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Die Bau-Mafia bringt den Staat um Milliarden

17.01.2013 | 19:52 Uhr
Die Bau-Mafia bringt den Staat um Milliarden
Polizei ermittelt gegen italienische Bau-Mafia, hier unter anderem auch in Pizzerien in Köln.Foto: Henning Kaiser/dpa

Essen.  Die Fahnder schlugen an Rhein und Ruhr zu, um der sizillianischen Bau-Mafia einen Schlag zu verpassen. Die Hauptverdächtigen sind Sizilianer in Köln und Witten. Aber auch in Italien fanden zeitgleich Durchsuchungen statt.

„Scavo“ war das Codewort für den Einsatz. Gestern morgen tauchten in 15 Städten und Gemeinden in NRW 400 Polizisten und 150 Steuerfahnder auf. In Köln, Dortmund, Recklinghausen, Witten, Wuppertal und zahlreichen anderen Orten durchsuchten sie Privathäuser und Wohnungen. Gleichzeitig stürmten Carabinieri Häuser in den sizilianischen Ortschaften Licata, Ravanusa und Piazza Armerina.

Am Ende des Tages waren fünf „hochwertige Fahrzeuge“, Bargeld, Kokain und eine Luxus-Villa in der Provinz Agrigent beschlagnahmt. Siebzehn mutmaßliche Mafiosi wurde am Nachmittag der internationale Haftbefehl des Kölner Amtsgerichts eröffnet. Die Tatverdächtigen sollen zur „Bau-Mafia“ gehören – einer besonderen Spezies der sizilianischen Cosa Nostra, der Fahnder aus NRW schon länger auf der Spur sind. Sie war Thema interner Konferenzen und im März 2011 in der Operation „Rizzo“ auch schon das Ziel von zehn Festnahmen im Raum Köln.

Kommentar
Die Mafia hat viele Gesichter - von Dietmar Seher
Die Mafia hat viele Gesichter - von Dietmar Seher

Die italienische Mafia hat viele Gesichter. Die der Morde im Ristorante Da Bruno in Duisburg im Sommer 2007. Aber auch die der Steuerhinterziehung und des Sozialbetrugs. Die Festnahmen gestern haben das klar gemacht. Die Baumafiosi, die ihr Geschäft wahrscheinlich unter dem Dach der sizilianischen Cosa Nostra betreiben, schaden der Volkswirtschaft in der Höhe vieler Milliarden Euro.

„Mafia ist auch ein Problem in Deutschland“, sagt heute das Bundeskriminalamt. Vor wenigen Jahren sahen das Politiker noch anders. Dass das „Phänomen“ Mafia jetzt ernst genommen wird, könnte auch Folgen für den Rechtsstaat haben. Italienische Fahnder haben viel niedrigere Hürden zu überwinden, wenn es um das Abhören Verdächtiger, die Festnahme von Mafia-Familienangehörigen und die Beschlagnahme von Vermögen geht. Es wird nicht lange dauern, da werden wir das wohl auch hier diskutieren.

Die Bau-Mafia ist nicht nur der Schrecken der Finanz- und Sozialbehörden, die sie im aktuellen Fall um 30 Millionen Euro, insgesamt wahrscheinlich aber um Milliardenbeträge bringt. Sie wird auch von seriösen Bau-Firmen gefürchtet, denn die von ihr organisierten Schwarzarbeiterkolonnen unterbieten sie bei Ausschreibungen.

Scheinfirmen mit Strohmännern

Das Geschäftsmodell ist kompliziert, aber wirksam: Firmen werden aufgekauft oder gegründet und zu Scheinfirmen mit italienischen Geschäftsführern gemacht – „Strohmanngesellschaften“ nennt sie die Kripo. Dann akquirieren die Tatverdächtigen Bau-Aufträge mit fingierten, überhöhten Rechnungen. Selbst „am Markt etablierte Bau-Unternehmen“, stellte gestern die Kölner Polizei fest, hätten sich solche Scheinrechnungen besorgt, um damit in den eigenen Bilanzen tatsächlich nicht entstandene Kosten vorzutäuschen und so Steuern und Abgaben zu hinterziehen.

