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Afghanistan

Getötete Ärztin stammt aus Sachsen

08.08.2010 | 18:00 Uhr

Kabul. Das Auswärtige Amt hat den Tod einer deutschen Ärztin in Afghanistan bestätigt. Die Frau aus Sachsen wurde wie sieben weitere Ausländer von Taliban regelrecht hingerichtet, wie ein Augenzeuge berichtet.

Ein tödlicher Überfall auf acht ausländische Ärzte in Afghanistan hat Bestürzung ausgelöst und viele Fragen aufgeworfen. Nach einer Identifizierung wurde offiziell bestätigt, dass es sich bei den Opfern um eine Deutsche, eine Britin sowie eine Frau und fünf Männer aus den USA handelte. Die Bundesregierung reagierte empört auf den Anschlag in der nördlichen Provinz Badachschan, die zum Einsatzgebiet der Bundeswehr gehört.

Bei dem deutschen Todesopfer handele es sich um eine 35-jährige Frau aus Sachsen, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Zuvor waren die Leichen der Opfer aus Badachschan zur Identifizierung nach Kabul gebracht worden. Das britische Außenministerium teilte mit, dass eine 36-jährige Britin unter den Opfern sei, und verurteilte die Tat als „beklagenswerten und feigen Akt“. Die US-Botschaft in Kabul erklärte, die Namen der sechs getöteten US-Bürger würden nicht mitgeteilt.

Die getöteten Ärzte waren für die christliche Organisation International Assistance Mission (IAM) in Afghanistan tätig. Ihre Leichen seien am Freitag in einer entlegenen Waldgegend in Badachschan gefunden worden, sagte IAM-Chef Dirk Frans. Auch zwei afghanische Begleiter der Gruppe wurden getötet.

Gruppe suchte vermeintlich sicheren Weg

Die Gruppe war laut Frans auf dem Rückweg von einem medizinischen Einsatz in der Nachbarprovinz Nuristan, in der die radikalislamischen Taliban sehr stark sind. Die Ärzte hätten den Weg durch die als relativ sicher geltende Provinz Badachschan gewählt, um eine als gefährlich geltende Straße in Nuristan zu meiden. Das Team „hatte keine Waffen und keinen Begleitschutz, wir kommen auf Einladung der Gemeinden“, sagte Frans. Die IAM ist seit etwa 40 Jahren in Afghanistan tätig und betreibt in Kabul, Herat, Masar-i-Scharif und Kandahar Augenkliniken.

Die Opfer seien in einer Reihe aufgestellt und erschossen worden, sagte der Polizeichef von Badachschan, Aka Noor Kintos, unter Berufung auf den einzigen Überlebenden des Überfalls. Der afghanische Fahrer war nach eigener Angabe verschont worden, weil er Koranverse zitierte.

Zunächst bekannte sich laut Frans die Islamistenorganisation Hisb-e-Islami zu der Bluttat, später auch die Taliban. „Es waren christliche Missionare und wir haben sie alle getötet“, sagte Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid. Frans bestritt Mudschahids Angaben, die Gruppe habe Bibeln auf Dari, einer der afghanischen Landessprachen, bei sich gehabt. Auch der Vorwurf, sie hätten für die NATO spioniert, sei falsch.

Die afghanische Polizei prüfte trotz der Bekennerbotschaften auch die Theorie eines Raubmords. Unklar war allerdings, warum die Täter das Auto der Ärzte nicht mitnahmen. Eine Sprecherin der Bundesregierung erklärte, Berlin dringe auf eine „gründliche Aufklärung der Umstände dieses feigen Mordes“.

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