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Joachim Król lässt sich gern überraschen

06.05.2012 | 17:04 Uhr
Joachim Król lässt sich gern überraschen
Joachim Król stellt am Montag seinen neusten Kinofilm in Essen vor.Foto: Matthias Graben / WAZ FotoPool

Essen.   „Ausgerechnet Sibirien“ heißt der Kinofilm, den Joachim Król am Montag in Essen präsentiert. Der „Tatort“-Star freut sich dabei am meisten auf die Lichtburg, „das schönste Kino Deutschlands“. Im Interview erzählt er, wie der Dreh in Sibirien war - und warum er gene mal schweigen würde.

Joachim Króls Film „Ausgerechnet Sibirien“ feiert heute in Essens Lichtburg Weltpremiere. Martina Schürmann sprach mit ihm.

Heute in Essen, Lutterstadt – worauf freuen Sie sich am meisten?

Natürlich auf die Lichtburg, das schönste Kino Deutschlands! Wir haben damals alle mitgezittert und mitgetan, damit dieses Kino erhalten bleibt. Ich komme ja aus Herne, und Essen ist da auch ein Stück Heimat. Deshalb kam von mir damals ja auch die Idee, dort einen Kommissar anzusiedeln.

Der Essener Ermittler Lutter war der Gegenentwurf zu ihrem venezianischen Commissario Brunetti.

Lutter war eine Figur, bei der ich dachte: Dafür nimmst du möglichst viele Zutaten aus der eigenen Kiste, also Herkunft, Leidenschaften, Sprache und und und. Das hat ja auch eine Weile gut funktioniert. Umso schwerer ist es mir gefallen, das Angebot für den hessischen „Tatort“ anzunehmen. Aber gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass diese Rolle sich gegen mich wenden könnte. Plötzlich ging es nur noch um Eckkneipe und Fußball.

Fühlen Sie sich dem Revier manchmal ein bisschen artverwandt? Gewissermaßen ein Ereignis auf den zweiten Blick.

Das Ruhrgebiet ist ja mittlerweile fast ein Touristenziel, mit der immer noch dichtesten Theaterlandschaft Europas. Aber es stimmt schon, dass das Revier eine Second-Look-Beauty ist. Trotzdem kenne ich niemanden, der da und hinterher nicht beeindruckt war.

Das Kulturhauptstadtjahr liegt zwei Jahre zurück. Begrüßen Sie dieses Spektakel?

Das ist absolut notwendig. Nur so bleibt man doch sichtbar. Aber was die Region vor allem braucht, ist Arbeit. Die Debatte, die in den Medien gerade über den Aufbau West geführt wird, finde ich ganz interessant. Da würden Sie bei mir sicherlich einen Unterstützer finden.

Sie waren schon drei Kommissare. Können Sie sich noch eine vierte Krimi-Figur vorstellen?

Ich bin mit dem Frankfurter „Tatort“ glücklich, das ist schon die Champions-League des deutschen Krimis. Aber wenn jemand ein gutes Buch für einen Kino-Kommissar hat, einen neuen Wallander oder so – ich bin für alles offen.

Der Frankfurter „Tatort“ lebt vor allem von der Reibung zwischen Ihrem etwas muffigen Kommissar Steier und der grellen Conny von Nina Kunzendorf. Sie sagen, zu dieser funkelnden Frauenfigur konnten Sie nur noch die Komplementärfarbe bilden. Möchten Sie nicht auch mal das Grasgrün sein?

Das hab ich ja alles schon gemacht. Ich erinnere nur an das rosa Tüllkleid im „Bewegtem Mann“. Das war übrigens Ralf Königs Privatkleid. Den Film mag ich bis heute!

Ihre neue Filmfigur, Matthias Bleuel, ist mal wieder ein Mann, der sich in seinem wohl sortierten Leben irgendwann selbst verblüfft. Mögen Sie Überraschungen?

Ich bin jemand, der sich gern überraschen lässt. Die Rolle des Matthias Bleuel war so eine Überraschung. Aber vor allem, weil ich nicht damit gerechnet hätte, dass jemand diese alten Töpfe noch mal aufmachen würde. Bleuel ist gewissermaßen ein alter Bekannter meiner Figuren aus den 90ern, diesen etwas verstellten Typen, die ich seit „Gloomy Sunday“ nicht mehr gespielt hatte. Aber er war mir dann beim Lesen des Drehbuchs doch auf Anhieb sympathisch.

Und Sibirien ist ein Filmland, das einem als Schauspieler noch letzte Abenteuer in Aussicht stellt?

Das nehme ich gerne an. Die Leute, die man an so einem Set trifft, haben alle ein bisschen ‘ne Meise. Das ist wie eine Auszeit vom richtigen Leben. Mit solchen Projekten wird man nicht unbedingt reich, aber man trifft leidenschaftliche Filmemacher.

Das Abenteuerlichste, dass Sie sich momentan in Ihrem Leben vorstellen könnten, wäre . . .

Nach den ganzen Interviewterminen einfach mal ein paar Tage schweigen. Und dann das Schreiben ernsthaft angehen. Vielleicht finde ich die Zeit zu prüfen, ob das Quatsch ist oder Qualität hat.

Martina Schürmann



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