Deutscher Olympia-Schwimmtrainer wegen sexuellen Missbrauchs vor Gericht
14.08.2012 | 07:00 Uhr 2012-08-14T07:00:25+0200
Kiel. Wegen sexuellen Missbrauchs Schutzbefohlener muss sich am heutigen Dienstag ein Schwimmtrainer der deutschen Olympia-Mannschaft vor Gericht verantworten. Der 40-Jährige soll sich zwischen 2004 und 2006 in 18 Fällen an einer minderjährigen Schwimmerin vergangen haben. Sie tritt im Prozess als Nebenklägerin ab.
Ein Schwimmtrainer der deutschen Olympia-Mannschaft muss sich am heutigen Dienstag wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs Schutzbefohlener vor dem Kieler Amtsgericht verantworten. Der 40 Jahre alte Schwimmtrainer soll sich der Anklage zufolge zwischen August 2004 und März 2006 in 18 Fällen an einer damals minderjährigen Schwimmerin vergangen haben.
Der Prozess beginnt um 9 Uhr. Es sind drei Zeugen geladen. Für das Verfahren vor dem Schöffengericht ist ein Verhandlungstag angesetzt. Gegen den Mann war im August 2009 Anzeige erstattet worden. Im September 2011 erhob die Staatsanwaltschaft Kiel Anklage. Ihm drohen im Falle einer Verurteilung bis zu vier Jahre Haft.
Er war seit 2000 Übungsleiter in Kiel. Zu einem ersten Übergriff kam es laut Anklage im August 2004 bei einem Training auf Kreta. Bis März 2006 soll er das Betreuungsverhältnis ausgenutzt und eine Sportlerin mehrfach zum Sex gezwungen haben. Sie tritt als Nebenklägerin auf.
Vesper fühlt sich von dem Trainer getäuscht
Der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), Michael Vesper, fühlt sich von dem angeklagten Trainer getäuscht. "Wenn uns der Vorfall bekannt gewesen wäre, wäre er nicht mitgenommen worden", sagte Vesper am Samstag und fügte hinzu: "Der Trainer hätte uns über das Verfahren gegen ihn auf jeden Fall informieren müssen."
Der Mann gehörte in London zum Trainerstab der Beckenschwimmer. DOSB-Direktor Vesper habe nach eigenen Angaben am Freitag von dem Fall erfahren. "Wir müssen jetzt abwarten, wie das Gericht entscheiden wird. Ich finde es aber gut, dass die Sache gerichtlich geklärt wird, denn nach meinem Kenntnisstand steht ja Aussage gegen Aussage", sagte Vesper weiter.
Fornoff von Beschuldigungen "völlig überrascht"
"Es ist - auf Deutsch gesagt - zum Kotzen, dass so etwas gerade dann auch noch an einem Tag aufkommt, an dem Thomas Lurz Silber gewinnt" , sagte der Generalsekretär des Deutschen Schwimm-Verbands, Jürgen Fornoff. Der DSV ist durch das Debakel der Beckenschwimmer in London ohnehin sportlich gebeutelt. Am Freitagmittag hatte Lurz dem DSV bei seinem zweiten Platz über zehn Kilometer zumindest die einzige Medaille beschert.
Doch dies geriet angesichts der Beschuldigungen völlig in den Hintergrund. "Wir sind davon völlig überrascht worden. Sonst hätten wir uns natürlich im Vorfeld der Olympischen Spiele mit dem Deutschen Olympischen Sportbund abgestimmt, wie man sich hätte verhalten sollen. Er hat ja auch den olympischen Ehrenkodex unterschrieben", sagte Fornoff und fügte hinzu: "Wir haben noch keinen Kontakt zu dem Trainer aufnehmen können. Er ist leider nicht zu erreichen. Erst einmal gilt natürlich die Unschuldsvermutung. Jetzt müssen wir die Verhandlung am Dienstag abwarten."
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Angeblicher Vorfall: 2004 bis 2006
Anzeige: 2009
Anklage:2011
Verhandlung: 2012
Irgendwie hat das ganze einen faden Beigeschmack - eine Anzeige 3 Jahre nach dem (angeblichen) Vorfall und eine Anklageerhebung weitere 2 Jahre nach der Anzeige sehen für mich nicht so aus, als wäre das hier eine eindeutige Angelegenheit.