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Insolvenz

Anton Schlecker scheiterte an seiner eigenen Strategie

01.06.2012 | 19:40 Uhr
Anton Schlecker scheiterte an seiner eigenen Strategie
13.200 Beschäftigte verlieren nach der Pleite des Drogerieriesen den Arbeitsplatz.Foto: dapd

Essen.   Auf Kosten seiner Mitarbeiterinnen baute Anton Schlecker sein Drogeriemarkt-Imperium auf und scheiterte. Der Patriarch gilt als starrsinnig. Hohe Preise für die Kunden und das schlechte Image schadeten dem Konzern zusätzlich.

Es war ein geniales Konzept, als der Metzgermeister Anton Schlecker Mitte der 70er-Jahre in das damals aufblühende Drogeriemarkt-Geschäft einstieg. Er suchte sich kleine Ladenlokale in Wohngebieten und auf Dörfern aus.

Schlecker stieß mit seiner Strategie in eine Lücke. Sein gewaltiger Expansionsdrang bescherte ihm schließlich die Drogisten-Marktführerschaft in Europa. Den Gipfel erklomm der „eingetragene Kaufmann“ um 2007 herum, als es über 14 000 Filialen in 17 Ländern gab.

Doch in der Zwischenzeit hatte der mittlerweile steinreiche Familienunternehmer aus den Augen verloren, dass sich rund um seine verspiegelte Konzernzentrale in Schwaben die Welt weiter drehte. Während Schlecker eine Filiale nach der anderen mit engen Gängen, wenig Personal und einem überschaubaren Warenangebot eröffnete, hatte die Konkurrenz längst aufgerüstet.

Hohe Preise

Anton SchleckerFoto: foto: schlecker

Lebensmittel-Discounter stockten ihr Drogerie-Sortiment auf, und Schleckers Mitbewerber „dm“ und Rossmann eröffneten große, helle Filialen an Orten, wo Käufermassen zu erwarten waren. In die schäbigen Schlecker-Läden verirrten sich immer weniger Kunden. Denn die Wettbewerber waren inzwischen auch mit viel niedrigeren Preisen am Marktführer vorbeigezogen. Preis und Angebot sind die schärfsten Waffen im Einzelhandel.

Dass Shampoos und Seife bei Schlecker immer teurer wurden, war ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Umsätze in den Schlecker-Filialen einbrachen und die Verluste des Konzerns rasant wuchsen. Die Kunden sollten für Anton Schlec-kers Missmanagement bezahlen. Doch die blieben den Läden fern, zumal er das Image der Kette in den letzten Jahren immer weiter ramponierte. Schlagzeilen über minimale personelle Besetzungen in den Filialen, Überwachung von Mitarbeitern, vorgetäuschte tarifliche Bezahlung und der Geiz, die Läden nicht einmal mit einem Telefon auszustatten, schadeten dem Unternehmen zusätzlich. Das Fass zum Überlaufen brachte Schleckers Plan, Beschäftigten zu kündigen und sie als Leiharbeiter in einer neuen Gesellschaft wieder einzustellen. Seine Kinder korrigierten das später. Der Vater jedoch zeigte sich bis zum bitteren Ende seines Imperiums starrsinnig.

Frank Meßing


Kommentare
02.06.2012
15:28
Anton Schlecker scheiterte an seiner eigenen Strategie
von Pucky2 | #10

Warum fordert die SPD eigentlich ständig eine Auffanggesellschaft? Trauen sie ihrem eigenen Sozialstaat nicht? Die SPD hat doch die Regelungen bei Arbeitslosigkeit geändert und die SPD hat doch die Arbeitsrechtreform durchgeboxt!

Plötzlich solche Hemmungen, wenn Menschen nun auf die gesetzlichen Regelungen der SPD angewiesen sind?

Komische Partei... jeder der einen SOZIALE Marktwirtschaft haben will, darf die SPD jedenfalls NIE wählen.

02.06.2012
14:27
Anton Schlecker scheiterte an seiner eigenen Strategie
von wkah | #9

@ 7

Kann ihnen nur voll zustimmen.
Aber wir können uns auf die Zukunft freuen.
Aktuell geht jeder 3. Euro an ALG-2 Zahlungen für Aufstocker drauf.

Wenn es erstmal jeder 2. Euro oder noch mehr sind - dann freue ich mich auf die Spinner - die von Angebot und Nachfrage, es gibt genug Jobs, usw. fasseln

Dann werden wir sie weinen sehen und ich bin gespannt über wenn sie dann meckern.

02.06.2012
14:12
Anton Schlecker scheiterte an seiner eigenen Strategie
von ESteiger | #8

Ja ne genau! Leiharbeiter nagen alle am Hungertuch! Schwachsinn!

Marktwirtschaft = Angebot und Nachfrage!

Wenn das Angebot zu teuer ist dann stagniert die Nachfrage! Ganz einfach und Wenn das Angebot auch noch teuer und schlechter präsentiert wird dann ist das Thema durch!

Hut ab vor Anton seinen Taten, aber er hat irgendwann mal den Zug verpasst! Da kam er nicht mehr hinterher!

Anton wir werden dich in Ehren halten!

02.06.2012
13:06
Anton Schlecker scheiterte an seiner eigenen Strategie
von mbbocholt | #7

Schlecker ist erst der Anfang, es werden noch einige Firmen folgen.
Wer nur noch Leiharbeiter beschäftigt,braucht sich nicht wundern,wenn die Menschen kein Geld zum Kaufen haben.
Leiharbeit hat mit Lohndumping alles in diesem Land kaputt gemacht und ich hoffe,es knallt bald richtig,damit die Raffgeier ordentlich Federn lassen und selber in den eigenen Dreck sitzen.Nur dann bitte kein Mitleid aufkommen lassen.

