Das aktuelle Wetter NRW 8°C
Sterbehilfe

Heftiger Streit um Regierungspläne zur Sterbehilfe

02.08.2012 | 12:24 Uhr
Heftiger Streit um Regierungspläne zur Sterbehilfe
Foto: Ulla Emig wazfotopool

Berlin.  Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) will Sterbe-Beihilfe für Angehörige und "nahestehende Personen" des Betroffenen strafffrei stellen. Das sorgt für Konflikte in der Koalition. Unions-Politiker sehen in dem Gesetzentwurf einen gefährlichen "Dammbruch".

Die Pläne von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) zur Sterbehilfe haben eine heftige kontroverse Debatte ausgelöst. Unionsfraktionsvize Johannes Singhammer (CSU) warnte vor einem "Dammbruch hin zur aktiven Sterbehilfe" und forderte, den Gesetzentwurf schnellstens wieder fallen zu lassen. "Wir wollen nicht zulassen, dass menschliches Leben in irgendeiner Art und Weise verfügbar gemacht wird", sagte er. Singhammer befürchtet schlimme Fehlentwicklungen. "Es geht hier um Tötung auf Verlangen. Da sind größtmögliche Sensibilität und Ehrlichkeit notwendig." Ähnlich äußerten sich Vertreter der katholischen Kirche.

Der Referentenentwurf sieht vor, Sterbe-Beihilfe für Angehörige und andere nahestehende Personen straffrei zu lassen, gewerbliche Sterbehilfe jedoch mit Haft zu bestrafen.

Singhammer sieht den Entwurf als "ungeeignet, gewerbliche Suizidbeihilfe zu vermeiden, weil es viele Umgehungen ermöglicht". Als Beispiel nennt er schwer an Depressionen Erkrankte. "Diese Menschen brauchen ärztlichen Beistand zur Heilung und nicht zur Beendigung ihres Lebens."

"Rote Linie überschritten"

Der Sozialpolitiker Norbert Geis (CSU) sagte: "Damit ist eine rote Linie überschritten. Da wird eine Tür geöffnet. Es darf keine Straffreiheit für Beihilfe zur Tötung geben. Dieses Gesetz bringt unser gesamtes Rechtsgefüge durcheinander, in dem das Recht auf Leben zu den höchsten Gütern gehört und für niemanden verfügbar sein darf."

Nach Ansicht der Union hat Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger mit dem Gesetzentwurf zur Sterbehilfe nur eine "Teilerfüllung" der Koalitionsabsprache geliefert. "Nach unserem Verständnis gehört zu der Verabredung auch ein Werbeverbot für Sterbehelfer", sagte Unionsfraktionsvize Günter Krings. Deshalb müsse der Entwurf "auch an dieser Stelle nachgebessert werden", betonte der CDU-Politiker.

Wer ist eine "nahestehe Person"?

Die FDP begrüßte den Gesetzentwurf zur Teilnahme an der Sterbehilfe zwar, regte aber Nachbesserungen an. Der lieberale Obmann im Gesundheitsausschuss, Jens Ackermann forderte: "Wer bestraft wird und wer nicht, das müssen wir noch genauer klären." Es müsse konkretisiert werden, wer eine dem Suizidwilligen "nahe stehende Person" sei. "Aus meiner Sicht kann das nur der Betroffene selbst vorher schriftlich verfügen."

Der FDP-Abgeordnete Michael Kauch hat den Gesetzentwurf zum Verbot der kommerziellen Sterbehilfe gegen die Kritik von Union und Ärzteverbänden verteidigt. "Es muss aus Gründen der Humanität möglich sein, dass die Ehefrau dem Sterbenden die Hand halten darf", sagte er.

