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Camper kämpfen um ihren Platz am Möhnesee

25.11.2009 | 06:27 Uhr
Camper kämpfen um ihren Platz am Möhnesee

Delecke. Der Protest schlägt hohe Wellen am ruhigen Möhnesee: Ferienhäuser sollen in Delecke die Campingwagen ersetzen und so die Qualität des Fremdenverkehrs steigern. Doch die Camper aus der Region und dem Ruhrgebiet wollen ihre Plätze nicht räumen.

Sternenstraße 13 hat einen traumhaften Blick auf den Möhnesee. Peter Schweisshelm öffnet den Reißverschluss zum Vorzelt und schiebt eine Kunststofftür beiseite: „Treten Sie ein, solange es noch geht.” Denn die Tage des Campingplatzes Delecke-Nord sind gezählt. Auf dem Gelände sollen Ferienhäuser entstehen. Die Camper aber wollen nicht weichen.

Sie haben ihren Protest in Worte gefasst und auf Schilder gemalt: „Camper in 4. Generation - wir kämpfen”. „52 Jahre sind Grund genug”. „Wir sind Camp(f)er”. Seit 52 Jahren besteht der Campingplatz in der Bucht am Nordufer, nicht weit von der Delecker Brücke. 60 Stellplätze hat er, terrassiert in mehreren Reihen, die mit Holzschildern versehen sind: Seeblickstraße, Stübchenweg, Anglergasse. Alles selbst gemacht. Zwischen den Wohnwagen und Vorzelten stehen gepflegte Büsche und Solarleuchten, dazwischen liegt satter Rollrasen.

Paradies mit Ablaufdatum

Ein kleines Wochenend-Paradies mit Ablaufdatum: Der Pachtvertrag für das Gelände läuft Ende März aus und die Gemeinde will das Areal umgestalten. Mit Hilfe eines Investors sollen Ferienhäuser entstehen. Das Ganze wird als Leuchtturmprojekt verkauft, Begründung: Übernachtungszahlen und die Qualität des Fremdenverkehrs am Möhnesee sollen steigen. Das erbost die Camper - sie fühlen sich diskreditiert und sollen ihr Paradies aufgeben.

„Keiner hat mit uns darüber gesprochen, wir sollen still sein und abziehen”, beschreibt Marc Hütter die Situation. „Einige von uns haben dem Druck nicht standgehalten und sind weggegangen. Aber wir bleiben und kämpfen um unseren Campingplatz.”

Deshalb haben die Dauercamper von Delecke eine Interessensgemeinschaft gegründet und die Protestschilder aufgehängt. „Ferienhäuser könnte man ja bauen, wir haben nichts dagegen”, sagt Marc Hütter. „Es gibt dafür genug Platz am See. Andere Campingplätze werden ausgeweitet, unser soll verschwinden. Ich verstehe nicht, warum wir vertrieben werden, als seien wir Urlauber zweiter Klasse.” Finanziell gesehen sind das jedenfalls nicht: Jeder der Camper zahlt 100 Euro Zweitwohnungssteuer, dazu 800 Euro Stellplatzmiete und 200 Euro Nebenkosten. Die Camper haben viel Geld in ihre Wohnwagen investiert und einige fühlen sich einfach zu alt, um wegzugehen und auf einem anderen Platz neu aufzubauen.

Zweite Heimat am Möhnesee

Der Campingplatz hat für seine Bewohner aber vor allem einen ideellen Wert: Viele Plätze sind seit Generationen an dieselben Familien vermietet; Kinder die hier an den Wochenenden aufgewachsen sind, sind heute mit ihren eigenen Kindern zurückgekehrt.

„Der Platz ist für uns zu einer zweiten Heimat geworden”, sagt Peter Schweisshelm. 20 000 Euro hat er in seinen Wohnwagen samt Vorzelt und Außengestaltung investiert. Drinnen steht eine gemütliche Eckbank, ein Kühlschrank, eine Küchenzeile. An einer Schnur hängen eine ganze Reihe Sonnenbrillen. „Die habe ich alle aus dem Möhnesee gefischt” schmunzelt der Mann. „Beim Tauchen. Ich bin Rettungstaucher beim DLRG.” Die Wachstation liegt gleich neben dem Campingplatz. „Wir fühlen uns wohl hier, es ist eine nette Gemeinschaft von jung und alt. Wir wollen nicht weg. Wir geben unser Geld hier aus und jetzt will man uns einfach vertreiben, angeblich, um betuchtere Gäste anzulocken.”

Die Faszination Campingplatz beschreibt er so: „Wenn wir Freitagmittags her kommen, dann ist das so, als ob jedes Mal der Urlaub beginnt.”

Ulrich Friske

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