02.06.2012
13:01
Anton Schlecker scheiterte an seiner eigenen Strategie
von hajori | #6

Wenn hier schon nach politischer Schuld gesucht wird, dann gibt es dazu nur eine Antwort:
Die Schröder-SPD mit der Agenda 2010!
Früher war es einem Unternehmen nicht möglich, heute Leute aus wirtschaftlichen Gründen zu entlassen und morgen für die gleiche Stelle wieder einzustellen, doch dann mit vermindertem Lohn!
Diese Machenschaften, welche auch häufig von der öffentlichen Hand genutzt werden um Kosten zu sparen, Leute in andere, dem Unternehmen gehörende Gesellschaften, auszugliedern um sie dann von den gleichen Unternehmen wieder zurückzuleihen - natürlich zu erheblich niedrigeren Löhnen - iste das Ergebnis einer arbeitnehmerverachtenden Politik einer Clique in der SPD, die dort leider immer noch das sagen hat!

02.06.2012
12:01
@b.wusst
von feinripptraeger | #5

Die Wähler haben bereits deutschlandweit mit den Füßen abgestimmt!
Wenn der Mehrheit so an Schlecker gelegen wäre, hätten die Leute dort auch eingekauft.
Mir ist es lieber, es spricht jemand mal aus, was viele denken - Politiker sich aber zu selten zu sagen trauen:
"Die Politik kann und darf nicht das Geld der Bürger verwenden um missgelenkte Unternehmen zu "retten". Die Erfahrungen zeigen, daß der Staat der schlechteste Unternehmer ist."
Am Rande:
Mir persönlich wäre es lieber gewesen, diese Regeln wären auch mal bei der ein oder anderen Bank angewendet worden...

So traurig es für die Angestellten ist - die Schuld für die Pleite trägt Schlecker - und keine Partei, egal welcher Coleur.
Die vielgelobten Transfergesellschaften schaffen keine Arbeitsplätze - statt dessen bereichern sich Einzelne und der Markt wird mit nicht benötigten Bürokaufleuten überschwemmt - oder denken Sie, die machen aus einer Verkäuferin eine Ingenieurin?
Besser ist, das Geld geht an die Exmitarbeiter !

02.06.2012
11:46
Anton Schlecker scheiterte an seiner eigenen Strategie
von FrankNeu | #4

Schade um jeden einzelnen Mitarbeiter/-in, die nun erst einmal ohne Arbeit sind und sich einen neuen Arbeitgeber suchen müssen. Ich hoffe Sie erhalten genügend Unterstützung, um auch dieses negative Ereigniss zu überstehen.

Wer so mit seinen Mitarbeitern umgeht und vergisst, dass er seine Mitarbeiter mit Respekt zu behandeln hat, der hat es nicht anders verdient, als alles zu verlieren. Schade, dass solche Geldgierigen Personen nicht auch ihr Dach über ihrem Kopf verlieren, damit sie begreifen, was sie anderen Menschen mit ihren Bespitzlungen, Zeitarbeitsfirmen (menschenunwürdigen Gehältern), nicht adäquate Sicherheitsvorkehrungen usw. angetan haben. Ausserdem würde ich solche Personen nur noch unter Zeitarbeitsfirmen arbeiten lassen.

Die Gier und die Menschenverachtung hat nun ein Ende genommen. Díes sollten auch andere Unternehmen zur Kenntnis nehmen, die auf eine solche Art und Weise mit ihren Mitarbeiter umgehen.

02.06.2012
10:36
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #3

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1 Antwort
Anton Schlecker scheiterte an seiner eigenen Strategie
von jmeller | #3-1

Ein sehr guter Artikel. Danke.

02.06.2012
09:42
Anton Schlecker scheiterte an seiner eigenen Strategie
von b.wusst | #2

Danke FDP. Die Wähler werden Euer verhalten in diesem Fall bei der nächsten Bundestagswahl zu würdigen wissen.

3 Antworten
Anton Schlecker scheiterte an seiner eigenen Strategie
von artie_aus_essen | #2-1

Ja genau. Und wenn ein kleiner Betrieb insolvent wird, schreit da auch kein b.wusst, oder ?

Anton Schlecker scheiterte an seiner eigenen Strategie
von FrankNeu | #2-2

Und was soll die Politik Ihrer Meinung nach tun?!?! Wieder Milliarden Euros verbrennen, damit andere das Geld wieder einkassieren können und letzten Endes geht das Unternehmen dann doch in die Insolvenz, wie einst unter Schröder Holzmann?

Nein Danke.

Anton Schlecker scheiterte an seiner eigenen Strategie
von jmeller | #2-3

b.wusst , lesen Sie sich mal den Artikel durch den artie_aus_essen gepostet hat durch. Dann werden Sie vielleicht nicht mehr behaupten die FDP wäre Schuld.

Und wer behauptet Schlecker müsse enteignet werden, er musste als persönlich Haftender nicht nur für Schlecker sondern auch für sein Privatvermögen Insolvenz anmelden.
Und die Firma Schlecke hatte am Schluss eine Milliarde € Schulden. Ist die FDP auch schuld daran.

02.06.2012
09:29
Anton Schlecker scheiterte an seiner eigenen Strategie
von gudelia | #1

Schlecker ging einzig und allein an seiner sozialen Kompetenz kaputt. Die Auslandstöchter florieren alle, also, nix mit "dunkle, vollgepropfte Läden", der Name ist dahin und auf Dauer in Deutschland nicht mehr wieder zu beleben. Deshalb auch keine Investoren. Die "Frauenmärkte" sind sensible Geschäftsfelder, wer da mal unten durch ist kann sich auf Dauer verabschieden.

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