeichen dafür ist, dass keine konfessionellen Krankenhäuser benötigt werden. Finanziert werden diese sowieso durch die Allgemeinheit. Die Konfession aber bestimmt. Mit welchem Ergebnis sehen wir jetzt. Wir brauchen überhaupt keine konfessionellen Einrichtungen die öffentliche Gelder erhalten. Wenn eine Religionsgemeinschaft Gutes tun will soll sie dies tun. Aber bitte im Verborgenen und mit eigenen finanziellen Mitteln. Sie soll aber verpflichtet werden, die Menschen die sich an sie wenden, über Risiken und Nebenwirkungen aufzuklären.

18.01.2013
16:59
Katholische Klinik behandelte Vergewaltigungsopfer nicht
von Dax9 | #22

Das Schlimme an der Angelegenheit ist ja, dass es in diesem Fall ja
NUR darum ging, dass mögliche Spuren einer/der Vergewaltigung
gerichtsverwertbar gemacht werden sollten. Also CSI-mäßig Spuren,
Anhaftungen und ggf. DNS gesichert werden sollte. Für diese Geschichte
gibt es ja spezielle Spurenträger.

Die Beratung und die Pille danach hatte die Ärztin, an die die betroffene
Frau sich gewendet hatte ja schon erledigt. Also kommt hier die Straf-
vereitelung ins Spiel. Wie eigentlich immer bei den Katholen.

Und wer schimpft, dass die Kleriker von der Zwangsabgabe Kirchensteuer
bezahlt werden, der sollte mal googlen von welchen Geldern die Bischöfe
bezahlt werden. Das Moos kommt direkt aus der Staatskasse....

18.01.2013
14:17
Katholische Klinik behandelte Vergewaltigungsopfer nicht - an Annika Fischer
von Alter-Mann | #21

Unchristliches Verhalten - von Annika Fischer

Frau Annika Fischer,
was verstehen Sie unter christlichen Verhalten?

Ist es christlich männliche 8 Tage alte Säuglinge o. Kinder zu verstümmeln - u. das ohne Betäubung?

Ist es christlich so etwas zu unterstützen?

Ist es christlich Nonnen, die über Jahrzehnte der Kirche als Lehrerin, als Altenkrankenpflegerin,... gedient hatten, die Rente zu verweigern, weil diese
die Kircher verlassen hatten?

Ist es christlich Priester aus den Amt zu entfernen, die zu ihren Kinder/n stehen?

Wo steht das Priester nicht heiraten dürfen - keine Frau, Kinder, Familie haben dürfen?

Ist das nicht eine Erfindung des Vatikans seit ca. 1000 Jahren, um mehr Macht über die Menschen zu haben?

Es wird Zeit zur Beschneidung der Sekten-Rechte.

18.01.2013
14:09
Katholische Klinik behandelte Vergewaltigungsopfer nicht
von Alter-Mann | #20

Kirchensteuer abschaffen.

Und Sekten der Christen, Juden, Moslems,.... unter Beobachtung,
wie die Sekte des Ami-Schauspielers.

Was sind da die Unterschiede?
Die einen waren nur früher auf den Markt.

Hexenverbrennungen - wie heißt das Inquisition, Folter,...
Warum Zölibat? Nur um Macht über Menschen zu haben.

Als ob sich Leutheusser-Schnarrenberger u. die anderen Politiker/innen für Menschen- und Kinderrechte, EU-, UN-Charter u. GG interessieren würden.
Und Gauck der Priester schweigt. Andere "Geistliche" unterstützen
Verstümmelungen.

Siehe Beschneidungsgesetz vom 12.12.2012.
Man unterstützt Täter, schützt die Politiker/innen (Komplizen) u. entrechtet die Opfer für alle Zeiten.

Es muß endlich Schluß sein mit den Sonderrechten für Sekten - Religionen.
Egal ob angebliche Christen, Juden, Moslems,...

In allen Bereichen - auch im Arbeitsrecht. Keine Sonderrechte für Kirchen.

Weg mit der Kirchensteuer und Abschaffung des Zölibats!!!
Ob da die Kirche wach wird?

18.01.2013
12:26
Katholische Klinik behandelte Vergewaltigungsopfer nicht
von heindaddel | #19

Das Bild zeigt die Arroganz der Halbgötter in weiss,gedeckt durch die kath.KIrche.

18.01.2013
11:21
Katholische Klinik behandelte Vergewaltigungsopfer nicht
von Q.Uerd_Enker | #18

Kann man denen wirklich einen Vorwurf machen?
Die katholische Kirche ist eh schon oft in den Schlagzeilen (u. a. Kindesmisshandlung), da hätte ein verbotenes Beratungsgespräch schon wieder Aufsehen erregt!
Dieses wollten die Ärzte wahrscheinlich der Kirche nicht antun.
VOLL GEGLÜCKT!

18.01.2013
09:28
Katholische Klinik behandelte Vergewaltigungsopfer nicht
von Offensive-Dinslaken | #17

„Absurde Vorwürfe“ von Peter Toussaint



Absurd ist dieser Kommentar. Ich überquere mit meinem LKW bei Rotlicht eine Ampelanlage. Für Fußgänger zeigt diese GRÜN.
Fast wäre ich in eine Gruppe Schüler gerast, aber die konnten rechtzeitig wegspringen.
Die alte Oma mit dem Rollator hatte nicht so ein Glück.
Da ich ja die meiste Zeit meines Lebens als Fußgänger unterwegs bin dachte ich –
ich hätte auch grün.
EIN SCHLIMMES MISSVERSTÄNDNIS ! Ob ich wohl meinen Lappen abgeben muss ? ?



Das wäre doch absurd !

Ein Missverständnis war es diesen ÄrtzInnen Verantwortung für Menschenleben anzuvertrauen.
Durch soche Mißachtung bestehendes Lebens (sie wollen ungeborenes ja schützen) machen diese
Menschen die gesamte kath. Kirche für immer mehr Gläubige zu einem Absurdum !

17.01.2013
21:04
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #16

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

17.01.2013
21:02
Katholische Klinik behandelte Vergewaltigungsopfer nicht
von Sandy2007 | #15

WAS DARF SICH DIESE "INSTITUTION" NAMENS KIRCHE NOCH ALLES ERLAUBEN?!
UNGLAUBLICH!!!!
Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Mitarbeitern mit Kündigung gedroht wird..Bekannte von mir arbeitet als Krankenschwester in ner kath.Klinik. Sie würde gerne aus der Kirche austreten, aber wenn sie das tut, wird sie gekündigt. Die Arbeit dort hat doch nichts mit meinem Glauben zu tun, oder? Warum dürfen dann Moslems etc. auchdort arbeiten, die bekanntlich einer ganz anderen Glaubensrichtung angehören?
Was passiert demnächst? Wenn ein katholischer Notarzt Dienst hat..fragt der seine Patienten erst, ob sie kath, ev. oder was andres sind? Entscheidet demnächst die Glaubensrichtung, ob ich behandelt werde oder leben darf?
Sorry, da platzt mir echt der A....!!!!
Macht so weiter, liebe "Kirche"...habt nicht schon genug mit den Missbrauchsskandal etc. zu tun,ne? irgendwann bekommt ihr die Quittung für eure Lügen und Heuchlerei!!!

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