Mittagspause liegt schwer im Magen
28.03.2009 | 09:55 Uhr 2009-03-28T09:55:00+0100Hagen. Mit Beginn des Schulhalbjahres müssen weiterführende Schulen in NRW mit Nachmittagsunterricht eine einstündige Mittagspause nach der sechsten Stunde einführen, so das Schulministerium. Die Umsetzung des Erlasses mit Übergangsfrist bis 2011 schmeckt nicht jedem Elternverband und Sportverein.
Das Johannes-Althusius-Gymnasium in Bad Berleburg nutzt die Übergangsfrist. „Wir steigen dann ein, wenn wir einsteigen können”, sagt Schulleiter Erwin Harbrink. „Und das ist am 1. August 2010.” Dann sollen die Voraussetzungen für die Ausgabe warmer Mahlzeiten erfüllt sein. Die Baumaßnahme dürfte 300 000 Euro verschlingen, das Land beteiligt sich mit 100 000 Euro. Den Rest muss die Stadt als Schulträger aufbringen. Denn, so steht es in der millionenschweren Ganztagsoffensive - u.a. ein Ergebnis der Schulzeitverkürzung (Turbo-Abitur): Düsseldorf übernimmt 50 % der Baukosten, maximal 100 000 Euro. Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologenverbandes NRW, hält dies für „schlau”: „Kommunen werden mit den 100 000 Euro geködert.” Wird die Baumaßnahme teurer, muss die Stadt tiefer in die Tasche greifen. Schließlich sei in diesem Jahr Kommunalwahl: „Keiner will sich vorwerfen lassen, nicht in den Bildungsbereich zu investieren.”
Auswirkungen auf die Freizeitgestaltung
Dass zusätzlicher Nachmittagsunterricht Auswirkungen auf die Freizeitgestaltung der Schüler hat, will Silbernagel nicht verhehlen. Dass aber z.B. Sportvereine massiv darunter leiden, glaubt der Verbandsfunktionär nicht: „Vereine können in diesem Prozess gemeinsame Angebote mit den Schulen entwickeln.” Ohnehin müsse Schule Jungen und Mädchen die Möglichkeit bieten, Hobbys zu formen, Gespür für kreative Freizeitgestaltung zu bekommen und Interesse für Sportarten, Musikinstrumente oder das freie Spiel mit Gleichaltrigen zu entwickeln.
Dass dafür keine Zeit mehr ist, wenn Schüler zwischen Mittag und Abend mit Schule beschäftigt sind, sorgt Sportvereine. Die müssen wegen des späteren Schulsports ihre Übungsstunden nach hinten verlegen und finden womöglich keine Mitglieder mehr unter den gestressten Schülern.
„Vereine können gemeinsame Angebote mit den Schulen entwickeln.” Peter Silbernagel
So weit müsste es nicht kommen, meint Regine Schwarzhoff. Schüler müssten nicht den Nachmittag in Klassenräumen verbringen, so die Vorsitzende des Elternvereins NRW: „Das liegt nur daran, dass der Stundenplan am Vormittag wie ein I-Männchen-Gebiss ausieht. Überall Lücken.” Mit der personellen Ausstattung für einen durchgängigen Unterricht bis zum Mittag und Schulstunden an Samstagen könnte man das Ganze vermeiden.
Suche nach sinnvollen Lösungen
Am Berleburger Johannes-Althusius-Gymnasium diskutiert man eifrig, in welcher Form die warme Mahlzeit ab 1. August 2010 ausgegeben wird. Und welche Angebote den Schülern in der verbleibenden Zeit der einstündigen Mittagspause gemacht werden. Schulleiter Harbrink: „Wir möchten vermeiden, dass die Schüler ausschwärmen und sich irgendetwas Essbares in der Stadt kaufen.”
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