Das aktuelle Wetter NRW 20°C
Konzernkrise

Hiesinger will jetzt bei Thyssen-Krupp aufräumen

11.12.2012 | 19:25 Uhr
Hiesinger will jetzt bei Thyssen-Krupp aufräumen
Heinrich Hiesinger bei der Bilanzpressekonferenz am Dienstag.Foto: Kai kitschenberg/WAZFotoPool

Essen.   Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger hat bei der Bilanzpressekonferenz am Dienstag mit der Vergangenheit des Konzerns abgerechnet: Seilschaften, blinde Loyalität und Manager, die sich über Regeln hinwegsetzten. Hiesinger fand aber auch noch lobende Worte.

Nach den Milliarden-Verlusten durch die Stahlwerke in Übersee und einer Vielzahl von Kartell- und Korruptionsfällen hat der Vorstandschef von Thyssen-Krupp, Heinrich Hiesinger, in einer Ruck-Rede einen Neuanfang gefordert.

Das Desaster bei den Stahlwerken „hat uns gezeigt, dass unsere Führungskultur an vielen Stellen des Unternehmens versagt hat“, sagte Hiesinger bei der Vorlage der Geschäftszahlen. „Seilschaften und blinde Loyalität waren oft wichtiger als unternehmerischer Erfolg.“ Fehlentwicklungen seien in dieser Kultur „lieber verschwiegen als korrigiert“ worden. „Und es herrschte offenbar bei einigen die Ansicht vor, dass Regeln, Vorschriften und Gesetze nicht für alle gelten.“

Nach der Rede ging der Aktienkurs nach oben

Trotz des historischen Konzernverlustes von fünf Milliarden Euro, vor allem verursacht durch eine notwendig gewordene Wertkorrektur der Stahlwerke um 3,6 Milliarden Euro nach unten, reagierte die Börse positiv. Der Aktienkurs legte um sechs Prozent zu, was zum Teil auch auf die Rede Hiesingers zurückgeführt wurde. Offenbar trauen die Anleger dem Vorstandschef zu, das Unternehmen aus der schweren Krise zu führen. Auch die Arbeitnehmervertreter sprachen sich für „einen echten Neuanfang“ aus.

Mehr zum Thema
Hiesingers Kampfes-Rede gegen die Krise bei Thyssen-Krupp

Mit einer kämpferischen Rede suchte Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger bei der Bilanzpressekonferenz am Dienstag den Weg aus der schweren...

Hiesinger sagte weiter, bei dem Technologie- und Stahlkonzern werde ein „zeitgemäßer Anspruch“ an das Führungsverständnis etabliert. „Führungskräfte bei Thyssen-Krupp handeln ehrlich, vorbildlich und verantwortungsvoll.“ Seit seinem Amtsantritt im Januar 2011 hätten 50 Manager im Zusammenhang mit Verstößen gegen die „ordnungsgemäße Geschäftsführung“ gehen müssen. „Wir mauscheln nicht, sondern bohren nach. Wer da nicht mitzieht, hat bei Thyssen-Krupp nichts verloren“, so Hiesinger, der zugleich betonte, dass sich die große Mehrheit der Mitarbeiter tadellos verhalte.

Personalabbau? Steht nicht im Vordergrund

Der 52-Jährige kündigte an, die Führungsstrukturen deutlich zu straffen. Innerhalb der kommenden drei Jahre will Hiesinger insgesamt zwei Milliarden Euro durch verbesserte Abläufe und den Einkauf einsparen. Ein Personalabbau stehe dabei nicht im Vordergrund. Der Konzern beschäftigt 168 000 Mitarbeiter, etwa 80.000 davon in Deutschland. Hiesinger zeigte sich zuversichtlich, das Unternehmen aus der Krise führen zu können. „Wir sind fest entschlossen, Thyssen-Krupp wieder erfolgreich zu machen.“

Thomas Wels

Kommentare
13.12.2012
00:44
Hiesinger will jetzt bei Thyssen-Krupp aufräumen
von Duisb2012 | #4

WO SIND DIE KRUPPS DER ALTEN ZEITEN ????

Funktionen
Aus dem Ressort
Landesverrat? BND-Chef Schindler weist Vorwürfe zurück
BND-Affäre
Hat der Bundesnachrichtendienst mit Zuarbeit für die amerikanische NSA die Interessen der Bundesrepublik verraten? Der Behördenchef verteidigt sich.
Gewerkschaft: Erzieher stimmen für unbefristeten Kita-Streik
Kita-Streik
Die erste Gewerkschaft hat das Ergebnis der Urabstimmung bei Kita-Erziehern bekannt gegeben. 96,5 Prozent sind für einen unbefristeten Arbeitskampf.
Nachtwölfe: Putins Rocker beteten in KZ-Gedenkstätte Dachau
Rocker
70 Jahre nach Kriegsende sind russische Rocker auf "Siegestour" durch Deutschland. Die Polizei ließ sie durch - weil sie keine "echten" Rocker seien.
Minister De Maizière weist Vorwürfe in BND-Affäre  zurück
Geheimdienste
Innenminister de Maizière hat Kritik an seinem Verhalten in der BND-NSA-Affäre zurückgewiesen. Er will die "Unterstellungen" am Mittwoch ausräumen.
70 Jahre Befreiung KZ Dachau - Merkel dankt Zeitzeugen
Gedenken
Vor einem Wiederaufleben von Antisemitismus haben Holocaust-Überlebende beim Gedenken der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau gewarnt.
Fotos und Videos
Sakurai und Co.
Bildgalerie
Fotostrecke
article
7385155
Hiesinger will jetzt bei Thyssen-Krupp aufräumen
Hiesinger will jetzt bei Thyssen-Krupp aufräumen
$description$
http://www.derwesten.de/wp/politik/hiesinger-will-jetzt-beithyssen-krupp-aufraeumen-id7385155.html
2012-12-11 19:25
Politik