Senioren-Union fordert Pflichtfach Zeitunglesen
04.09.2009 | 17:18 Uhr 2009-09-04T17:18:00+0200Hagen. Der Senior und der Junior. Gemeinsam streiten sie für Deutschland. Der Chef der Senioren-CDU, Otto Wulff (76), und der Chef der Jungen Union, Philipp Mißfelder (30), ziehen durchs Land und machen Politik greifbar. Das Duo stellte sich den Fragen der Westfalenpost.
Wie erklären Sie sich Ihren Erfolg?
Wulff: Die Menschen haben angesichts der Krise Sehnsucht nach mehr Verlässlichkeit. Und sie spüren instinktiv, das Zusammenstehen der Generationen gibt uns Sicherheit. Bei einer Familie mit Kindern ist es nicht anders, sie fühlt sich auch besser für das Alter gerüstet.
Missfelder: Es ist nicht nur Schau. Junge Union und Senioren-Union haben Konflikte, aber die Parteien sind ähnlich wie Familien. Deshalb ist der Streit in Parteien ja wie ein Familienstreit. In der Familie gibt es viel mehr Reibereien zwischen Eltern und Kindern als zwischen Großeltern und Enkeln. Das ist in der Partei genauso. Wir haben ähnliche Ansätze in der Pflegeversicherung und der Gesundheitspolitik, bei der Rente hingegen sieht es schwieriger aus. Das sprechen wir aber auch an.
Gehört zu den Themen auch ihre Forderung vom August 2003, künstliche Hüftgelenke für Senioren ab 85 Jahren nicht mehr zu bezahlen?
Missfelder: Diese Äußerung hängt mir ewig nach. Die Diskussion über Generationengerechtigkeit und unsere sozialen Sicherungssysteme nehme ich auf. Die Menschen haben im Wahlkampf einen Anspruch auf Informationen und Ehrlichkeit.
Deshalb die große Resonanz?
Wulff: Wir tragen die Sachen so vor, dass sich die Menschen nicht langweilen. Die Menschen müssen merken, da ist Herzblut mit im Spiel. Wir sind glaubwürdiger. Die Langweiligkeit der Talk-Shows im Fernsehen ist uns fremd. Nicht zuletzt brauchen die Menschen Visionen. Wenn ich erkläre, die Gesellschaft ist nicht lebensfähig, wenn nur Alte übrigbleiben, das versteht jeder. Ich mache den Menschen eines klar: Wir müssen die demographische Entwicklung kippen und viel mehr in die Bildung investieren.
Missfelder: Wir haben die heißen Eisen automatisch auf dem Tisch. Bei uns geht es um Rente, Gesundheit, Pflege. Gerade, wenn ein Junger sagt, ich will nicht so viel Beitrag zahlen, und ein Rentner sagt, ich komme mit meinem Geld nicht aus. Sofort sind wir im Thema. Und wir beide sind Politiker, die die Diskussion suchen. Unser Spektrum reicht von der Bekämpfung der Kriminalität bis zur Auseinandersetzung mit der Linkspartei.
Das Stichwort Bildung ist gefallen. Alle Politiker schreiben Bildung auf ihre Fahne. Der Junior und der Senior der CDU auch?
Missfelder: Bildungspolitik bedeutet auch, dass sich der Einzelne mehr anstrengen muss. Das ist unbequem, aber wir brauchen mehr Leistungsbereitschaft als die Kinder von Bullerbü. Wir leben im weltweiten Wettbewerb, deshalb ist lebenslanges Lernen notwendig. Wir brauchen kluge Köpfe - ältere und jüngere.
Wulff: Ohne Bildung gibt es keine Innovation. Nur so kann man besser sein als die anderen. Bildung bedeutet, dass wir alle zehn Jahre neu lernen müssen, weil sich die Welt so schnell wandelt. In zehn Jahren kommen 800 bis 900 Millionen gut ausgebildete und hoch motivierte junge Leute aus den Schwelllenländern auf den Arbeitsmarkt. Wenn wir da nicht aufpassen, werden wir es nicht packen. Das begreifen die Leute. Wer heute zum Beispiel in der Kindererziehung zehn Jahre ausgesetzt hat, muss von vorne anfangen. Das ist die Welt.
