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Fracking

Wie Fracking in den USA eine "stille Energierevolution" auslöste

14.12.2012 | 15:42 Uhr
Wie Fracking in den USA eine "stille Energierevolution" auslöste
Die amerikanische Energielandschaft wurde durch die zunehmende Durchführung von Richtbohrungen und hydraulic fracturing, besser bekannt als fracking, verändert.Foto: rtr

Essen.  Das Thema Fracking erhitzt die Gemüter in Deutschland. Im Bundesrat hat sich NRW mit einem Antrag durchgesetzt, wonach jeder Fracking-Bohrung eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgeschaltet sein muss. Im Gastkommentar zeigt US-Botschafter Philip Murphy, wie Fracking in den USA betrachtet wird.

Mitte November veröffentlichte die Internationale Energieagentur (IEA) ihren Jahresbericht zum Weltenergieausblick, der einige bemerkenswerte Aussagen über die Entwicklungen in der Öl- und Gasindustrie in den Vereinigten Staaten enthält, insbesondere zu den Folgen unkonventioneller Vorgehensweisen bei der Öl- und Gasförderung. Der Bericht fand erhebliche Beachtung und führte zu einer breiteren öffentlichen Diskussion über das Thema.

Ich erzähle meinen deutschen Freunden nun tatsächlich schon seit einiger Zeit von den Auswirkungen einer durchaus realen amerikanischen Energiewende. Die amerikanische Energielandschaft wurde durch die zunehmende Durchführung von Richtbohrungen und hydraulic fracturing, besser bekannt als fracking, verändert. Diese technischen Verfahren werden angewandt, um Erdgas und Erdöl zu gewinnen, die normalerweise mehrere Kilometer unter der Erdoberfläche in Schiefergestein gespeichert sind. Dem Bericht der IEA zufolge werden die Vereinigten Staaten in fünf Jahren voraussichtlich mehr Erdgas als Russland und mehr Öl als Saudi-Arabien produzieren. Folglich geht die IEA davon aus, dass die Vereinigten Staaten bis 2035 „energieunabhängig“ sein werden.

Diese sehr guten Neuigkeiten haben enorme Konsequenzen für die Vereinigten Staaten, die Weltwirtschaft und die Umwelt.

US-Botschafter Philip Murphy

Die Schiefergas- und Ölrevolution in den Vereinigten Staaten hat, einigen Schätzungen zufolge, bereits zur Schaffung von 1,7 Millionen neuen Arbeitsplätzen in der Öl- und Gasindustrie beigetragen. Wichtiger für den Durchschnittsverbraucher ist jedoch, dass größere Gasreserven aus der Schiefergasgewinnung den Preis für Erdgas drücken, was günstigeren Strom und geringere Heizkosten für die Haushalte bedeutet. Geringere Energiekosten bedeuten für die amerikanischen Verbraucher, mehr Geld für Anderes zur Verfügung zu haben. Landesweit haben die niedrigeren Erdgaspreise in den letzten zehn Jahren zu mehr als einem Prozent zusätzlichem Wachstum pro Jahr geführt. Niedrigere Energiepreise führen in den Vereinigten Staaten zu einer „Re-Industrialisierung“, da das herstellende Gewerbe Investitionen von bis zu 80 Milliarden US-Dollar in US-Chemie-, Düngemittel-, Stahl-, Aluminium- und Kunststofffabriken plant, und die Exportzahlen dieser Güter schnellen in die Höhe.

Von Leitungswasser, das Feuer fängt

Wir sind uns auch bewusst, dass die neue Technologie des Fracking, trotz der eindrucksvollen Vorteile der Schiefergas- und Ölrevolution für das Wirtschaftswachstum und die Energiesicherheit, sicher und vorsichtig eingesetzt werden muss. Niemand will verunreinigtes Wasser trinken, verschmutzte Luft atmen oder Opfer eines von Menschen verursachten Erdbebens werden.

Voriges Jahr bat Präsident Obama Energieminister Steven Chu, einen „Blue-Ribbon-Ausschuss“ einzurichten, der die Sicherheit und Umweltverträglichkeit des hydraulic fracturing untersuchen sollte. Der Ausschuss befasste sich mit drei umweltpolitischen Fragen – Abwasser, Luftverschmutzung und den Auswirkungen auf die umliegenden Gemeinden – und empfahl die Umsetzung einiger bewährter Verfahren. Zu den Empfehlungen zählten ordnungsgemäß versiegelte Brunnenschächte, die Verringerung des Wasserverbrauchs und eine engere Zusammenarbeit mit den Kommunen vor Ort. Im Internet kursieren Videos über Leitungswasser, das „Feuer fängt“. Es hat sich gezeigt, dass so gut wie nie fracking die Ursache war, sondern Bewohner ländlicher Gebiete, die Brunnen bohrten und dabei versehentlich auf ein natürliches Methanreservoir stießen. In einigen wenigen Fällen kam es durch unzureichend versiegelte Brunnen auch zum Austritt von Methan, wodurch noch deutlicher wird, wie wichtig die Umsetzung bewährter Praktiken ist.