Der Chef der kriminellen Truppe war nach den Ermittlungen diesmal ein 39-jähriger Sizilianer, der in Köln-Kalk ein Café als Einsatzzentrale betrieb und nebenher wohl auch noch mit Drogen „in nicht geringer Menge“ dealte. Als die Ermittler ihm auf die Spur gekommen waren, fanden sie die nächste. Sie führte in den Raum Dortmund. Dort mischte ein Italiener aus Witten teils auf eigene Rechnung, teils aber auch in Zusammenarbeit mit dem Kölner Kollegen beim schwunghaften Handel mit den Scheinfirmen mit.

Dietmar Seher



Kommentare
18.01.2013
09:19
Ein Scheinerfolg: nötig ist die Änderung der Gesetze
von vantast | #6

Italien hat gezeigt, wie man es macht, hier kann man es nicht oder will man nicht? Erfolge hier sind sehr mager, vermutlich ist der Einfluß der Mafiosi in der Politik bei uns schon zu groß.

17.01.2013
23:42
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Name von Moderation entfernt | #5

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

17.01.2013
22:06
Di@berni44
von Mortaro | #4

Das reicht eben nicht !

Mafiajäger aus Italien ärgern sich schon lange über die lasche Rechtssprechung und total sinnlose Gesetze, wenn man wirklich gegen die Mafia vorgehen will.

Z.B. muss in Italien ein Mafia-Mitglied beweisen, dass es seine Gelder aus legalen Einnahmequellen erwirtschaftet hat - hier in Deutschland muss man den Kriminellen alles nachweisen.
Das geht bei der organisierten Kriminalität aber nicht.

Auch werden in Italien Mafia-Vermögen in gigantischem Stil eingezogen, und hier ?

Die deutschen Politiker sind entweder blind was die Gefahr der Mafia angeht, oder allesamt selbst gekauft ...

1 Antwort
Die Bau-Mafia bringt den Staat um Milliarden
von digedag999 | #4-1

Ruhe bewahren! In Italien haben die deshalb so uferlose Eingriffsmöglichkeiten, weil der Staat total unfähig ist und sogar ein früherer MP seine Milliarden wohl auf illegale Weise erlangt hat, zumindest zum Teil. Juckt da aber niemanden! Man hat, zumal im Süden, die Mentalität, dass der Staat NICHTS für den Bürger tut und deshalb auch dem Bürger mehr oder weniger egal ist. Was zählt, ist die Familie und der eigenen Geldbeutel. Lesen Sie mal "Arrividerci amore ciao" von Carlotte, sehr aufschlussreich.

17.01.2013
21:42
Die Bau-Mafia bringt den Staat um Milliarden
von berni44 | #3

Komisch in unseren Schnüffelstaat, der die ehemalige DDR mit ihrer Stasi bei weitem in den Schatten stellt. Unser Staat hat heute die besseren technischen Anlagen für diesen Dienst.
Jede Bareinzahlung auf ein Konto, jede Abhebung von einem Konto , jede Überweisung wird erfasst, jede E-Mail wird erfasst jedes Telefongespräch wird abgehört und registriert und irgent wo hin gemeldet.
Trotz dieser Daten wird nichts ermittelt. Es arbeiten dort wahrscheinlich nur Flaschen.
Hier können allerdings die Büger froh sein, sonst ist der gläserne Bürger tatsächlich da.
Wenn solche Scheinrechnungen zu Steuerschäden in Milliardenhöhe aufgelaufen sind,
und diese nicht aufgefallen ist, kann man die Deutschen Behörden nur Unfähigkeit testieren.

17.01.2013
21:37
Die Bau-Mafia bringt den Staat um Milliarden
von JanundPitt | #2

Bleibt nur zu hoffen, dass unsere Weichspül-Justiz nicht mal wieder die Fahndungserfolge unserer Polizei mit Weichspül-Urteilen zu Gunsten der Täter und ihrer - ach so schwierigen Kinderheit und Vita - ad absurdum führt.

17.01.2013
20:24
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

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