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Schuldenkrise

Anleger enttäuscht von EZB-Maßnahmen zur Euro-Rettung

02.08.2012 | 14:58 Uhr
Anleger enttäuscht von EZB-Maßnahmen zur Euro-Rettung
Die Europäische Zentralbank will offenbar wieder Staatsanleihen kaufenFoto: dapd

Brüssel.  Die Europäische Zentralbank mischt weiter kräftig in der Schuldenkrise mit: Das Institut sei grundsätzlich bereit, weitere Staatsanleihen angeschlagener Euro-Staaten zu kaufen, sagte EZB-Chef Mario Draghi. Die Anleger sind trotzdem enttäuscht.

Die Europäische Zentralbank (EZB) springt den Politikern im Kampf gegen die Euro-Krise stärker als bisher bei. Das kündigte EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt an. In den nächsten Wochen prüfen die Währungshüter, wie das geschehen soll. „Der Euro ist unumkehrbar“, bekräftigte Draghi. Die EZB werde alles tun, um den Euro zu erhalten.

Möglich sei, dass die EZB erneut Schuldverschreibungen klammer Euro-Länder kaufe, sagte Draghi. Die EZB würde das aber nur erwägen, falls der Euro-Rettungsfonds Staatsanleihen kaufe. In Deutschland ist der EZB-Kauf von Anleihen umstritten. Laut Draghi äußerte Bundesbank-Chef Jens Weidmann auch bei der jüngsten EZB-Sitzung Bedenken.

Rettungsfonds kann auf Antrag eines Euro-Staats Schuldverschreibungen kaufen

Ein Euro-Staat muss beantragen, dass der Rettungsfonds seine Schuldverschreibungen kauft. Als Gegenleistung muss der Staat Reform- oder Spar-Versprechen machen. Bisher stellte kein Land einen solchen Antrag. Der Sorgenstaat Spanien gilt jedoch als Antrags-Kandidat.

An Europas Börsen machte sich Enttäuschung breit. Anleger hatten gehofft, dass Draghi bereits konkrete Schritte ankündigt, wie die politisch unabhängige EZB ihren Krisenkampf verstärkt.

EZB-Chef Draghi ermahnt die Politik

Draghi selbst hatte diese Spekulationen genährt. Vorige Woche hatte er gesagt: „Die EZB ist bereit, alles zu tun, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir, es wird genug sein.“

Nun ermahnte der EZB-Chef die Politiker, ihren Teil dazu leisten, um die seit mehr als zwei Jahren grassierende Krise zu beseitigen. „Die EZB kann die Arbeit von Regierungen nicht ersetzen“, sagte Draghi. Es sei Aufgabe der Politiker, die Staatshaushalte zu sanieren.

Euro-Rettungsfonds soll keine Bank-Lizenz erhalten

Eine Absage erteilte Draghi denjenigen, die sich eine Bank-Lizenz für den künftigen dauerhaften Euro-Rettungsfonds wünschen. So wie der Nottopf gegenwärtig geplant sei, könne die EZB ihn nicht als „angemessenen Geschäftspartner“ ansehen.

Seit einigen Monaten kursiert in Europa die Idee, dass die Staaten den neuen Rettungsfonds mit einer Bank-Lizenz ausstatten könnten. Dann könnte er sich wie eine Bank an die EZB wenden, um bei ihr Geld zu borgen. Deutschland ist dagegen. Die Euro-Sorgenstaaten Italien, Spanien, aber auch  Frankreich würden den Rettungsfonds dagegen gern mit so einer Lizenz versehen, um seine „Feuerkraft“ zu verstärken.

Leitzins bleibt auf Rekord-Tief

 Eine konkrete Entscheidung traf die EZB: Sie lässt ihren Leitzins auf seinem Rekord-Tief. Damit können sich Banken weiterhin günstig wie nie Geld bei der EZB borgen – zum Zinssatz von 0,75 Prozent. Vor einem Monat hatte die EZB ihren Leitzins in einen als historischen gewerteten Schritt auf dieses Niveau gesenkt.

Die EZB Zentralbank zahlt zudem Banken weiterhin keine Zinsen, wenn diese bei ihr kurzfristig Geld anlegen, statt es anderen Banken, Unternehmen oder Verbrauchern zu leihen. Das soll die Branche dazu bringen, wieder mehr Kredite zu gewähren.

