Das aktuelle Wetter NRW 15°C
Olympia

Skulptur "Orbit" im Olympischen Park erntet nur Spott

14.05.2012 | 18:04 Uhr
Skulptur "Orbit" im Olympischen Park erntet nur Spott
Höher als „Big Ben“ und St. Paul’s, aber viel weniger beliebt – Londons neuer Stahlriese „Orbit“.Foto: ap

London.   Seit dem Wochenende thront eine riesige Skulptur über dem Olympischen Park. Londoner beschimpfen den Stahlriesen als „Schandfleck" und "Godzilla der Kunst". Die 115 Meter hohe, loopingschlagende Doppelhelix soll eine Touristenattraktion während und nach Olympia sein.

Eine Art "Eiffel Tower", einen Eiffelturm, hat Künstler Anish Kapoor den Hauptstädtern versprochen - einen „Awful Tower“, einen "grässlichen Turm“, haben sie bekommen: Seit dem Wochenende thront die größte Skulptur des Königreiches über dem Olympischen Park . Doch statt Liebe auf den ersten Blick hagelt es für die feuerrote, geschwungene Stahlleiter nur Kritik: Als Mutanten-Posaune, Wahnsinniger Boris oder Schielender Holterdiepolter verspotten die Briten ihr neues Wahrzeichen.

Aus zehn Kilometern Entfernung ist die kapriziöse Spirale aus Stahl seit kurzem zu sehen, und für die Londoner ist genau das ein Problem: Sie beschimpfen den Neuzugang in der städtischen Skyline als Schandfleck, „Godzilla der Kunst“ oder „prätentiösen Schrott“. Dabei soll ihnen „Orbit“ als Touristenattraktion jede Menge Einnahmen bescheren. Ende Juli öffnet die Aussichtsplattform der 115 Meter hohen, loopingschlagenden Doppelhelix fürs Olympia-Publikum. Nach den Olympischen Spielen soll sie – für alle zugänglich – Mittelpunkt des Sportlerparks werden.

Ob der Blick auf „Orbit“ bis dahin milder wird, bleibt abzuwarten. Künstler Anish Kapoor und Ingenieur Cecil Balmond jedenfalls arbeiten daran, die Sehgewohnheiten der Briten zu erweitern. Er habe bei der Konzeption des Looping-Turms an den Turmbau zu Babel gedacht, erklärte ihnen Turner-Preisträger Kapoor jüngst - an den „Bau des Unmöglichen, an etwas von mythischer Qualität“. Das Design musste er zwar von geplanten 180 Metern nach unten korrigieren, doch Big Ben und die Freiheitsstatue überragt „Orbit“ auch so spielerisch.

Auf der Herrentoilette besiegelt

Für die ohnehin Olympia-kritischen Ostlondoner hat Orbit allerdings schon einen Fehlstart hingelegt, als er noch pure Idee war: Der Legende nach will Bürgermeister Boris Johnson dem Stahl-Milliardär Lakshmi Mittal das Projekt 2009 auf der Herrentoilette des Weltwirtschaftsforums in Davos vorgeschlagen haben. Der soll gleich dort begeistert zugesagt haben. 20 der 23 Millionen Pfund Gesamtkosten hat Mittal seitdem finanziert; der Imagegewinn für seinen Stahlkonzern dürfte im Gegenzug unbezahlbar sein.

Dass sich hier womöglich zwei Männer per Handschlag im sanitären „Hinterzimmer“ selbst ein Denkmal setzen wollten, ist nur einer von vielen Kritikpunkten. Dass die radikal anmutende Struktur „auf die Leute, die hier leben, herunterschaut“ ein anderer.

„Sie steht für nichts“, meckert ein Kritiker, „sie sagt nichts aus über dieses Viertel.“ Ein Kleinkunstprojekt, bei dem zurzeit jeder Interessierte eine Woche lang eine Granit-Skulptur der Künstlerin Amalia Pica bei sich zu Hause ausstellen darf, bevor er sie dem nächsten Gastgeber überreicht, würde die Menschen im Viertel mehr inspirieren. Nur wenige sehen in dem Unangepasstsein der feuerroten Helix über dem Straßengrau der Backsteinbauten keine Arroganz.

