Das aktuelle Wetter NRW 14°C
ZDF

„Wilsberg“ feiert die 70er-Jahre - schon seit 18 Jahren

25.01.2013 | 13:45 Uhr
„Wilsberg“ feiert die 70er-Jahre - schon seit 18 Jahren
Ekki (Oliver Korittke, re.) und Wilsberg (Leonard Lansink) verfolgen die Entführer von Alex.Foto: ZDF/Thomas Kost

Mainz/Münster.  Die ZDF-Krimireihe „Wilsberg“ ist unverwüstlich – auch nach 18 Jahren. Der Fahnder aus Münster und seine Fälle sind mit ihrem 70er-Jahre-Charme wiedererkennbar. Obendrein ist die neue Folge, die Samstag um 20.15 Uhr im ZDF läuft, ungewöhnlich gut - mit frischen Dialogen in staubigen Szenarien.

Klammheimlich steuert „Wilsberg“ (Samstag, ZDF, 20.15 Uhr) auf das 18-jährige Jubiläum zu. Kein Wunder bei Marktanteilen von überragenden 18 Prozent. Dass junge wie alte Zuschauer der Krimi-Reihe aus Münster treu bleiben, hat einen einfachen Grund: Sie blieb, trotz wachsender Austauschbarkeit der Fernsehfahnder, wiedererkennbar. Kein anderer Krimi zelebriert derart lustvoll den Retro-Kult der Trödlerwelt. Und obendrein ist die Reihe mit Hauptdarsteller Leonard Lansink gesegnet. Wilsberg überzeugt als alte Garde des Antiquariats ebenso wie als zerknitterter Vorstadt-Colombo.

Regisseur Dominic Müller und sein Drehbuch-Autor Eckehard Ziedrich starten die Episode „Die Entführung“ mit einem Exkurs über Steuer-Ehrlichkeit. Wilsberg braucht die Hilfe seines Finanzamt-Freundes Ekki Talkötter (Oliver Korritke wie immer als Lansinks kongenialer Fernsehpartner). Während der Steuer-Mann in bester Beamtentradition für penible Angaben plädiert, sinniert Wilsberg feinsinnig über den Unterschied zwischen kreativer Abrechnung und krimineller Raffgier – hübsche Grautöne statt platter Schwarz-Weiß-Malerei.

Der Unterschied zwischen kreativer Abrechnung und krimineller Gier

Die eigentliche Geschichte, völlig konstruiert, aber konsequent erzählt, wird durch den gewaltsamen Tod eines schmierigen Mandanten von Wilsbergs Patenkind, Anwältin Alex (Ina Paule Klink), in Bewegung gesetzt. Die einzige Spur ist eine Inka-Figur, die Wilsberg dummerweise an einen Trödler verhökert. Kompliziert wird der Fall auch dadurch, dass Alex als einzige Zeugin des unfreiwilligen Todesschusses entführt wird.

Lesen Sie auch
Wilsberg und die Regionalkrimis ohne Provinzmief

Ein neuer Krimi-Band von Jürgen Kehrer, dem geistigen Vater des brummeligen Privatdetektives („Wilsbergs Welt“) liegt vor. Und auch der Herner Jan Zweyer („Töwerland brennt“) und das Niederrhein-Trio Leenders/Bay/Leenders („Grenzgänger“) schicken ihre Ermittler wieder ins mörderische Geschäft.

Die Ermittlungen führen Wilsberg in „Dianas Bar“. Episoden-Star Sabine Orleans führt den Schuppen mit der einsilbigen Melancholie einer ungeliebten Frau, die perfekt zur trostlosen Trödel-Einrichtung der Kaschemme passt, in denen die 70er-Jahre nicht vergehen wollen. Dass in diesem nahezu lichtlosen Laden nur traurige Vögel wie das kriminelle Trottel-Duo Grabowski (Alexander Schubert) und Russ (Michael Schenk) verkehren, wundert wenig.

Überhaupt feiert das Wilsberg-Ensemble den gestrigen Charme von Haushaltsauflösungen. In Wilsbergs Antiquariat steht ein Telefon mit Wählscheibe, Talkötters Alfa Romeo und der TÜV müssen natürliche Feinde sein, und bei Wilsbergs befreundetem Trödler kommt ein Notruf der entführten Alex aus einem Röhrenradio, das noch Polizeifunk empfangen kann.

Je staubiger das Szenario, desto frischer müssen die Dialoge sein

Wenn das Szenario derart viel Staub atmet, müssen die Dialoge umso frischer sein. Tatsächlich gelingen Drehbuchautor Ziedrich Wortwechsel, die geschickt auf schmalen Grat zwischen purem Klamauk und trockenem Witz balancieren.

Natürlich bedient die liebenswert anarchische Reihe mit Overbeck (Roland Jankowsky) auch das klassische Comedy-Element als Fahnder, der, wie immer, dümmer ist, als die Polizei erlaubt. Er verliert nach einem Maskenball seinen Wohnungsschlüssel. Deshalb stolpert Overbeck als schwarzer Sheriff verkleidet durch die gesamte Folge. Natürlich ist die Anspielung an die Disco-Combo Village People gewollt. Autor Ziedrich spielt geschickt mit diesem Retro-Gag – bis zur gelungenen Schluss-Pointe.

Jürgen Overkott



Kommentare
Aus dem Ressort
Rauch an Bord - ICE der Bahn in Montabaur geräumt
Bahn
Die Bahn und ihre Klimaanlagen in den Zügen - eine unendliche Geschichte. Am Donnerstag kam es auf der ICE-Strecke zwischen Köln und Frankfurt zu erheblichen Störungen. Ein ICE musste geräumt werden. Weil es plötzlich stark qualmte.
Japanerinnen werden weltweit am ältesten
Lebenserwartung
Japaner haben laut Statistik die weltweit höchste Lebenserwartung. Das zeigen Zahlen des japanischen Gesundheitsministerium, aber auch der Weltgesundheitsorganisation - zumindest bei Frauen. Männer liegen in punkto Lebenserwartung um sechs Jahre zurück. Die Ältesten finden sich ebenfalls in Asien.
Drei Lottospieler tippen sechs Richtige mit Fünfer-Reihe
Lotto
Das hat es erst zum zweiten Mal gegeben: Die Lotto-Ziehung am Mittwoch brachte einen kuriosen Zahlenmix - eine Fünfer-Zahlenreihe. Zum ganz großen Gewinn fehlte den drei Tippern allerdings die richtige Superzahl.
Verdächtiger nach Anwaltskanzleien-Amoklauf vor Gericht
Amoklauf
Fünf Monate nach einem tödlichen Amoklauf in zwei Anwaltskanzleien im Rheinland beginnt am heutigen Donnerstag der Prozess gegen den Angeklagten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 48-jährigen Familienvater dreifachen Mord sowie drei Mordversuche vor.
Wenn Männer wegen Currywürsten weinen - Mutproben in Berlin
Currywurst
Frank Spieß serviert Schmerzen auf weißen Papptellern. In seiner Imbissbude im Berliner Stadtteil Wedding bringt er höllisch scharfe Currywürste an den Mann. Rund um die dunkelroten Soßen entstehen Mutproben und Wettkämpfe. Die Würste sind so scharf, dass ein Krankenwagen bereitsteht.
Umfrage
Die Bundesregierung erwägt, Arzttermine zentral zu vergeben , um lange Wartezeiten zu verhindern. Eine gute Idee?

Die Bundesregierung erwägt, Arzttermine zentral zu vergeben , um lange Wartezeiten zu verhindern. Eine gute Idee?