Eisen und Kakao schmelzen dahin
30.04.2008 | 19:00 Uhr 2008-04-30T19:00:00+0200Siegen. Die Himmelsleiter gibt es zweimal: einmal aus Schokolade und einmal aus Stahl. Das Auge staunt, der Geist wundert sich, und die Hände wollen die Werke anfassen. Berühren verboten. Schmelzgefahr! ...
... Eine Ausstellung der süß-stählernen Art ist im Naschwerk im Sieg Carré am Bahnhof zu sehen - Kunst trifft Schokolade.
Fürwahr, es ist außergewöhnlich, was sich dem Betrachter bietet. Er glaubt es nicht und will probieren. Finger weg. Die Skulpturen aus Schokolade müssen ein paar Tage halten. Es sind verführerische Kunstwerke, die Markus Podzimek in mühevoller und stundenlanger Handarbeit gefertigt hat. Der 32-Jährige aus Neunkirchen, gelernter Konditor, zählt nicht ohne Grund zu den zehn besten Chocolatiers der Welt. Die Lust zum Vernaschen überkommt die Besucher beim Anblick der Werke mit Namen wie "Rosenlabyrinth", "Tausendundeine Nacht", "Die Tränen der Kakaobohne". "Alles ist aus unserer Edelschokolade mit 60 Prozent Kakao", versichert der Maitre Chocolatier, "wobei die tragenden Teile aus Zartbitterschokolade gemacht werden." Der Künstler kennt sein Material. Je höher der Anteil Milch in der Schokolade ist, desto brüchiger und weicher ist sie. Sein Lieblingsstück ist die "Aura", ein Kunstwerk aus 1000 Tafeln Schokolade. Das Gegenstück aus Stahl steht im Sieg Carré.
Manfred Immel, der Metallformer, hat diese Skulptur geschaffen. Der 55-jährige Künstler stammt ebenfalls aus Neunkirchen. Die beiden Männer sind sich irgendwann über den Weg gelaufen und hatten die Idee, sich künstlerisch erneut zu begegnen. Gemeinsam ist ihnen eines: Beide bringen ihre Materialien bei der Arbeit zum Schmelzen. So hat sich Podzimek von Immels Werken inspirieren lassen und ihnen eine eigene, eine süße Note gegeben.
Immel entdeckte vor neun Jahren, dass Metall nicht nur zum Bauen verwendet werden kann. In seinem Beruf als Klempner und Installateur ist der Fachmann gefragt. Künstlerisch geht Immel seinen Ideen nach. "Auf diese Weise kann ich meinen Stress abbbauen." Er schweißt und schleift, komponiert und formt aus Fundstücken Werke, die beim Betrachter Wirkung hinterlassen. Welche? Immel gibt die Antwort: "Ich will den schweren Stahl in einer gewissen Leichtigkeit darstellen." Runde Formen regen seine Phantasie an, und die besten Ideen hat Immel, wenn er nachts wach wird. "Ich notiere mir die Einfälle sofort auf Papier, damit sie mir nicht verloren gehen." Die Kunstwerke aus Kakao gehen verloren. Sie sind nicht für die Ewigkeit bestimmt. Vergänglichkeit steht ihnen schokobraun ins Gesicht geschrieben. Essbar sind sie am Ende der Ausstellung auch nicht. "Sie trocknen aus und werden bröselig", weiß Podzimek.
19:19
Mmmmhhhh! Tja, Schokolade ist halt doch irgendwie eine Kunst für sich. Auch wenn es leider keine Bilder zum Appetit bekommen gibt - beim Lesen kommt die Versuchung. Wo ist meine Schokolade? Lag sie nicht gerade noch neben meinem PC? Dieser Artikel weckt Gelüste nach mehr. Schlaraffenland lässt grüßen..