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Energiepolitik

Konzerne meiden den Iran

05.07.2010 | 07:29 Uhr
Konzerne meiden den Iran
Das Bushehr Atomkraftwerk im Süden des Iran.

Essen. Seine aggressive Atompolitik hat für den Iran Folgen: Europäische Energieversorger wie RWE und Eon können sich in dem Land nicht so engagieren, wie sie möchten.

Die internationalen Sanktionen gegen den Iran zeigen Wirkung. Gerade im wirtschaftlich besonders wichtigen Energiesektor gerät das Land wegen seiner aggressiven Atompolitik massiv unter Druck. Wie interne Unterlagen der staatlichen iranischen Ölbehörde zeigen, die der WAZ-Mediengruppe vorliegen, sind fast alle Investitionsprojekte europäischer Energiekonzerne in iranische Gasfelder bedroht. Dem Iran fehlt damit das Geld und das Wissen, große Anlagen zu betreiben oder neue Felder zu erschließen.

Zusätzlich ziehen sich die Energieriesen Total (Frankreich), Royal Dutch Shell, die norwegische Statoil, die spanische Repsol und die italienische ENI aus dem Iran zurück. Alle diese Konzerne hatten dort konkrete Projekte ge­plant oder umgesetzt, wie aus den Unterlagen hervorgeht.

Ein Total-Sprecher sagte, nachdem be­reits wegen des US-Drucks Benzinlieferungen in den Iran vor wenigen Tagen eingestellt worden seien, plane Total, die Beziehungen weiter einzufrieren. Es würden lediglich noch Restverträge zur Wartung von technischen Anlagen erfüllt, die ein Volumen von 200 Millionen Euro im Jahr hätten. Neue Geschäfte würden nicht eingegangen. Ähnlich die Aussage der norwegischen Statoil: Technische Restverträge würden erfüllt, neue Kontrakte nicht unterzeichnet. Die spanische Repsol formuliert es noch klarer: „Wir haben die iranischen Autoritäten informiert, dass wir unser Projekt im South Pars Feld nicht fortsetzen.“ Stattdessen werde man in Brasilien investieren.

Investitionen kaum finanzierbar

Die Sanktionen treffen den Iran hart. Den Unterlagen zufolge braucht das Land zur Entwicklung seiner Gaslager und Transportwege allein in den kommenden zehn Jahren weit über 50 Milliarden Euro. Doch wegen der Blockade hat der Iran derzeit nur einen sehr begrenzten Zugang zum internationalen Kapitalmarkt. Die Investitionen sind für das Land nicht umsetzbar. Damit fehlen Einnahmequellen für die Wirtschaft. Das Land musste unter anderem bereits politisch wichtige Subventionen in Grundnahrungsmittel zurückschrauben.

Weitere soziale Unruhen drohten, heißt es in einer internen iranischen Analyse. Wie ernst die Lage schon jetzt ist, zeigt die Not des Lands, Benzin importieren zu müssen, obwohl dort einige der größten Öl- und Gaslager liegen.

Bisher hatten gerade deutsche Energiekonzerne starke Interessen im Iran, die ebenfalls nicht weiter verfolgt werden können. Im Norden würde RWE gerne die iranischen Gasfelder an die Nabucco-Pipeline anschließen – wenn es die politischen Rahmenbedingungen denn hergäben. Die Nabucco-Pipeline soll an Russland vorbei den europäischen Zugang zu den Gaslagern im Nahen Osten und Mittelasien sichern. Der Iran ist hier als Lieferant durchaus interessant. Er hat die zweitgrößten Gas-Reserven der Welt – nach Russland. Allerdings wird der Iran in absehbarer Zeit wegen seines Atomprogramms keine wichtige Rolle in der weltweiten Energieversorgung spielen.

Eiszeit

Im Süden hat Eon Ruhrgas Interesse an Flüssiggas-Häfen. Aber auch hier ist ein Geschäft auf absehbare Zeit nicht machbar. Ein Eon-Ruhrgas-Sprecher sagte: „Wir halten Kontakte auch zum Iran.“ Mehr aber nicht. Es fließt kein Geld und es gibt kein Projekt, das unterschriftsreif wäre. Zudem verhaftete Irans Geheimdienst vor wenigen Monaten einen Unterhändler bei seiner Einreise in den Iran, der im Auftrag von Eon Ruhrgas und anderen europäischen Gasgesellschaften den Kontakt zum Land halten sollte. Auch hier herrscht also Eiszeit.