Unsere Energierevolution hat auch dazu beigetragen, die Treibhausgasemissionen in den Vereinigten Staaten zu verringern. Bei der Stromerzeugung in den Vereinigten Staaten ersetzt Erdgas mittlerweile in vielen Fällen Kohle, und bei der Stromerzeugung mit Erdgas werden nur halb so viele Treibhausgase freigesetzt wie bei der Verwendung von Kohle. Statistiken der US-Behörde für Energiefragen (U.S. Energy Information Administration) zeigen, dass die durch Energieverbrauch erzeugten Emissionen (98 Prozent aller Emissionen) in den ersten sechs Monaten dieses Jahres im Vergleich zum gleichen Zeitraum vor fünf Jahren um fast 14 Prozent gesunken sind. Die Emissionen in den Vereinigten Staaten befinden sich wieder auf dem Niveau von 1992, dem Jahr, in dem der Umweltgipfel in Rio stattfand.

USA exportiert nun in die Exportinfrastruktur von Flüssiggas

Auch die Bedeutung für den globalen Energiemarkt beginnt sich abzuzeichnen: Vor weniger als fünf Jahren investierten US-Firmen in die für den Import von Flüssig-Erdgas erforderliche Infrastruktur. Jetzt investieren sie in die Exportinfrastruktur. Wirklich überwältigend ist die Prognose der IEA, dass die Vereinigten Staaten aufgrund der gesteigerten heimischen Förderung von Schieferöl bis 2030 netto mehr Öl ex- als importieren werden. Gleichzeitig verbrauchen wir aufgrund der von Präsident Obama eingeführten höheren Kraftstoffeffizienzstandards weniger Erdöl für unsere Fahrzeuge. Das verändert das langjährige Muster des US-Energiehandels und wird das US-Handelsdefizit reduzieren. Unsere Ölimporte werden 2012 um 75 Milliarden Dollar geringer ausfallen als im Vorjahr.

Die größere Verfügbarkeit von Erdgas ist kein Allheilmittel. Es ist trotz allem ein fossiler Brennstoff. Seine Verbrennung hat nach wie vor Auswirkungen auf die Umwelt. Wie bei jeder vielversprechenden neuen Technologie müssen wir vorsichtig und klug sein, und wir müssen lernen, teure und gefährliche Fehler zu vermeiden. Wer Schiefergas nutzen will, muss wachsam bleiben. Wir müssen sicherstellen, dass diese durchaus greifbaren Vorteile nicht auf Kosten der Umwelt gehen.

Die neuerdings im Überfluss vorhandenen Erdgasreserven können dazu beitragen, den wirtschaftlichen und umweltpolitischen Druck zu lindern, um schnelle Lösungen für unsere dringlichsten energiepolitischen Bedürfnisse zu finden. Erdgas, das durch den intelligenten und umsichtigen Einsatz unkonventioneller Technologien gewonnen wird, sollte bis zu dem Tag als „Zwischenlösung“ gesehen werden, an dem Energie zuverlässig, nachhaltig und erschwinglich aus erneuerbaren Quellen gewonnen werden kann.

Philip Murphy



Kommentare
17.12.2012
03:24
Fracking................
von Dieselpumpe | #20

Im Grunde eine Umweltverachtende Sauerei!
Ich hoffe, dass hier in Kürze ein ebenso ausführlicher, wissenschaftlich unabhängiger, Bericht zum Thema zu lesen ist.
Sonst könnte man mit dem Gedanken spielen, hier werden bewusst rein wirtschaftlich orientierte Meinungsäußerungen zur Verharmlosung der Sache ins Volk gestreut.

16.12.2012
12:32
wasser ist höchstes gut
von nordicwalker | #19

der grundwasserspiegel geht immer mehr zurück. wasser wird immer teurer.
aber die lieben ami`s schwärmen vom fracking. wir wollen nur hoffen, das unsere politiker nicht darauf reinfallen. umweltschutz gibt es in amiland doch gar nicht.

1 Antwort
Wie Fracking in den USA eine
von woelly | #19-1

In Bergbausenkungsgebieten steigt der Grundwasserspiegel und wird dort zum großen Problem.

