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ARD-Film

Anna Loos und Jan Josef Liefers als Liebespaar gegen die Nazis

19.02.2013 | 17:45 Uhr
Anna Loos und Jan Josef Liefers als Liebespaar gegen die Nazis
Henny (Anna Loos) hilft Albert (Jan Josef Liefers) bei einer Polizeikontrolle spontan aus der Patsche.Foto: ARD Degeto/UFA Filmproduktion/F. Dicks

Essen.   Pünktlich zum 80. Jahrestag liefert die ARD einen Fernsehfilm zum Reichstagsbrand. Die biedere Liebesgeschichte um die beiden Hauptdarsteller Jan Josef Liefers und Anna Loos ist dabei weit weniger interessant, als der alltägliche Antisemitismus der Nazi-Zeit, den „Nacht über Berlin“ entlarvt.

Die Schergen der SA pöbeln sich durch den Nachtclub, auf den Straßen Berlins werden Unschuldige verprügelt, und dann geht der Reichstag in Flammen auf. Das meinen die doch nicht so, sagt die junge Frau zur Judenhetze der Nazis, und ihr naiver Blick auf das Ungeheuerliche trifft vermutlich die Stimmung vieler Deutscher in den frühen 30er-Jahren.

Wie sehr sie irrt – auch davon handelt das Fernsehdrama „Nacht über Berlin“ (ARD, Mittwoch, 20.15 Uhr) zum 80. Jahrestag der Machtübernahme Hitlers. Anna Loos und ihr Gatte Jan Josef Liefers geben einmal mehr ein Liebespaar, ohne dass davon indes der große Zauber ausginge – diesmal im Strudel der heraufziehenden politischen Katastrophe in den letzten Tagen der Weimarer Republik.

Menschliche Welten prallen aufeinander

Historisch finstere Zeiten mit einem Melodram zu verknüpfen, um das Angebot schmackhafter zu machen, gehört zu den Standards der Filmgeschichte. Wenn die ARD-Filmwerkstatt Degeto den Auftrag erteilt, ist man auf der Hut, weil es allzu süßlich werden könnte. Friedemann Fromm (Regie und Buch) und Rainer Berg (Buch) haben das allerdings ganz ordentlich in den Griff gekriegt. Und in Babelsberg gedreht, sieht die Produktion für deutsche Verhältnisse durchaus aufwendig aus.

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Die ARD-Filmtochter Degeto gilt als Schnulzenfabrik. Degeto-Chefin Christine Strobl, die Tochter von Finanzminister Wolfgang Schäuble, will weg von diesem Image. Stattdessen setzt sie auf intelligente Unterhaltung, um ein jüngeres Publikum als bisher zu erreichen.

Zwei menschliche Welten lassen sie aufeinanderprallen: die Künstlerin Henny Dallgow, eine lebenshungrige Blondine aus gutem Hause mit Lederjacke und Motorrad, ehrgeizig und unpolitisch, und den jüdischen Arzt Albert Goldmann, der sich als SPD-Abgeordneter im Reichstag von den NSDAP-Schreihälsen niederbrüllen lassen muss. Für seinen linksradikalen Bruder (Franz Dinda), der vom Aufstand der Kommunisten träumt, spielt er schon mal den Kurier. Henny übernimmt derweil den Nachtclub „Ballhaus“ des Juden Matze Belzig (wunderbar schrill: Jürgen Tarrach), der, von bösen Vorahnungen getrieben, gerade noch rechtzeitig in die USA flüchtet.

Der Reiz von "Nacht über Berlin" liegt in politischen Momenten

Der Reiz, den „Nacht über Berlin“ entfaltet, liegt weiß Gott nicht in der etwas bieder konstruierten Liebesgeschichte zweier Gutmenschen, sondern in seinen politischen Momenten. Wenn Goldmann bei Hennys Familie am fein gedeckten Mittagstisch sitzt und im allerfreundlichsten Ton zu hören bekommt, dass man ihn ja hier großzügig duldet, dann ist der gesellschaftlich verankerte Antisemitismus in seiner schrecklichen Alltäglichkeit sofort greifbar.

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Mit einem Karrieristen (Sven Lehmann), der Hennys Schwester geheiratet hat, nachdem Henny ihn zurückgewiesen hatte, haben die Autoren einen kühlen Schurken als Goldmanns Gegenspieler eingebaut, der diesen Grundton perfekt verkörpert. Weniger elegant ist die holzschnittartige Zeichnung des jüdischen Lebens, das arg auf Klischees reduziert wird.