SPD will Nachbesserungen

Auch die SPD begrüßte zwar den Entwurf, forderte aber Nachbesserungen und eine breite Diskussion. Ihr Rechts- und Gesundheitsexperte Edgar Franke sagte der Zeitung: "Neben Angehörigen sollten auch Pflegekräfte und enge Freunde - in besonderen Ausnahmefällen - straffrei bleiben, wenn Sie einem unheilbar Kranken auf ausdrücklichen Wunsch helfen."

Die Strafbarkeit der gewerbsmäßigen Sterbehilfe konkreter zu fassen, sei vernünftig, betonte Franke. Problematisch ist laut Franke jedoch die Ausdehnung der Straffreiheit bei Sterbehilfehandlungen von Ärzten, die eine länger andauernde Beziehung zu den Betroffenen hätten. Diese Differenzierung sei in der Praxis nur schwer möglich, zumal das Berufsrecht der Ärzte die aktive Sterbehilfe bisher eindeutig verbiete. (dapd)

Facebook
 
Kommentare
03.08.2012
12:42
Heftiger Streit um Regierungspläne zur Sterbehilfe
von astor97 | #6

ist eigentlich die "Sterbehilfe"...die viele unserer Politiker für Deutschland leisten... straffrei? schönen Tag noch

02.08.2012
13:07
Heftiger Streit um Regierungspläne zur Sterbehilfe
von wohlzufrieden | #5

Unsere "Regierung" leistet doch gerade Sterbehilfe für Deutschland genug, oder ? Ironie aus.

02.08.2012
12:54
Heftiger Streit um Regierungspläne zur Sterbehilfe
von foxtrott | #4

Respekt.

02.08.2012
12:52
Heftiger Streit um Regierungspläne zur Sterbehilfe
von harrass | #3

Wenn das irgendwann mal für mich so weit ist lasse ich mich zum Tierarzt bringen.
Einen Hund kann ich bestimmt auch dann noch ganz passabel spielen....

02.08.2012
12:40
Heftiger Streit um Regierungspläne zur Sterbehilfe
von Mirage | #2

die Leutheusser-Schnarrenberger ist eine der ganz wenigen in ihrer Partei die noch bei klarem Verstand ist und dann auch noch zur Menschlichkeit fähig ist. Die wurde von Mammon und SC noch nicht so übel indoktriniert. Danke für Ihre stramme, Ihrem Gewissen geschuldete Haltung, Frau Leutheusser-Schnarrenberger.

02.08.2012
12:29
Heftiger Streit um Regierungspläne zur Sterbehilfe
von Black123 | #1

ein schritt in die richtige richtung...

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6940954/create

Umfrage
Die Innenminister fordern eine strengere Promillegrenze für Radfahrer. Derzeit liegt der Grenzwert bei 1,6 Promille. Wie finden Sie die Forderung der Innenminister?

Die Innenminister fordern eine strengere Promillegrenze für Radfahrer. Derzeit liegt der Grenzwert bei 1,6 Promille. Wie finden Sie die Forderung der Innenminister?

 
Fotos und Videos
Prinz Harry in den USA
Bildgalerie
Prinz-Besuch
Trauer um Margaret Thatcher
Bildgalerie
Begräbnis
Japan bringt Raketen in Stellung
Bildgalerie
Korea-Konflikt
Nackt-Protest bei Putin-Besuch
Bildgalerie
Femen
Aus dem Ressort
Türkische Bücher gefährden laut GEW Schulfrieden
Schulbücher
Die Diskussion über Sprach-Lehrbücher, die von türkischen Konsulaten verteilt werden, geht weiter. Die Lehrergewerkschaft GEW weitet ihre Kritik aus. Türkischer Elternverband hält die Buchreihe hingegen nicht für nationalistisch.
Polizisten schreiben Protestbrief gegen rot-grüne Sparpläne
Beamte
Der Protest nordrhein-westfälischer Beamter gegen Abstriche bei ihrer Besoldungsanpassung reißt nicht ab. Am Dienstag übergaben drei Polizeigewerkschaften NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) im Düsseldorfer Landtag über 19.000 Protest-Unterschriften.