Das aktuelle Wetter NRW 11°C
Griechenland

Griechen wählen: Europa bangt um den Euro

17.06.2012 | 19:46 Uhr
Antonis Samaras und seine konservativen Partei Nea Dimokratia liegen bei der Parlamentswahl in Griechenland vorne.Foto: afp

Athen/Berlin.   Griechenland hat am Sonntag seine Parlamentswahl wiederholt. Bekommt Athen jetzt endlich klare Verhältnisse? Zunächst gab es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Konservativen und der extremen Linken.

Begleitet von massiven Warnungen europäischer Spitzenpolitiker vor einer Aufkündigung des Sparkurses haben die Griechen gestern ein neues Parlament gewählt. Am frühen Abend zeichnete sich dabei ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Konservativen und der extremen Linken ab.

Laut Nachwahlbefragungen erhielt die konservative Neue Demokratie zwischen 27,5 und 30,5 Prozent der Stimmen. Das radikale Linksbündnis Syriza, das die Bedingungen für internationale Hilfen und den drastischen Sparkurs ablehnt, kam demnach auf 27 bis 30 Prozent. Die sozialistische Pasok erreichte zehn bis zwölf Prozent, wie fünf Meinungsforschungsinstitute mitteilten.

Merkel gab sich vor der Wahl kompromisslos

Video
Wenn er gewinnt, droht dem Pleitestaat Griechenland der Abschied aus der Eurozone – Alexis Tsipras, dem Anführer der linksradikalen Partei Syriza, kommt bei der Parlamentswahl in Griechenland am Sonntag eine Schlüsselrolle zu.

Das Votum galt als Referendum über den Verbleib des hoch verschuldeten Landes in der Euro-Zone. Zwar bekennen sich alle führenden Parteien zur Gemeinschaftswährung. Doch will die Syriza die internationalen Bedingungen für die Finanzhilfen neu aushandeln.

Noch kurz vor der Abstimmung hatte Kanzlerin Angela Merkel allerdings Lockerungen der Auflagen für die milliardenschweren Hilfszahlungen abermals abgelehnt. Es könne nicht sein, dass diejenigen, die sich nicht an Abmachungen hielten, jeden anderen „am Nasenring durch die Manege führen“, erklärte sie.

Zoellick kritisiert europäisches Krisenmanagement

Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker hielt den Griechen drastische Konsequenzen bei einem Austritt aus der Euro-Zone vor. Akteure der Finanzmärkte in der ganzen Welt fürchteten, dass von der Wahl Schockwellen mit unabsehbaren Folgen für die Konjunktur ausgelöst würden.

Ausschreitungen in Athen

Weltbankpräsident Robert Zoellick rügte am Wochenende das europäische Krisenmanagement scharf. „Europas Politiker handeln immer einen Tag zu spät und versprechen einen Euro zu wenig“, sagte er in einem Interview.

Gabriel fordert mehr Zeit für die Griechen

SPD-Chef Sigmar Gabriel forderte, den Griechen mit einer zeitlichen Streckung des Sparprogramms entgegenzukommen: „Die Inhalte sind richtig, aber es geht um mehr Zeit.“ Wie bei einer Medizin könne eine Überdosis auch bei Sparmaßnahmen tödlich wirken und eine Volkswirtschaft zum Zusammenbruch führen. Gabriel machte aber gleichzeitig klar, dass er die Festlegung der Kanzlerin unterstützt, eine Neuverhandlung der Programme mit den Griechen sei ausgeschlossen.

Gerd Höhler u. Christian Kerl



Kommentare
Aus dem Ressort
Sauerländer soll Hooligan-Demo in Berlin angemeldet haben
HoGeSa
Die Polizei befürchtet, dass sich die Bilder von der Hooligan-Randale am letzten Sonntag wiederholen: Für den 15. November ist in Berlin eine Demonstration "Gegen Salafisten, Islamisierung und Flüchtlingspolitik" angemeldet. Der Anmelder soll zum Hooligan-Umfeld gehören - und aus NRW kommen.
15.000 Ausländer sollen laut UN für den IS kämpfen
Terrormiliz
Die militärischen Erfolge des Islamischen Staates (IS) im Irak und in Syrien bescheren der Miliz nach Angaben der Vereinten Nationen einen nie dagewesenen Zulauf von Kämpfern aus dem Ausland. 15.000 Männer und Frauen sollen in den beiden Länder für die Terroristen kämpfen.
Präsident von Burkina Faso tritt nach Massenprotesten zurück
Demonstrationen
Nach tagelangen Massenprotesten im westafrikanischen Burkina Faso hat Präsident Blaise Compaoré sein Amt niedergelegt. Zunächst hatte er am Donnerstag lediglich angekündigt, auf eine weitere Amtszeit zu verzichten. Danach hatten sich am Freitag erneut Zehntausende aufgebrachte Menschen versammelt.
Drei Muslime aus dem Münsterland schließen sich dem IS an
Terrorgefahr
Wenigstens drei Muslime aus dem Münsterland sollen sich der Terrororganisation IS angeschlossen haben. Die jungen Männer wohnten in Ibbenbüren und waren anscheinend gut integriert. Der Kontakt zu den Männern ist abgebrochen. Muslimische Verbände und Vereine in Ibbenbüren zeigten sich schockiert.
Rüttgers als Zeuge: "Ministerpräsident baut keine Archive"
Landesarchiv
Ex-Ministerpräsident Rüttgers ist der letzte Zeuge im Untersuchungsausschuss des Landtags zum Millionenskandal „Landesarchiv“. Die Schuld an der Kostenexplosion weist er von sich: „Ein Ministerpräsident baut keine Archive“. Die Abgeordneten lässt er spüren, dass er in einer anderen Liga spielt.
Umfrage
Statt mit Aufkleber will Verkehrsminister Dobrindt die Pkw-Maut mit automatischer Nummernschild-Erkennung an den Autobahnen kontrollieren lassen. Was halten Sie davon?

Statt mit Aufkleber will Verkehrsminister Dobrindt die Pkw-Maut mit automatischer Nummernschild-Erkennung an den Autobahnen kontrollieren lassen. Was halten Sie davon?