Verdienen Kanzler in Deutschland wirklich zu wenig?
31.12.2012 | 09:36 Uhr 2012-12-31T09:36:00+0100
Berlin. Mit seinen Äußerungen zum Gehalt der Bundeskanzlerin hat sich Peer Steinbrück viel Ärger eingehandelt. Der SPD-Kanzlerkandidat findet, dass Kanzler zu wenig verdienen. Mit seinen Patzern löst Steinbrück inzwischen gar einen Anflug von Zuneigung beim politischen Gegner aus.
SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück findet, dass Kanzler zu wenig verdienen. Das erklärte er in einem Interview und irritierte damit Freunde wie Gegner. „Ich finde die ganze Debatte abstrus“, sagte der Chef der NRW-CDU, Armin Laschet, zur WAZ Mediengruppe. „Billig“ sei auch, dass Steinbrück die Popularität von Angela Merkel (CDU) als „Frauenbonus“ abtat.
Über ihren Sprecher ließ die Kanzlerin gestern erklären, das Gehaltssystem im öffentlichen Dienst habe sich „alles in Allem bewährt“. Politisch ist Steinbrück inzwischen so in der Kritik, dass die CDU ihren Herausforderer nicht missen möchte. Laschet: „Als Christdemokrat hoffe ich, dass er Kanzlerkandidat bleibt. Hier an Rhein und Ruhr kennen ihn die Leute. Das hilft uns.“
"Jeder Sparkassendirektor verdient mehr"
Steinbrück hatte erklärt, ein Kanzler verdiene zu wenig – gemessen an der Leistung und im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten. „Nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die Kanzlerin.“
Peer Steinbrück glaubt, dass die Beliebtheit der Bundeskanzlerin darauf beruht, dass sie einen "Frauenbonus" hat. In einem Interview sagte der Kanzlerkandidat der SPD, weibliche Wähler würden Merkel wählen, weil sie sich in einer Männerwelt durchgesetzt habe und unprätentiös und bescheiden auftrete.
Nach Ansicht von Altkanzler Gerhard Schröder werden die Politiker in Deutschland „angemessen bezahlt“. Wem die Bezahlung zu gering sei, „der kann sich ja um einen anderen Beruf bemühen“, sagte er der „Bild am Sonntag“. Der SPD-Abgeordnete Dieter Wiefelspütz warnte davor, sich an Gehältern in der Wirtschaft zu orientieren: „Dann machen wir einen Fehler.“ Sein Kollege Hans-Peter Bartels betonte, ein Spitzenamt wie das des Kanzlers zu bekleiden, sei auch eine Ehre.
SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles nahm Steinbrück in Schutz. Er habe etwas ausgesprochen, „das schlicht stimmt“. Sie könne die Aufregung nicht nachvollziehen.
FDP und Linkspartei fordern eine Untersuchung
Unterdessen geriet die Debatte über die Verbindung Steinbrücks zu einer Großkanzlei in den Hintergrund. Doch FDP und Linkspartei fordern unverdrossen eine Untersuchung der während seiner Zeit als Finanzminister vergebenen millionenschweren Aufträge an eine Anwaltsfirma. Der FDP-Finanzexperte Volker Wissing verlangte, wegen der Zahlungen von 1,83 Millionen Euro an die Großkanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer alle Bankenrettungsgesetze zu überprüfen, die unter Steinbrücks Federführung auf den Weg gebracht wurden.
Eine Wirtschaftskanzlei hat nach einem Medienbericht zwischen 2005 und 2009 1,83 Millionen Euro vom Bundesfinanzministerium erhalten. In der Zeit war SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück Bundesfinanzminister. Nach seiner Zeit als Ministerbekam Steinbrück für einen Vortrag bei der Kanzlei 15.000 Euro.