Also mehr Politikverständnis durch handfeste Anschaulichkeit?
Wulff: Ja. Wir müssen den Menschen mit Visionen kommen, die über eine Wahlperiode hinausgehen. Das hat etwas mit Zuverlässigkeit und Solidität zu tun. Die Selbstinszenierung von Politikern, die mit abstrusen Ideen ihren Bekanntheitsgrad erhöhen wollen, brauchen wir nicht.
Missfelder: Und jeder versteht es, wenn wir sagen, die Haupterziehungsarbeit ist von den Eltern zu leisten. Bei Eltern, die das nicht können, darf niemand per se sagen das übernimmt der Staat, viel mehr müssen wir die klassische Familienbildung vorantreiben.
Wie muss man sich das vorstellen?
Missfelder: Viele junge Eltern wissen gar nicht, was auf sie zukommt. Woher sollen sie es können, wenn sie es nicht im Elternhaus gelernt haben. Hier müssen wir politisch ansetzen.
Wulff: Wir sprechen viel zu abstrakt über Bildung. Was ich erschütternd finde bei jungen Menschen, wie wenig belesen sie sind. Durch die endlosen Bilder im Fernsehen verblöden die Leute. Wenn es nach mir ginge, gäbe es ein Pflichtfach Zeitunglesen in der Schule. Ohne Allgemeinbildung kommt kein Spezialwissen hinzu.
Hat Lesen im Zeitalter von Twitter und Facebook eine Chance?
Missfelder: Bei Kindern erlebe ich mit der Stiftung Lesen große Faszination beim Vorlesen. Sie können gar nicht genug hören. Das elektronische Kindermädchen ersetzt das Vorlesen nicht. Das Internet kann Lesen in der Breite ebenfalls nicht ersetzen. Die Texte werden immer kürzer. Wir leben in einer Welt von Kurznachrichten, was durch die Medien nur verstärkt wird.
Wulff: Die politische Reife eines Volkes nimmt ab, wenn weniger gelesen wird. Eine Konsequenz davon ist die geringe Wahlbeteiligung.
Von der Zeitung an den Küchentisch: Hauswirtschaft soll generell ein Unterrichtsfach werden?
Missfelder: Es geht nicht darum, dass jeder eine Schürze umgebunden bekommt und anfängt Kartoffel zu schälen. Aber junge Menschen müssen lernen, dass Kochen mehr ist, als Tiefkühlkost zuzubereiten.
Was muss sich ändern?
Missfelder: Es kann nicht sein, dass sich der Schüler im Biologie-Unterricht auf Proseminar-Niveau bewegt, aber keine Ahnung davon hat, wie sich Konsumverhalten auswirkt. Was dringend in der Schule diskutiert werden muss: Was ist mit der Altersvorsorge? Warum ist die Handy-Rechnung so hoch? Unsere Chance ist, dass die Schüler auf die Woche gesehen, immer mehr Zeit in der Schule verbringen. Für die Lehrer ist das eine Herausforderung.
Wulff: Die Probleme setzen sich heute ja bei der Ernährung fort. Die Kinder werden nicht erzogen, Verantwortung für ihren Körper zu übernehmen. Warum kann man das nicht in den Schulen machen. Die Zahl der Diabetes-Kranken nimmt dramatisch zu. Auf die Dauer lässt sich die Gesundheitsversorgung angesichts der Veralterung der Gesellschaft ohne gesunde Ernährung und Bewegung in jungen Jahren nicht halten.
Eine neue gesundheitspolitischer Initiative der Senioren-CDU und der Jungen Union?
Missfelder: Der falsche Ansatz in der Gesundheitspolitik ist, dass die Menschen mehr Beiträge zahlen müssen und die Leistungen gekürzt werden. Prävention muss Spaß machen. Die Eigenverantwortung muss mit einem Anreizsystem gefördert werden.