Die Debatte darüber, in wessen Auftrag der Reichstag angezündet wurde oder ob es doch nur ein Einzeltäter war, befeuern die Autoren nicht mit neuen Theorien: Dass der Zündler den Verbindungstunnel zu Görings Amtssitz genutzt haben könnte, legen die Bilder immerhin nahe. Goldmann will das Inferno verhindern – und so steuert der Film auf ein aktionsgeladenes Finale zu.

Frank Preuß


Kommentare
20.02.2013
11:22
Anna Loos und Jan Josef Liefers als Liebespaar gegen die Nazis
von Syndikus | #4

@3 kuku:

Der fragliche Begriff wird hier automatisch geblockt, worüber ich mich schon einige Male geärgert habe, auch weil entsprechende "Kampfbegriffe", die auf das bürgerlich-liberale Lager zielen, hier ohne weiteres durchgehen. So stört sich zum beispiel niemand daran, wenn eine Bundeskanzlerin zum "sprechenden **********" herabgewürdigt wird, was nach meinem dafürhalten jenseits der Strafbarkeitsgrenze angesiedelt sein dürfte. Die Herleitung des fraglichen Begriffes aus der NS-Zeit war mir allerdings bislang nicht bekannt, so dass ich meinen eigenen Sprachgebrauch vielleicht noch einmal überdenken muss.

1 Antwort
Anna Loos und Jan Josef Liefers als Liebespaar gegen die Nazis
von KuKu | #4-1

Es gibt mehrere Interpretationen, in welchem Zusammenhang der Begriff zur Verunglimpfung Andersdenkender zum erstenmal auftaucht. Fest steht aber auch, dass Göbbels und der Stürmer diesen Begriff so verwandt haben, wie der Deutsche Journalistenverband es beschreibt. Interessant ist in diesem Zusammenhand ebenfalls, dass dieser Begriff in neuerer Zeit massiv von Neonazis benutzt und damit wieder in den allgemeinen Sprachgebrauch eingeführt wurde. So schließt sich der Kreis.

20.02.2013
10:18
Anna Loos und Jan Josef Liefers als Liebespaar gegen die Nazis
von KuKu | #3

Weiß eigentlich bei Ihnen die "Rechte" was die "Linke" tut? Sie zensieren in meinem Kommentar den Begriff, den Sie im Artikel selbst verwenden und dessen Verwendung ich in diesem Zusammenhang mit meinem Kommentar kritisiere!

20.02.2013
10:06
Anna Loos und Jan Josef Liefers als Liebespaar gegen die Nazis
von KuKu | #2

Finden Sie es richtig, in anbetracht der Zeit die durch den Film behandelt wird, den Begriff "***********" zu verwenden?
Hier mal ein Hinweis:
Auszug aus dem Memorandum des Deutschen Journalisten Verbandes 2006:
"Erstmals findet sich das Wort als Bezeichnung für die Anhänger von Kardinal Graf Galen, der GEGEN die Vernichtung lebensunwerten Lebens, also die Tötung körperlich und geistig Behinderter durch die Nationalsozialisten (schließlich mit Erfolg) gekämpft haben. Nicht klar ist, ob der Begriff von Josef Göbbels (!!) oder Redakteuren des Stürmer (!!) 1941 ersonnen worden ist. ********* geht auf das jiddische "a gutt Mensch" zurück, womit von den Nationalsozialisten auch ein Bezug zu den lebensunwerten Juden hergestellt werden sollte. Adolf Hitler hat in seinen Reden und in "Mein Kampf" ebenfalls die Vorsilbe gut als abwertend verwendet. So sind für ihn gutmeinende und gutmütige Menschen diejenigen, die den Feinden des deutschen Volkes in die Hände spielen."

20.02.2013
09:54
Anna Loos und Jan Josef Liefers als Liebespaar gegen die Nazis
von Syndikus | #1

Das klingt nach einem interessanten Film, der durchaus sehenswert sein dürfte. Die Frage ist aber, weshalb der "Aufstand der Kommunisten" im deutschen Fernsehn einmal mehr verharmlost und romantisiert wird. Wenn die Kommunisten mit den demokratischen Kräften frühzeitig die Weimarer Republik gestützt hätten, hätte diese trotz aller Angriffe von rechts wahrscheinlich fortbestanden. Aber schon der von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht unterstützte Spartakusaufstand hatte ja gerade die Verhinderung freier Wahlen und die Errichtung einer Räterepublik nach sowjetrussischem Vorbild zum Ziel. Soviel zur angeblichen "Freiheit der politischen Anderdenkenden", die für sich selbst gerne in Anspruch genommen wurde - aber dem politischen Gegner einschließlich der Demokraten noch lange nicht zugebilligt wurde.

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