Die Kanzlei hatte das Finanzministerium während Steinbrücks Amtszeit unter anderem bei der Erstellung des Gesetzes zur Bankenrettung beraten. Für Aufregung hatte gesorgt, dass Steinbrück nach Ende seiner Amtszeit bei der Kanzlei einen Vortrag gehalten hat, für den er 15 000 Euro Honorar kassierte.

13:33
Man siehe, leider schafft eben nur das Geld die Anreize. Und dies zeigt uns die Charaktereigenschaften unserer aller Volkes Angestellten!!!
03:22
- Hat Steinbrück etwas für sich gefordert?
- Hat die Presse seine Antworten und den Anlass dazu angemessen wiedergegeben?
- Hat die hier geführte Diskussion die inhaltliche Qualität des Kanzlerkandidaten im
Auge?
- Haben die Diskussionen um die Moral des Kanzlerkandidaten - sofern sie
überhaupt zutreffen - eine Relevanz für eine etwaige Regierungspolitik der SPD?
Darf ich den geneigten Lesern an dieser Stelle erklären, dass wir nicht in einer Präsidialdemokratie wie etwa in Frankreich und der USA leben, sondern, dass der Kanzler in nahezu allen relevanten Entscheidungen der Zustimmung des Parlaments bedarf?
Zum Schluss - ich halte Frau Merkel als mindestens ebenbürtig. Ich möchte daran erinnern, wie oft Frau Merkel von der Presse schon diskreditiert wurde, und sei es wegen ihrer Mimik.
Wir werden die Totengräber der Demokratie, wenn wir, statt auf Inhalte zu schauen, uns von der emotionalen Berichterstattung funktionalisieren lassen.
Betrachten Sie das Original-Interview
01:38
Die Debatte dreht sich nur um einen Teilaspekt in dem FAZ-Interview und ist zu eindimensional.
Die Frage, die uns ganz ehrlich doch eher bewegt: Verdienen die anderen nicht zu viel?
Beim Lesen des Interviews frage ich mich allerdings inwieweit Steinbrück Einfluss auf die Fragen hatte. Es ist durchaus bekannt, dass bei Interviews im Vorfeld Absprachen stattfinden.
Versucht Steinbrück evtl sogar bewusst alle "Fettnäpfchen" so früh wie möglich zu treffen?
Oder hat er sich überlegt, dass man mit 67 auch gut in Rente gehen könnte (zumal auch sein Frau in Rente geht) statt Kanzler zu werden.
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22:09
Ein durchschnittlicher Fußballrt bekommt soviel wie 15 Regierungschefs, welch kaputte Welt.
Das lag mir auch schon mehrmals auf der Zunge - ich hoffte, Leute beim Hinwais auf das Original Interview auf emotionsfreie Gedanken zu bekommen!
20:53
Eigentlich nicht,
aber Steinbrück verdreht auch hier die Maßstäbe und Aufgaben - er ist kein Vorbild sondern eine Abschreckung.
19:40
Das, was Sie beschreiben, ist der Kontext bzw. das, was u.a. die Medien erschaffen haben und was jetzt als Kontext wirkt. Leserleitung oder besser: Leserirreleitung nennt man so etwas.
19:16
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18:38
#45
Ja, da liest sich das schon vollkommen anders. Nur will das doch niemand wissen, wie Peer Steinbrück das wirklich gesagt hat. Bashing macht doch viel mehr Spaß als sich mit der langweiligen Wahrheit auseinanderzusetzen. Die "Ich-dreh-dir-mal-eben-das-Wort-im-Mund-herum"-Methode ist doch eine der beliebtesten bei vielen Medien. Und in Blogs und Leserkommentaren sowieso.
16:33
http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/peer-steinbrueck-im-gespraech-bundeskanzler-verdient-zu-wenig-12009203.html
15:35
Jetzt ist es endlich raus ! ER will kein Kanzler werden...Zuviel Arbeit und keine zeit um Millionen nebenbei einzustreichen...Verblendet