Wulff: Nur mit mehr Prävention und mehr Eigenverantwortung lässt sich unser Gesundheitssystem aufrecht erhalten.

23:55
Wenn Herr Wulff Zeitungen als Pflichtlektüre fordert, kann man ja wohl davon ausgehen, dass er selber regelmäßig die Zeitung liest. Insofern ist die Qualität seiner Aussagen in diesem Interview ein deutlicher Beweis dafür, dass Zeitunglesen alleine es wohl auch nicht bringt. :-)
Vielleicht könnte der Gedanke, die Zeitung könnte als Lektüre in der Schule landen, ja die Redakteure und Herausgeber dazu veranlassen, endlich wieder ihre Texte vor Erscheienen auf Grammatik und rechtschreibung zu überprüfen.
21:10
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13:50
Erst einmal sollte man die Senioren-Union auflösen. Die CDU ist längst überaltert genug und wird bei den jungen Menschen mit Mißfelder, Spahn und Co. keine Anhänger mehr finden. Also geht die Reise weiter bergab, bis sie als Volkspartei verschwindet. Und übrigens: Christliche Werte werden in der Union kaum noch vermittelt. Auch viele Verhaltensweisen sind nicht mehr christlich: Krieg in Afghanistan, Abzocke der Steuerbürger, Schutz der Finanzjongleure, Diffamierung der Schwachen, Betrug der Rentner und Arbeitnehmer, Hungerlöhne und und und ... Die CDU kann man getrost einstampfen. Junge Menschen lassen sich nicht mehr vor diesen Karren spannen. Jetzt sind Wahlen. Jetzt kann man gegen diese Partei handeln.
22:15
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21:42
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16:03
Medienkompetenz ist wichtig und wird nicht an Schulen vermittelt. Das ist der Kern und den verfehlen die beiden.
Für Medienkompetenz braucht es kein Pflichtfach Zeitungslesen, zumal es neben Zeitungen zahlreiche andere Medien gibt, sogar interaktive Medien.
Es sollte darum gehen Kenntnisse zu vermitteln, wie z.B. sich mit Informationen auseinander zu setzen, Berichte kritisch hinterfragen zu können, Meinnung und Tatsache auseinander halten zu können.
Das sollte an Schulen tatsächlich vermittelt werden nur bedarf es dazu keines neuen Faches, dies kann problemlos in den bestehenden Fächerkanon aufgenommen werden.
11:17
@Mister B.:
Freier Journalismus:
Zustimmung kommt auch von Bodo Hombach, Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe. Bei „Paid Content” gehe es nicht um die Ökonomisierung des Netzes, sondern um Qualitätssicherung, genauer gesagt „um die Refinanzierung professioneller journalistischer Leistung”. Unabhängig, glaubwürdig, investigativ.
Soviel von Herrn Hombach zum Thema. Allerdings nur bei paid content. Vorher dürfen wir das wohl kaum erwarten, und danach werde ich zumindest es nicht mehr sehen.
11:08
@MisterB:
Ich tippe mal auf unseren blonden Sonnenschein aus Düsseldorf. Oder genauer gesagt ihre externen Berater, ohne die sie ja bekanntermassen nicht so erfolgreich wäre, wie wir es immer wieder bestaunen dürfen. Ob Herr Hombach oder Tante Friede dazu gehören, werden wir wohl nie erfahren.
10:30
Mal so tun als ob man diesen Artikel ernst nimmt...
...mal ne Frage: Wer bestimmt denn dann welche Zeitungen die Schüler lesen müssen??
Familie Springer, Bodo Hombach...oder direkt Frau Merkel??
PS: So sieht auch freier Journalismus aus: 100% kritische Stimmen zu diesem Artikel...schwupps ist er von der Hauptseite verschwunden:-):-)
10:04
Der Berufspolitiker Mißfelder - ohne jede Berufserfahrung wie die Nahles oder Heil etc.- will mir erzählen, was Sache ist. Da lachen doch die Hühner!