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Kronzeuge belastet Chef der Hells Angels in Hannover

01.06.2012 | 09:20 Uhr
Kronzeuge belastet Chef der Hells Angels in Hannover
Niedersachsen hofft, mit der Aussage des Kronzeugen ein Verbot der Hells Angels durchsetzen zu können.Foto: dapd

Kiel.  Frank Hanebuth soll den Mord an dem türkischen Zuhälter Tekin B. in Auftrag gegeben haben. Das jedenfalls sagt ein Kronzeuge vor dem Kieler Landgericht. Tekin B. ist seit Ende April 2010 verschwunden - nach seiner Leiche wird noch gesucht. Niedersachsen hofft, mit der Aussage des Kronzeugen ein Verbot des Rockerclubs durchsetzen zu können.

Eine Woche nach der Razzia gegen die Hells Angels in Norddeutschland hat ein Kronzeuge vor dem Kieler Landgericht Rockerboss Frank Hanebuth des Mordauftrags beschuldigt. Hanebuth, Chef der Hells Angels in Hannover, habe den Auftrag für die Ermordung des türkischen Zuhälters Tekin B. gegeben, sagte der frühere Chef einer mittlerweile aufgelösten Unterorganisation der Rocker am Donnerstag den Richtern. Das berichtete der NDR auf seiner Onlineseite.

Hanebuth wies die Anschuldigungen über seinen Anwalt zurück.

Derweil suchten die Ermittler weiter nach einer möglicherweise bei Kiel einbetonierten Leiche. Der Verdacht sei zu groß, als dass auch nur ein kleiner Bereich ausgelassen werden könnte, sagte Oberstaatsanwältin Birgit Heß.

Wann Ergebnisse vorliegen, war unklar. Die Polizei spricht weiter von einer anhaltenden Spurensicherung. Die Ermittler suchen nach Tekin B., einem 47-jährigen Türsteher aus Kiel, der seit dem 30. April 2010 verschwunden ist und wegen Drogengeschäften mit der Rockerbande aneinandergeraten sein soll. Medienberichten zufolge wurde der Mann vor seinem Tod grausam gefoltert .

Neue Argumente für ein Verbot der Rocker?

Der Kronzeuge in Kiel beschuldigte Hanebuth zudem, den verbotenen Hells-Ableger in Schleswig-Holstein finanziell überwacht zu haben. Sollten seine Aussagen stimmen, hätten die niedersächsische Behörden neue Argumente für ein Verbot auch des niedersächsischen Rockerverbands .

Die Lagerhalle in Altenholz war nur eines von fast 90 Objekten, die 1200 Beamte im Zuge der groß angelegten Razzia am 24. Mai durchsucht hatten. Bei den Durchsuchungen gegen den verbotenen Hells-Angels-Ablegers in Kiel wurden fünf Mitglieder festgenommen, darunter auch Anführer. An der Razzia beteiligt waren Mitglieder der Anti-Terror-Einheit GSG 9, die sich auf Hanebuths Anwesen bei Hannover vom Hubschrauber abseilten und bei der Stürmung dessen Hund erschossen. Zudem wurde die Wohnung eines Rockers in Hamburg durchsucht.

Kronzeuge ist selbst angeklagt

Anlass der Großrazzia waren 194 Ermittlungsverfahren der LKA-Sonderkommission "Rocker" gegen 69 Beschuldigte wegen Waffenhandels, Korruption, Erpressung, Menschenhandels und Körperverletzung.

Der Kronzeuge ist in Kiel selbst Angeklagter. Er muss sich seit November 2011 unter anderem wegen Menschenhandels zur sexuellen Ausbeutung verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, mit massiver Gewalt Mitglieder verschiedener Vereine für seine Zwecke eingespannt zu haben. Auch soll der Mann Angehörige seiner Organisation "Legion 81" veranlasst haben, ein Mitglied des mittlerweile verbotenen MC Bandidos Neumünster zu verletzen.

Am Donnerstag hat sich der Angeklagte erstmals nach mehr als 30 Verhandlungstagen in dem Mammutverfahren geäußert. Einer Sprecherin des Landgerichts zufolge geht es dabei in erster Linie um die ihm zur Last gelegten Anklagepunkte und nur zufällig um die Großrazzia in der vergangenen Woche. Der Angeklagte soll Informant für die Durchsuchungen gewesen sein. (dapd)

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Kommentare
03.06.2012
17:53
Ob etwas an den Anschuldigungen dran ist,
von Yamato-Germany | #4

weiß derzeit kein Mensch. Z. B. ist die Suche nach dem verschwundenen Türken bislang ohne Erfolg geblieben.

Mal unabhängig davon fällt auf, dass der Präsident der Hells Angels Hannover

a) derzeit PR in eigener Sache betreibt (z. B. Interview in der Bild vom heutigen Sonntag), und
b) über seinen Anwalt Anschuldigungen zurückweisen lässt.

Vieles versucht er scheinbar zu relativieren, z. B. seinen Einfluss innerhalb der Hells Angels.

Wie geschrieben, es ist unklar, ob die gegen ihn erhobenen Vorwürfe berechtigt sind oder nicht.

01.06.2012
14:40
Kronzeuge belastet Chef der Hells Angels in Hannover
von zickzackzick | #3

Richtigerweise die schlimmsten Zeitgenossen schlechthin. Bis Jahresende wird zunächst mal von den angels und bandidos nicht viel übrig bleiben. Die braucht auch wirklich kein Mensch; und wer sich an den offenen Abenden in diesen Kreisen derart blenden lässt von gespielter Nettigkeit und Kumpelei der sollte eventuell mal Alkohol und Drogen beiseite lassen und sich auf seinen Geisteszustand hin untersuchen lassen. Wenn Hanebuth dann demnächst wieder einfährt sollte er seinen Zigarre rauchenden Dickwanns und Erfüllungsgehilfen von Fromberg gleich mitnehmen.

01.06.2012
10:34
Kronzeuge belastet Chef der Hells Angels in Hannover
von drAlfahrt | #2

Wie glaubwürdig ist denn ein "Kronzeuge", der selber mit einer grossen Zahl von Vorwürfen schwerer Verbrechen belastet ist? Und - was hat die Mammut-Polizeiaktion denn nun effektiv gebracht? Nach den bislang öffentlich gemachten Ergebnissen - nichts!

01.06.2012
10:09
Kronzeuge belastet Chef der Hells Angels in Hannover
von Eduard79 | #1

Ist doch nicht so schlimm......denn bei den Open-House-Nights sind diese Typen doch immer total nett, und respektvoll und so. Da muss man sich einfach mal ein eigenes Bild machen.

Derartige Verniedlichungen kommen in letzter Zeit ja immer, wenn es um die MCs geht.

1 Antwort
Kronzeuge belastet Chef der Hells Angels in Hannover
von jcm | #1-1

Vor allem unser Dr. fäkilein tut sich bei der Verteidigung dieser "prima Jungs" unsäglich hervor.
Warum, darüber gibt der Artikel über die Verbindungen zw. Rocker-Szene, braunen Kamerrradschaften sowie der NPD vom heutigen Tag Auskunft!
Die Luft für beide Szenen wird dünner, hat aber auch lange genug gedauert...

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