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FDP und CSU

Futter für den Kettenhund

07.02.2010 | 14:48 Uhr
Futter für den Kettenhund

Berlin. Für Hort Seehofer ist er der wichte Mann fürs Grobe, für die FDP ist er kaum noch erträglich: CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt attackiert mit Vorliebe den kleinen Koalitionspartner. Außenminisster und Vizekanzler Westerwelle fordert bislang ohne Erfolg ein Ende der Angriffe.

Normalerweise ist die Forderung nach besseren Umgangsformen in der Politik eine, die unter Gegnern ausgetauscht wird. Wenn sich eine Oppositionspartei bei der Kritik an den Hervorbringungen der Regierung unter andererleuts Gürtellinie vergreift, ruft man regelmäßig nach Anstand und Moral. Normales Geschäft in Berlin, keine Nachricht wert. Als Guido Westerwelle gestern via Medien bessere Umgangsformen einforderte, lagen die Dinge anders. Der FDP-Chef adressiert seine Bitte, die im Gewand einer Drohung daherkommt („Ich kann auch anders....“ - wie anders, blieb einstweilen offen), an die CSU. An einen Partner also, der in der Regierung Merkel mit am Koalitionstisch sitzt.

Bizarre Leidenschaft

Das ist nicht normales Geschäft in Berlin. Und hat Gründe, die am späten Sonntagabend auf der Krisensitzung gewiss zur Sprache kommen sollte. Dort scharrte sich die wegen dramatischer Sympathieverluste zutiefst verunsicherte FDP um Vormann Westerwelle zusammen, um nach Rezepten für eine baldige Gesundung suchte.

Wenig hilfreich für eine Stabilisierung des blau-gelben Immunsystems, da ist man sich in der FDP einig, ist die Tatsache, dass die bayerische Schwesterpartei der CDU einer bizarren Leidenschaft frönt: Liberale piesacken. Für dieses Ressort zeichnet in der CSU ein meist freundlich lächelnder Diplom-Soziologe aus dem oberbayerischen Peißberg verantwortlich. Alexander Dobrindt nimmt die Arbeitsplatzbeschreibung eines Generalsekretärs nach sehr traditionellem Verständnis wahr. Erst zuschlagen, dann nachdenken. Die „Taliban-Abwrackprämie“, mit der Dobrindt die Afghanistan-Politik der gesamten Bundesregierung verhohnepipelte und selbst Parteifreund Guttenberg auf die inneren Golan-Höhen brachte, ist dafür ein Beispiel. Seit Ende der Koalitionsverhandlungen lässt Dobrindt keine Gelegenheit aus, liberale Minister zu zausen. Steht im Koalitionsvertrag A, liest Dobrindt B. Hauptsache, die FDP jault auf. Wirtschaftsminister Brüderle, Gesundheitsminister Rösler, selbst Außenminister Westerwelle hat es von dem 40-Jährigen schon so derbe abbekommen, dass man sich fragt, ob das Duz-Verhältnis zwischen „Horst“ (Seehofer) und „Guido“ (Westerwelle) noch lange Bestand haben kann. Zumal Dobrindt nicht auf eigene Rechnung holzt, sondern exekutiert, was der große Vorsitzende vorgibt. Auf liberaler Seite hat man dem lange zugesehen und es dann mit dezenten Zurückweisungen versucht: „Nicht relevant“, nannte die FDP-Fraktionsvorsitzende Birgit Homburger Dobrindt und glaubte das Feuer ausgetreten zu haben. Pustekuchen. Dobrindt ist mehrfacher Schützenkönig in seinem Ort. Er legt es weiter darauf an, die FDP zu triezen.

Die Lieblingszielscheibe

Liebste Zielscheibe ist ihm Gesundheitsminister Rösler. Auf dessen Kopfpauschale muss Dobrindt ein Kopfgeld ausgelobt haben; so unerbittlich schießt er auf den Schlüsselbegriff liberaler Gesundheitspolitik. Dass selbst CSU-Leute mosern, Dobrindt Liberalen-Bashing trage neurotische Züge , ficht den Parteisoldaten nicht an. Westerwelles Klageruf im „Spiegel“ liest sich darum wie die dringende Bitte von „Guido“ an „Horst“, den Kettenhund in den Zwinger zu sperren. Einen Maulkorb wird Seehofer seinem „Hauptmann Attacke“ aber nicht umhängen. Er braucht ihn.

Dirk Hauptkapp

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Kommentare
07.02.2010
15:17
Futter für den Kettenhund
von kuba4711 | #1

Liebe Moderation: Was ist ein wichte Mann fürs Grobe?
Scheint offenbar : der wichtigste Mann ...gemeint zu sein!

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