Ein anderer Pfadfinder für westliche Konzerne im Iran ist die Bayerngas AG aus München. Das Unternehmen gehörte bis 2003 zum Ruhrgas-Konzern und wurde im Zuge der Fusion mit Eon an Kommunen verkauft. Bayerngas ist der einzige deutsche Energieversorger, der derzeit noch direkt im Iran aktiv ist. Allerdings mit mäßigem Erfolg, wie das Unternehmen mitteilt. Eine geplante Gastankstellenkette habe nicht umgesetzt werden können. Wegen politischer Hindernisse beschränke sich die Aktivität derzeit auf Repräsentanz.

David Schraven



Kommentare
08.07.2010
14:51
Konzerne meiden den Iran
von Thomas | #5

Man fragt sich wer in der Republik die nachweislich interessengesteurten manipulativen Texte steuert.
Ein Land was auf seinem Recht besteht ein ziviles Atomprogramm zu unterhalten wird diffamiert, ein anderes, das Atomwaffen baut und eine ganze Region destabilisiert wird auch noch unterstützt.
Verkehrte Welt und viele Bürger lassen sich mal wieder veräppeln.

05.07.2010
13:07
Konzerne meiden den Iran
von holmark | #4

Ich glaube nicht, dass die Konzerne plötzlich die business-Ethik für sich entdeckt haben. Ich glaube eher, dass sie in dem Dickicht der Export-Verbote sich nicht mehr zurechfinden und - wie immer - Risiken vermeiden wollen.

05.07.2010
12:37
Konzerne meiden den Iran
von 840 | #3

Dem Iran geht es gar nicht so sehr um die Atomkraftwerke an sich. Denen geht es nur darum ihr Atomprogramm soweit umzusetzen um sich die Bombe bauen zu können.Gleichzeitig erhöht man dadurch sein Drohpotenzial dem Westen,ins besondere Israel gegenüber. Leider ist es in diesen despotisch anmutenden Ländern so,das sie mit ihrer Heiligen-Krieg hype ,weit übers Ziel hinaus schießen und ihnen die folgen eines Atombombeneinsatz in Israel vollkommen egal ist.Das ihre Mitbrüder in Gaza,im Libanon ,eben alle im Umkreis von 1500-3000 Km genauso verbrannt werden wie sie selber ,wenn sie so ein Ding in die Luft blasen,ist diesen Menschen vollkommen egal. Hauptsache,Allah ist gross und die unglaubigen Christen- und Judenhunde verrecken. Leider bezahlen dann alle im Enddefekt die Rechnung für so viel Unverstand.Man kann nur beten ,das das Iranische Volk es schaft, im Inneren die Notbremse zu ziehen und sich diesem kleinen Irren entledigt.Mitlerweile gibt es im Iran sehr viele
Gegenströmungen zu der zur Zeit herschenden Klasse.Das einzige Problem ist die innere zerissenheit. Keiner traut dem anderen über den Weg,weil jeder nur für sich die Regierungsgewalt beansprucht. Würden diese gegensäztlichen Parteien sich verbünden und ihre eigenen Machtansprüche erst einmal nach hinten schieben
,währe das problem Achmadienesonstwas schon längst Geschichte.Ein eingreifen von außen durch millitärische Interventionen ,sei es durch die USA oder/und Israel hätte verhehrende Folgen.
Dann würden Staat und Oposition sich verbünden und für den Westen und das Umland Irans schlimme Folgen nach sich ziehen.
Eingetretener Hund bellt,aber permanent gequehlter Hund wird gemeingefährlich!

05.07.2010
10:27
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Name von Moderation entfernt | #2

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05.07.2010
08:00
Konzerne meiden den Iran
von kalimero | #1

und dem ami mit seinen zig atombomben alles in den hintern blasen

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