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Erkrather fühlt sich von Rettungsdiensten im Stich gelassen

24.02.2013 | 14:07 Uhr
Erkrather fühlt sich von Rettungsdiensten im Stich gelassen
Ein Erkrather erhebt schwere Vorwürfe gegen Notdienst und ärztlichen Bereitschaftsdienst.Foto: Peggy Mendel / WAZFotopool

Erkrath.  112 oder 116 117 – eine Familie in Erkrath-Hochdahl wollte in einer Notsituation Hilfe holen und kam dabei nicht weiter. Ständig wurden sie hin und her geschickt, niemand – so schien es – fühlte sich zuständig. Am Ende traf dann doch Hilfe vor Ort ein – da war der Patient schon im Krankenhaus.

Herr P. aus Erkrath hat eine Höllennacht hinter sich. Schuld daran sind - aus seiner Sicht - die Notrufzentrale und der ärztliche Bereitschaftsdienst. Dort hatte P. angerufen, weil sein Vater sich vor Schmerzen am Boden krümmte. Doch beide Anlaufstellen fühlten sich nicht zuständig - und weisen im Nachhinein jede Schuld von sich.

Am Montagabend rief seine Mutter P. zur Hilfe: Sein 74-jähriger Vater habe in der Nacht von Montag auf Dienstag vor Schmerzen gekrümmt auf dem Boden gelegen. Stark schwitzend, kaum ansprechbar. Der 44-jährige Sohn war alarmiert: Bei seinem Vater war ein Leistenbruch festgestellt worden, der am Folgetag operiert werden sollte. Panik machte sich in Herrn P. breit: Er weiß, dass sein Vater nur noch eine Niere hat und befürchtet, dass durch den Leistenbruch die Arbeit des Organs behindert wird.

Sofort rief er die Notrufnummer 112, seine Mutter hatte es vor seinem Eintreffen auch bereits zwei Mal versucht. Doch Herr P. blieb – wie seine Mutter – erfolglos bei dem Ruf nach Hilfe. Er wurde, nach seiner Schilderung des Falls, an den ärztlichen Bereitschaftsdienst verwiesen, die Notrufzentrale sei für solche Fälle nicht zuständig. Unter der Nummer 116 117 – eine Nummer, die für dringende, aber nicht lebensbedrohliche Fälle zuständig ist - wurde er nach Minuten in der Warteschleife wieder zur 112 geschickt. Der Bereitschaftsdienst sei für diese Fälle nicht der richtige Ansprechpartner.

„Ich hatte solche Angst!“

Zwei Mal wiederholte Herr P. die Prozedur, seine Mutter versuchte es auch. Es ging hin und her, die Minuten in der Warteschleife beim Bereitschaftsdienst machten die Mutter von Herrn P. „völlig fertig“. Herr P. wusste nicht weiter: „Ich hatte solche Angst. Ich dachte, die Blase meines Vaters platzt jeden Moment!“

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Der Zustand des Vaters hatte sich nicht verändert. Der Sohn konnte nicht mehr selbst fahren, dazu war er zu aufgewühlt. Eine Nachbarin brachte den 74-jährigen in die Uniklinik Düsseldorf. Die Diagnose dort: Der Leistenbruch habe sich geweitet, damit auf die Blase gedrückt und so die Schmerzen ausgelöst. Der Patient bekam einen Blasenkatheter, danach konnte er wieder zurück nach Hause.

Daniela Hitzemann von der Kreisverwaltung Mettmann, unter deren Zuständigkeit die Notrufleitstelle fällt, ist dem Fall nachgegangen. Es sei richtig, dass Notrufe eingegangen seien. „Die geschulten Disponenten am anderen Ende der Leitung  haben nach der Schilderung der Anrufe aber keine Indikation für einen Rettungsdienst gesehen.“ Daraufhin seien die Anrufer immer auf den ärztlichen Bereitschaftsdienst verwiesen worden. „Wenn es ein Notfall gewesen wäre, hätte die Leitstelle natürlich die eigenen Leute rausgeschickt“, so Hitzemann.

Hilfe kommt, aber die Familie weiß nichts davon

Es sei sogar so gewesen, dass der Disponent bei der Notrufzentrale die Initiative ergriffen und selbst beim Bereitschaftsdienst angerufen habe. Dies geschah allerdings ohne die Familie P. darüber zu informieren. Die so informierte Ärztin aus Langenfeld machte sich auf den Weg und war laut Protokoll 20 Minuten später am Einsatzort. Seit dem ersten Notruf der Familie P. bis zu diesem Zeitpunkt war aber durch das Hin- und Her mehr als eine Stunde vergangen.

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Auf die Frage, wie es sein könne, Menschen in einer Paniksituation nicht darüber in Kenntnis zu setzen, dass jetzt Hilfe unterwegs sei, wies die Sprecherin der Kreisverwaltung Mettmann darauf hin, dass „der ärztliche Bereitschaftsdienst hätte informieren sollen.“

Heiko Schmitz, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVN), zeigt sich nach der Schilderung des Falls betroffen: „Dieser Fall ist unglücklich gelaufen. Von ärztlicher Seite ist aber kein Fehler unterlaufen.“ Die angeforderte Ärztin habe sogar auf dem Weg zu Familie P. angerufen, um sie über ihr Kommen zu informieren; dort habe aber niemand abgehoben.

Heiko Schmitz von der KVN versteht den Unmut der Patienten: „Das Einzige, was in diesem Fall nicht gut gelaufen ist, war also das Hin und Her bei der Frage der Zuständigkeit – dass sich die 112 und die 116 117 nicht einigen können, wer nun jemanden losschickt, geht gar nicht.“ Er könne indes nicht verstehen, warum die Leitstelle nach der Beschreibung des Befundes nicht sofort geholfen habe.

jr

Kommentare
25.02.2013
07:35
Erkrather fühlt sich von Rettungsdiensten im Stich gelassen
von Allstar | #10

Da wird nett am Patienten gespart.
Neue Großraumbüros für unnütze Nummern einrichten ist ok, aber Patienten abwimmeln spart halt Geld.

Schonmal in...
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2013-02-24 14:07
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