Das aktuelle Wetter NRW 12°C
Brandstiftung

Polizei-Einsatzfahrzeuge aus NRW ausgespäht und angezündet

03.06.2012 | 16:17 Uhr
Polizei-Einsatzfahrzeuge aus NRW ausgespäht und angezündet
Die Fahrzeuge waren vor einem Hotel eine halbe Autostunde nördlich der City geparkt gewesen. Foto. privat

Hamburg.   Nordrhein-westfälische Einsatzhundertschaften aus Bochum, Mönchengladbach und Bielefeld waren in Hamburg gegen Neonazis im Einsatz. Davor jedoch brennen acht Autos der Beamten völlig aus, weitere sechs werden beschädigt. Über 500 000 Euro Sachschaden

Im Schutz der Sträucher konnten sich die Täter an den Parkplatz heranpirschen, Brandbeschleuniger platzieren und entzünden. Die Flammen verrichteten in der Nacht zu Samstag in Hamburg ganze Arbeit: Acht Polizei-Einsatzfahrzeuge brannten gegen drei Uhr in der Früh völlig aus, weitere sechs (zunächst war von drei die Rede) wurden angekokelt – Fenster zerplatzten, Stoßstangen verschmorten. Der Schaden dürfte bei über 500 000 Euro liegen. Eines der zerstörten Fahrzeuge war mit Kameras und weiterer Technik zur Beweissicherung bei Demonstrationen ausgestattet. Zudem ging die Ausrüstung von 50 Polizisten in Flammen auf.

Bei den Fahrzeugen handelt es sich um Autos der nordrhein-westfälischen Einsatzhundertschaften aus Bochum, Mönchengladbach und Bielefeld. Die Hamburger Polizei hatte sie zur Verstärkung für den Einsatz tagsdrauf bei der NPD-Kundgebung gerufen . Diesen Einsatz wollten die unbekannten Brandstifter offenkundig sabotieren und sind dabei generalstabsmäßig vorgegangen. „Man muss uns ausgespäht haben“, sagte einer der betroffenen Beamten im Gespräch mit der NRZ. Immerhin war die Verstärkung aus NRW in einem Hotel eine gute halbe Autostunde nördlich der City einquartiert. Die Autos waren auf dem Parkplatz vor dem Hotel abgestellt gewesen.

Am Samstag selbst demonstrierten in der Spitze über 10 000 Menschen friedlich gegen den Aufmarsch der rund 700 Neonazis in der Hansestadt. „Wir stehen zusammen gegen Rechtsradikale“, rief Hamburgs 1. Bürgermeister bei der zentralen Kundgebung auf dem Rathausmarkt. Und Kirsten Fehrs, Bischöfin der nordelbischen Kirche, erklärte: „Unser Kreuz hat keine Haken.“ Im Stadtteil Wandsbek hatten sich derweil 3500 linke und linksextreme Demonstranten versammelt. In den Seitenstraßen dort eskalierte die Lage.

Brennende Barrikaden

Steine und Flaschen flogen, Polizeibeamte wurden mit Böllern angegriffen. Nachdem die Polizei Wasserwerfer auffuhr und Pfefferspray einsetzte, zogen sich die Angreifer zunächst zurück und rückten dann erneut vor: Sie errichteten Barrikaden und zündeten diese an. Autos am Straßenrand gingen ebenso in Flammen auf, ein Fahrzeug der Polizei brannte aus, nachdem es von einer Feuerwerksrakete getroffen worden war. Insgesamt 38 Polizisten wurden verletzt. Es gab 17 Festnahmen, 63 Personen wurden vorübergehend in Gewahrsam genommen.

Die Polizei, die mit insgesamt 4400 Beamten auf den Beinen war, bewertete den Einsatz dennoch als Erfolg. Es sei gelungen, rechte und linke Gruppen voneinander zu trennen, hieß es. Die NRW-Beamten konnten trotz der Brandstiftung fast komplett am Einsatz teilnehmen, weil sie kurzfristig von der Hamburger Polizei mit Autos und Schutzanzügen ausgestattet worden waren. Per Bus kehrten die Beamten gestern zurück.

Die Ermittlungen zur Brandstiftung dauern an. „Das ist blanker Zerstörungswahn und macht deutlich, wie groß der Hass gegen den Staat und die Gesellschaft ist. Gewalt wird von den extremistischen Gruppierungen immer mehr als legitimes Mittel der Meinungsäußerungen angesehen. Hiergegen müssen wir gemeinsam vorgehen.“, sagte Adi Plickert, Landesvize der Gewerkschaft der Polizei.

Von Holger Dumke



Kommentare
Aus dem Ressort
NRW schnürt Millionen-Paket für Flüchtlinge
Flüchtlinge
NRW stockt die Hilfen für die Flüchtlingsarbeit der Kommunen auf. Das kündigte Ministerpräsidentin Kraft nach einem Spitzentreffen am Montagabend in Essen an. Die direkte finanzielle Hilfe für die Unterbringung von Flüchtlingen in Kommunen werde um ein Viertel erhöht - um mehr als 46 Millionen Euro.
Thüringer SPD bereitet Weg für ersten Linken-Regierungschef
Thüringen
Thüringen kann Geschichte schreiben: Erstmals ist eine rot-rot-grüne Regierung mit einem Ministerpräsidenten der Linken möglich. Nach der Koalitionsempfehlung der SPD-Führung hat nun die Basis das Wort.
Frankreich fordert Riesen-Konjunkturprogramm von Deutschland
Wirtschaft
Die französische Regierung hat einen provokanten Vorschlag für ein deutsches 50-Milliarden-Konjunkturprogramm vorgelegt. Die Bundesregierung lehnt das ab und will vor allem private Investitionen stärken.
"Quassel-Imam" darf nicht mehr in Berliner Moschee predigen
Salafismus
Ein genervter Günther Jauch konnte den "Quassel-Imam" Abdul Adhim Kamouss in seinem ARD-Talk nicht stoppen. Das hat die Leitung der Neuköllner al-Nur-Moschee jetzt getan. Dort darf der 37-Jährige keine Predigten mehr halten. Offenbar war die Moscheeleitung nicht so glücklich mit dem Fernsehauftritt.
EU plant wegen Ebola eine Seuchen-Eingreiftruppe
Ebola
Die EU will als Reaktion auf die Ebola-Epidemie eine schnelle Eingreiftruppe aus Medizinern zur Seuchen-Bekämpfung aufstellen- Die EU-Außenminister unterstützten auf einem Treffen in Luxemburg den Vorschlag ihres deutschen Kollegen Frank-Walter Steinmeier für ein „Weißhelm“-Kontingent aus Ärzten und...
Umfrage
Der Streik der Lokführer erhitzt weiter die Gemüter. Bahn und Gewerkschaft werfen sich gegenseitig verantwortungsloses Verhalten vor. Wie sehen Sie das?

Der Streik der Lokführer erhitzt weiter die Gemüter. Bahn und Gewerkschaft werfen sich gegenseitig verantwortungsloses Verhalten vor. Wie sehen Sie das?

 
Fotos und Videos