16.12.2012
11:53
Wie Fracking in den USA eine
von woelly | #18

Die Frage bleibt, ist bei diesen Vorgaben Bergbau untertage, sowie übertage überhaupt noch möglich? Das Verbringen von radioktivem Restmüll unetrtage dürfte unmöglich werden, Die Sicherung von Todstollen und alten Schächten, durch Verpressen scheidet aus. Die Suche, Sondierung und Öffnung von Mineralquellen, mit bekannten Verfahren scheidet aus. Die Suche nach Bodenschätzen in Deutschland kommt insgesamt zum Erliegen! NRW wird sich so selber den Hals umdrehen! Wollen wir das? Hannelore kennt sicher die Antworten.

15.12.2012
18:31
Wie Fracking in den USA eine
von silera | #17

Dieser Lobbyist hat nicht gesagt wo in Amerika diese Methode die Umwelt zerstört.
Bestimmt nicht in einem Gebiet das dicht besiedelt wird. Und das das Grundwasser dabei vergiftet wird ist ja nur ein Aspekt von vielen. Wo bleibt das Spülwasser der Bohrlöcher
an einem Tag fahren bis zu 350 Lastwagen an so ein Bohrloch, es werden Millionen
Liter Wasser benötigt , die Chemiekalien verbleiben teilweise im Boden und kontaminieren
die ganze Umgebung.Und das alles weil geldgeile Unternehmen es so wollen. Ist das Bohrloch dann ausgeschürft so muß wieder die Allgemeinheit für die verbrannte Erde zahlen. Ich warte nur auf den Tag bis Brüssel sich auch dort einmischen wird. Und dann gute Nacht.

15.12.2012
12:50
Wie Fracking in den USA eine
von Pellet | #16

Sind Medienvertreter eigentlich mehrheitlich zu Erfüllungsgehilfen von Lobbyisten geworden? Ein unglaublicher Artikel. Bald werden die Menschen - und zwar alle und nicht nur die Gierigen - ihr Geld fressen können. Natürliche Lebensmittel, sauberes Wasser und Luft zum Atmen? Braucht er Mensch nicht, so lange er nur genug Geld hat, oder?

15.12.2012
09:29
Kaiserwetter
von wohlzufrieden | #15

Ich führe euch in herrliche Zeiten...

15.12.2012
07:43
Brunnenvergifter
von gudelia | #14

Eines der wichtigsten Güter die wir haben ist Wasser. Das gilt es unbedingt zu schützen. Von vielen Experten wird schon der große Krieg um Wasser vorausgesagt. Und da kommen nun ein paar "Propheten", aus einem Land in dem die angewandte Folter gesetzlich erlaubt ist, und faseln was von Reichtum und Glück. Unsere Gesundheit und Unversehrtheit geht denen so dünn durch den Darm, das könnt ihr euch im Ansatz nicht vorstellen.

15.12.2012
03:19
Wie Fracking in den USA eine
von herb630 | #13

Das Bild sagt doch mehr als der ganze Artikel hergibt. So sehen die blühenden Lanschaften aus die dort besungen werden.
Liebe Lobbyisten. Das hatten wir scon mal im Lande und sind froh das es ein wenig besser wird.
Aber da man ja festgestellt hat das der Mond aus Käse ist. Bei der Menge lohnt sich doch die nächste Expedition und die Preise gehen in den Keller. Musste ich ja behämmert sein jetzt welchen zu kaufen.
Die zwei Gebrüder hätten ihre wahre Freude daran gehabt. Nein nicht die aus Venlo. Die Grimmschen.

15.12.2012
01:32
Wie Fracking in den USA eine.......
von astor97 | #12

Märchenstunde für die Bürger.. Wohlstand und Reichtum wartet auf euch.... vergesst die Kosten für die Nachsorge der abgeschalteten Atomreaktoren... das Paradies wartet auf euch... und ich sehe schon die Eurozeichen in den Augen der Politiker...ich bin mal gespannt, was da auf uns zu kommt...schönen Tag noch....

15.12.2012
00:14
An die Redakteure der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung,
von Ondramon | #11

wie kann es geschehen, daß Sie diesem "Botschafter", der 23 Jahre seines Lebens für Goldman Sachs gearbeitet hat, in ihrer Zeitung soviel Raum für seine Lobbyarbeit einräumen?

Es ist ja mittlerweile allseits bekannt, daß unsere Politiker das dumme Stimmvieh aus dem Volk für vollkommen verblödet halten. Aber noch niemals zuvor haben Journalisten, die ihren Beruf wirklich ernstnehmen, ihren Lesern einen solchen von wirtschaftlichen Interessen gesteuerten Artikel zugemutet! Und ich frage mich in der Tat, wieviel Geld Sie erhalten haben, diesen Artikel zu drucken?

Sie sollten sich schämen!

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