Sabine Brendel



Kommentare
04.08.2012
17:52
Anleger enttäuscht von EZB-Maßnahmen zur Euro-Rettung
von Rally8 | #39

... und da empfielt sich in der heutigen Situation doch die bekannte Euro-Lösung, die kürzlich nicht nur von Herrn Henkel vorgetragen wurde:
Der Zusammenschluß Europa"s, insbesondere der Euro-Zone kann ohne Gesichtsverlust einzelner Länder vermieden werden, wenn eine weitere Zone der "sparsamen Länder" mit eigener Währung mit (oder ohne) Zustimmung aller EU-Mitglieder sich bilden würde!
Dieses hat den Vorteil des Wettbewerbs mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, bei Anerkennung der jeweiligen Leistung!
Fachleute müssen anerkennen und berechnen, daß somit, bei minimaler Vernichtung von Werten, ein Ausgleich der Währungsziele möglich ist!
Selbst ein späterer Wechsel in eine andere Euro-Zone ist dem gerellen Austritt vorzuziehen!
Es scheint ja, daß man nur so dem Temperament zur Schuldenbereitschaft beikommt und muß nicht dem jeweiligen Land etwas vorschreiben! Es regelt sich dann automatisch, auch das Ende!
Aber soweit muß es ja nicht kommen!

04.08.2012
17:12
Anleger enttäuscht von EZB-Maßnahmen zur Euro-Rettung
von tomatenkiller_neo | #38

Hallo Nullrunde,

lassen Sie sein, es bringt nicht, gegen diese Betonköpfe anzuschreiben.
Sowohl kuba als auch hugo haben Allwissen gepachtet, da kommt man nicht
gegen an. Warum diese Trolls aber noch nicht den Nobelpreis für Wirtschaft
haben, weiss nur der Liebe Gott allein.

04.08.2012
15:56
Anleger enttäuscht von EZB-Maßnahmen zur Euro-Rettung
von Politclown | #37

Was Sparversprechen taugen, hat doch Griechenland eindeutig unter Beweis gestellt.

Was kommt als Nächstes? Ein Euro-Rettungsschirm ohne Limit als Selbstbedienungsladen für europäische Dauerkrisenländer ohne Reform- und Sparwillen? Wer das ganze finanziert, steht ja wohl außer Frage. Und Deutschland läßt sich immer weiter in die Ecke der Erpressbarkeit drängen. Man kann die Krisenstaaten mit noch so viel frischem uns billigem Geld versorgen. An deren Situation wird sich auch mit Sparen nichts ändern, da die Gründe für die Wirtschafts- und Finanzkrise in diesen Ländern ganz woanders zu suchen sind.

Länder, in denen mit Einführung des Euro die Löhne überproportional angestiegen sind, sich die Wirtschaftsgüter immens verteuert haben, Immobilien überbewertet wurden, und nicht gleichzeitig auch die Produktivität erhöhen konnten, werden weiterhin nicht wettbewerbsfähig, und dauerhaft auf Hilfe angewiesen sein.

Das kommt dabei raus, wenn ein (ital.) Bock zum Gärtner gemacht wurde.

1 Antwort
Anleger enttäuscht von EZB-Maßnahmen zur Euro-Rettung
von Rally8 | #37-1

"Man kann die Krisenstaaten mit noch so viel frischem uns billigem Geld versorgen."

Der Schuldendruck der betroffenen Euro-Länder wird so groß sein, daß sie nur kurzfristige Lösungen akzeptieren. Dabei wollen sie ihre Verschwendung nicht anerkennen und die neuen Schulden bei niedrigen Zinsen durch die EZB aufnehmen. Die Hilfe der niedrigen Zinsen sind auch nicht alleine entscheidend, sondern die weiteren, ausufernden, neuen Schulden werden sie nicht zur Sparsamkeit umkehren lassen, ganz im Gegenteil!
Da sind sich Länder mit gleichen Interessen sehr einig und in der Mehrzahl!
Umkehr ausgeschlossen!

03.08.2012
20:16
Anleger enttäuscht von EZB-Maßnahmen zur Euro-Rettung
von Hugo60 | #36

nullrunde

Können Sie nicht lesen? Und können Sie nicht Ihrem eigenen Kontext folgen?

"der EURO hat seit Einführung bis heute zum US Dollar um 30% aufgewertet. "

Das heißt , der US-Dollar hat imVerhältnis zum Euro an Wert verloren.

Sie sind wirklich verwirrt!

03.08.2012
16:47
Anleger enttäuscht von EZB-Maßnahmen zur Euro-Rettung
von nullrunde | #35

Hugo 60

Der Euro soll zum US $ um 30 % aufgewertet haben - das finde ich drollig.
Jedes Kind weiß über den Wertverfall des US Dollar Bescheid.
Nur dadurch dass die Ölscheichs den Dollar als Bezahlung akzeptieren oder
Die Waffentechnologie der USA in Dollar bezahlt werden muß , hat er überhaupt noch einen gewissen Wert.

Aber rein statistisch haben Sie natürlich wieder Recht.

