Freizeit : Kinder spielen kaum noch im Freien

Hagen. Das Kinderhilfswerk warnt davor, dass es für Kinder immer weniger Orte zum Spielen unter freiem Himmel gibt. Seit den 50er Jahren würden Städte zubetoniert. Die Zahl der Spielplätze nehme ab. Darauf will der Weltspieltag am Donnerstag aufmerksam machen.
Unter dem Motto „Ungewöhnliche Spielorte” sind Kindereinrichtungen zum Weltspieltag am Donnerstag aufgerufen, mit witzigen oder provokanten Spielaktionen ein Zeichen für Spielen im Freien zu setzen.
Alte Spiele neu entdeckt
Mitten in Hagen: Gummitwist ist auch bei den Kindern von heute nach wie vor beliebt. Foto: Michael Kleinrensing
Foto: WP Michael Kleinrensing
„Früher war vieles anders”, berichtet Antje Szillat. Die Kinderbuchautorin, die viele alte Spiele neu entdeckt hat, findet es beschämend, dass überhaupt ein Weltspieltag ausgerufen werden muss. Im Freien zu spielen, sei für viele Kinder purer Luxus geworden. „Unsere Kinder stehen unter enormem Zeitdruck. Sie rennen aus der Schule vom Ballett-Unterricht zum Klavierlehrer und von dort zur Nachhilfe.” Immer mehr Kinder müssten sich in den Städten zum Spielen gar verabreden. „Meistens nur einmal pro Woche. Ein Witz.”
Für viele Eltern sei es, so Antje Szillat, einfacher, ihre Kinder vor dem Fernseher zu parken oder einen Gameboy in die Hand zu drücken, als sich mit ihnen zu beschäftigen. Nach und nach verlören diese Kinder die Lust, im Freien zu spielen. Das Ergebnis sei eindeutig: „Sie leiden unter Koordinationsproblemen und Bewegungsunsicherheit. Übergewicht und Haltungsschäden nehmen zu.”
Antje Szillat appelliert an die Eltern, auch jenseits des Weltspieltags, ihre Kinder zum Spielen im Freien zu animieren. „Räuber und Gendarm” oder „Fischer, wie bunt sind die Fahnen” förderten die Fantasie und die Kreativität. Beides sei heutzutage Gold wert. Die Kinder lernten außerdem spielerisch, sich an Regeln zu halten.
An die eigene Kindheit erinnern
Eltern, so die vierfache Mutter, sollten sich nur mal an ihre eigene Kindheit erinnern. „Da fällt einem sofort ein Lieblingsspiel ein. Bestimmt. Zum Beispiel Gummitwist oder Kästchenspringen.” Mit ihren Kindern spielt Antje Szillat am liebsten „Blindekuh”, „Schattenfangen” oder „Bäumchen, Bäumchen, wechsle dich”.
„In Deutschland gibt es seit dem Zweiten Weltkrieg einen Trend, zulasten von Kindern zu bauen”, moniert Rainer Deimel, Bildungsreferent vom Fachverband Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Wohnraum werde immer mehr verdichtet, selbst Hinterhöfe und Grünflächen seien immer öfter Verbotszonen für Kinder. Auch Holger Hofmann von Deutschen Kinderhilfswerk schlägt in diese Kerbe. Die Kommunen würden in Zeiten der Haushaltsnot immer mehr Freiflächen veräußern, kritisiert Hofmann. „Das ist kurzsichtig gedacht. Denn die Zukunft der Kommunen hängt davon ab, wie attraktiv der Ort bleibt.” Die Forderung der Experten laute deshalb, Kinder an der Stadtplanung zu beteiligen.
Antje Szillat hat ein Buch zu klassischen Kinderspielen veröffentlicht: „Spiele für Kopf und Herz”. Es ist im Care-Line-Verlag erschienen.
Wer wissen will, was am Weltspieltag in den deutschen Städten los ist, erfährt es im Internet unter www.recht-auf-spiel.de/weltspieltag.php.





