Auch St. Paul’s war umstritten

Kapoor und Balmond bleibt angesichts der Kritik nichts anderes übrig als stoischer Optimismus: Auch die beliebte Kathedrale St. Paul’s sei am Anfang verhasst gewesen, weil sie entgegen des Zeitgeistes keine Turmspitze hatte, sagen sie, der Eiffel-Turm soll gar als extrem hässlich empfunden worden sein. „Natürlich polarisiert auch diese Skulptur“, so Kapoor. Die Skulptur verweigert sich, ein Emblem für irgendetwas sein zu müssen.“ Das müssen jetzt nur noch die Londoner verstehen.

Jasmin Fischer



Kommentare
15.05.2012
16:23
Skulptur
von dummmberger | #4

In Paris erzählt man sich, dass nur deshalb soviele Menschen auf den Eiffelturm klettern, weil das der einzige Ort ist, von dem aus man dieses hässliche Ding nicht sehen kann.

15.05.2012
10:04
Skulptur
von msdong71 | #3

eigentlich nicht schlecht, die Plattform ist ein bisschen hässlich genau so wie die, sich windende, Treppenverkleidung. auf den Computer Bildern sieht die deutlich transparenter aus.
abe rja, es ist ein stahlmonster :D
so wie hier:
http://img.ibtimes.com/www/data/images/full/2011/07/06/125436-anish-kapoors-orbit.jpg

15.05.2012
09:19
Skulptur
von mBeierl | #2

In Paris wurde der Eiffelturm auch erst als Schandfleck beschimpft...

15.05.2012
08:32
Skulptur
von simonedubray | #1

Da stimmt aber etwas nicht.

Ich war vor vier Wochen in London. Da konnte man diese Skulptur hervorragend von der Sternwarte in Greenwich sehen. Ich habe mich damals schon gefragt, was das sein soll?

Ob das nun schön ist, oder nicht, ist eine andere Frage.

Aus dem Ressort
Betrunken vor Baum gefahren - 17.100 Euro Strafe für Asamoah
Unfall
Weil er sich betrunken ans Steuer gesetzt und einen Unfall gebaut hat, muss Fußballprofi Gerald Asamoah 17.100 Euro Geldstrafe zahlen. Das hat am Donnerstag das Amtsgericht Ratingen entschieden. Der Ex-Nationalspieler muss außerdem weitere sieben Monate auf seinen Führerschein verzichten.
Brittany Maynard erfüllt sich noch einen Wunsch
Sterbehilfedrama
Brittany Maynard facht die Sterbehilfe-Debatte in den USA neu an. Für Anfang November plant die junge und todkranke Frau ihren Suizid mit Medikamenten. Zuvor erfüllt sie sich noch einen großen Wunsch - mit dem, was sie am meisten liebe: "Familie und Natur".
Mehr als zehn Jahre Haft für den Autobahnschützen
Prozess
Bis zu 171 Schüsse auf andere Fahrzeuge, dabei vier Fälle des versuchten Mordes: Am Donnerstag ist das Urteil gegen den so genannten Autobahnschützen aus der Eifel gesprochen worden. Die Verteidiger des 58-Jährigen wollen wegen der massenhaften Erfassung von Kennzeichen in Revision gehen.
Vermisstenzahl nach Erdrutsch in Sri Lanka steigt auf 192
Katastrophe
Mit Baggern wühlen sich die Helfer in Sri Lanka durch die Erdmassen. Noch 192 Menschen könnten nach dem Erdrutsch darunter verschüttet sein. Die Überlebenden kommen in zwei Schulen unter - viele haben alles verloren.
Der letzte Hobbit-Film feiert am 1. Dezember Premiere
Mittelerde
Die zweite Trilogie geht zu Ende: Am 1. Dezember startet der dritte Hobbit-Film des Regisseurs Peter Jackson in den Kinos. Eine kleine Vorschau haben die Schauspieler nun auf Facebook gegeben. Die ersten drei "Herr der Ringe"-Filme gelten als kommerziell erfolgreichste Filmtrilogie aller Zeiten.
Umfrage
Samstag ist Feiertag, die Geschäfte haben geschlossen - dafür sind am Sonntag in vielen Städten die Geschäfte geöffnet . Was halten Sie von verkaufsoffenen Sonntagen?

Samstag ist Feiertag, die Geschäfte haben geschlossen - dafür sind am Sonntag in vielen Städten die Geschäfte geöffnet. Was halten Sie von verkaufsoffenen Sonntagen?