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Nervengift in Cockpit und Kabine

26.03.2009 | 13:06 Uhr

Hagen. Es liegt etwas in der Luft in Flugzeugkabinen: Immer wieder lassen sich dort giftige Rückstände von erhitztem Öl nachweisen, die sogar im Verdacht stehen, Piloten manövrierunfähig zu machen.

Nicht immer ist die Luft an Bord der Flugzeuge so rein wie auf diesem Bild: Bei Störfällen können giftige Ölrückstände in die Kabine gelangen. Foto: ddp

Bei der Landung beginnt der Kapitän zu zittern. Er hat Ausfallerscheinungen. Vermutlich ein Infarkt. Doch nachdem der Copilot die Maschine sicher aufgesetzt hat, können Ärzte am Herzen nichts feststellen.

Giftige Dämpfe im Cockpit stehen laut Joachim Müller von der Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO im Verdacht, die Ursache zu sein. Immer häufiger erzählt ihm das Kabinenpersonal derzeit seine Geschichten: eine Fehlgeburt an Bord. Fälle von Fluguntauglichkeit. Angeblich ausgelöst durch das Nervengift Trikresylphosphat (TCP) in der Luft von Kabine und Cockpit.

Zittern und Schwindel

Bei modernen Flugzeugen wird die Atemluft vom Triebwerk abgezapft und in Kabine und Cockpit geleitet. Bei Störfällen kann es dazu kommen, dass die Luft durch Ölrückstände verunreinigt wird. Und von diesen Gasen nimmt man an, dass sie das „aerotoxische Syndrom” auslösen: Ermüdung, Zittern, Schwindel, Kopfschmerzen, Kurzatmigkeit, Erbrechen gelten als Symptome - wie bei vielen anderen Krankheiten auch. Manchmal treten die Anzeichen sofort auf, manchmal offenbar erst Tage oder Wochen nach dem Flug.

Seit 2004 hat das Luftfahrt-Bundesamt 156 Vorfälle erfasst, bei denen die Besatzung durch Rauch und Geruch an Bord beinträchtigt gewesen ist. Insgesamt gingen bei der Behörde 3620 Störmeldungen ein. Bei der Lufthansa schätzt man, dass bei 2000 Starts ein TCP-Störfall auftritt.

Gemeinsame Recherchen des Fernsehmagazins Plusminus sowie des Schweizer Fernsehens allerdings lassen vermuten, dass das Nervengift häufiger an Bord auftritt. Wischproben an Wänden, Teppichen und Lüftungsschlitzen verschiedener Flugzeugtypen haben Plusminus zufolge in 28 von 30 Fällen „sehr hohe Anteile” von Trikresylphophat ergeben.

„Das kostet Geld”

Doch wie gefährlich das erhitzte TCP tatsächlich für den Menschen ist, ob es wirklich hinter den eher unspezifischen Symptomen steckt, ist nicht gründlich erforscht. Mit modernen Methoden ließen sich Stoffe in sehr niedrigen Konzentrationen nachweisen. Deshalb müsse nicht unbedingt ein toxikologisches Risiko bestehen, gibt der Pharmakologe Ralf Stahlmann von der Charite´ in Berlin zu Bedenken.

Die Pilotenvereinigung Cockpit lässt nun selbst wissenschaftlich überprüfen, ob das TCP die Gesundheit der Crew und die Sicherheit der Passagiere gefährdet. Die Gewerkschaft wirft Flugesellschaften und Herstellern vor, das Thema unter der Decke zu halten.

Bei der Lufthansa hingegen beteuert man, die Angst vor einer Gesundheitsgefahr sehr ernst zu nehmen. Allerdings würden solche Störfälle bei der Fluggesellschaft höchst selten auftreten. Einzige Ausnahme sei aufgrund eines technischen Fehlers der Airbus A340-600. Der Mangel sei erkannt und werde behoben.

Filter einzubauen, um die Kabinenluft zu reinigen, ist der Lufthansa zufolge nach heutigem Stand der Technik nicht möglich. UFO-Sprecher Joachim Müller hat einen ganz anderen Verdacht: „Das kostet Geld.”

Nina Grunsky

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