03.08.2012
13:45
Anleger enttäuscht von EZB-Maßnahmen zur Euro-Rettung
von Hugo60 | #34

Ach, Herr unwitz

Hat es Kuba nicht ausdrücklich erklärt?

Inflation entsteht bei unausgelasteten Produktionskapazitäten überhaupt gar nicht.
Und überhauüt: Keynesianismus ist nicht einfach nur "Nachfragetheorie".

Anderersseits ihr Neoliberalismus stützt sich auf simple "Angebotstheorie".
Und die ist so dämlich, dass einem schlecht werden könnte vor dem Hintergrund
echter keynesianischer Theorie.

03.08.2012
13:29
Anleger enttäuscht von EZB-Maßnahmen zur Euro-Rettung
von Hugo60 | #33

nullrunde

Habe sie nicht vorher behauptet, dass die Aufwertung einer nationalen Währung eine 100%ige der Kaufkraft bescheren würde?


Interessant auch: der Euro hat seit Einführung bis heute zum US Dollar um 30% aufgewertet.
Ist alles billiger geworden`?

03.08.2012
12:51
Anleger enttäuscht von EZB-Maßnahmen zur Euro-Rettung
von Hugo60 | #32

Herr unwitz sollte den Kontext beachten. Wenn behauptet wird, dass die DM "stabiler" gewesen sei,und man mit den höheren Inflationsraten der DM den Gegenbeweis antritt, dann ist es vollkommen unerheblich, wodurch die höhere Inflation der DM entstanden ist. Fakt ist: die DM hatte durchschnittlich höhere Inflationraten als der Euro.

Das Problem des Herrn unwitz ist sein vollkommen gegenteiliges Interesse gegenüber der Mehrheit der Bevölkerung.
Sein geliebter Neoliberalismus ist die Ideologie der Reichen, die glauben, durch
Kleinhalten der arbeitenden Bevölkerung sich ganz besonders große Stücke am erwirtschafteten "Kuchen" nehmen zu können.
Im Endeffekt allerdings bleibt die Produktion hinter dem zurück, was mit einer vernünftigen iedologiefreien Wirtschafts- und Finanzpolitik möglich wäre.

Wie kuba ausführlich darlegt: der Lebensstd. der breiten Masse geht permanent zurück.

Ziel der Neolibs ist der Zustand vor dem 1. Weltkrieg, wo Unterernährung, und Ausbeutung alltäglich waren.

03.08.2012
12:43
Anleger enttäuscht von EZB-Maßnahmen zur Euro-Rettung
von unwitz | #31

Um noch mal auf die Inflationsgefahr zurück zu kommen:

Der "Plan" unserer Fans der "Notenpresse" dürfte wohl - kurz skizziert - so aussehen:
mit "frischem Geld" die Krisenländer entlasten, damit diese ihre Sparpolitik aufgeben können und die Nachfrage "ankurbeln" können.

Aus den genannten Gründen dürfte die Kosten dieser Strategie in einer höheren Inflation (auch bei uns) liegen, was dann auch eine Umverteilung von Nord nach Süd beinhalten würde.

Das Problem ist einfach, dass die Südstaaten eigentlich nicht in die Eurozone gehören. Transfers - in welcher Form auch immer - werden in dieser missratenen Währungsunion noch sehr lange notwendig sein und die wirtschaftliche Position Europas insgesamt schwächen.

03.08.2012
12:27
Was ist der Sinn von Wirtschaftspolitik?
von kuba4711 | #30

Etwa eine starke Währung?
Egal ,ob sie D-Mark oder Euro heisst?
Wer so denkt ,der ist Chef-Ideologe einer bestimmten ,sich als schädlich für den Lebensstandard der Menschen herausgestellten Ideologie :
Nämlich dem sog. Neoliberalismus!
Der Sinn einer Wirtschaftspolitik hat es zu sein ,dass der Lebensstandard der Menschen in der Breite gewährleistet ist und mit dem Produktivitäts-Zuwachs in der Gesellschaft steigt.
Und dies natürlich nachhaltig.
Während der Lebensstandard der arbeitenden Menschen in den 70 iger Jahren des letzten Jahrhunderts wuchs ,sinkt dieser Lebensstandard in den aktuellen Jahren in Permanenz.
Warum?
Sind die Menschen fauler oder haben wir etwa geringere Produktionskapazitäten als in der Vergangenheit?
Natürlich nicht.
Die durch die neoliberalen Ideologen seit den 70 igern rigoros durchgeführte Umverteilung von Unten nach Oben ist der Grund.
Inzwischen hetzt man nicht mehr nur zwischen den Bevölkerungsgruppen ,man hetzt die Staaten gegeneinander.

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