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Rüttgers in China

Mennekes gibt Rüttgers in China Nachhilfe

17.11.2009 | 18:17 Uhr
Mennekes gibt Rüttgers in China Nachhilfe

Für den Sauerländer Walter Mennekes hat sich der mutige Sprung nach China gelohnt.

Knapp 15 Jahre später strahlt der mittelständische Elektrotechniker aus Kirchhundem beim Werksbesuch mit Ministerpräsident Rüttgers übers ganze Gesicht. Von den jährlich 10 Prozent Wachstum in Nanjing kann Mennekes daheim nur träumen.

Die Visite der mit chinesischen Partnern betriebenen Firma gerät zum Staatsakt. Eine Blaskapelle in Uniform spielt die Nationalhymnen, neben dem roten Teppich werden stilvoll Flaggen gehisst - und als Höhepunkt donnert eine Hubschrauberstaffel über die verdutzten Gäste hinweg.

In der blitzblank gewienerten Produktionshalle montieren sonst 120 Mitarbeiter Stecker und Schaltkästen. Heute hat der Chef Klatschen und Fähnchenschwenken auf den Dienstplan gesetzt. Mit 600 Arbeitskräften in Deutschland macht Mennekes rund 100 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Die Produktion in China sichert Jobs im Sauerland: Mennekes setzt auf den mit 1,3 Milliarden Euro weltweit größten Absatzmarkt China. „Was in Nanjing gebaut wird, verkaufen wir auch in China.“

Mit einem Marktanteil von 25 Prozent ist der Tausendsassa im Reich der Mitte längst eine feste Größe. Mit dem neuen Stecker für Elektroautos will der Tüftler auf seinem langen Marsch auch in China Normen und Standards setzen – Maos Enkel machen mobil. Jährlich werden zwölf Millionen neue Autos verkauft – mit dramatischen Folgen für die Umwelt. China braucht den Umstieg aufs Elektroauto.

Für den Sozialpolitiker Rüttgers wird Vorzeige-Boss Mennekes zum strategischen Glücksfall. Unternehmer Mennekes lebt vor, was der „Arbeiterführer“ predigt: Wirtschaftliche Vernunft und soziale Gerechtigkeit als zwei Seiten einer Medaille. In Kirchhundem hat Mennekes aus eigener Tasche die Ausfallstunden durch Kurzarbeit für ein Jahr vorfinanziert, damit die Arbeiter keine plötzlichen Gehaltsausfälle haben. In China zahlt Mennekes, der sich selbst als „katholischer Konfuzianer“ sieht, langjährigen Mitarbeitern Treueprämien – wie Zuschüsse für Bausparverträge oder Geld für ein neues Auto. So lassen sich Fachkräfte halten, wenn andere Firmen abwerben wollen.

Als Sohn eines Elektromeisters muss Rüttgers in Nanjing zur Einweihung einer neuen Fertigungslinie selbst einen Verteilerkasten für Dreh- und Wechselstrom montieren. Es dauert länger als normal, aber die Technik funktioniert. „Am liebsten würde ich ihn hier behalten“, ulkt Mennekes. Der Mann im weißen Kittel bleibt lieber Politiker und lobt „seinen“ Kurzzeit-Chef für dessen Mut im Reich der Mitte. „Hartnäckigkeit ist Sauerländer Art“, gibt der Unternehmer dem Pulheimer Nachhilfe in Landeskunde.

Dem alten NRW ähnlich

In der NRW-Partnerregion trifft Rüttgers mit 100 ehemaligen Stipendiaten zusammen, die in den letzten 20 Jahren für einige Monate zur Weiterbildung in NRW waren. Insgesamt 800 Chinesen haben NRW bei einem Praktikum in einem Betrieb kennen gelernt. Frau Xu Jun, die bei der IHK in Köln und der Messe Düsseldorf lernte, arbeitet heute als Repräsentantin der NRW.Invest in Nanjing.

Die Region Jiangsu im Mündungsgebiet des Yangtse ist dem „alten“ NRW nicht unähnlich. Bergbau, Schwerindustrie - aber auch Jiangsu setzt wegen der Umweltlasten durch die Montanindustrie zunehmend auf die Hochtechnologie. Zum Wandel gehört die Zusammenarbeit der Wissenschaft. Die Uni Bonn pflegt eine Partnerschaft mit der Uni Nanjing, die Privatuni Witten-Herdecke mit der Hochschule für Finanzen and Technologie.

Rüttgers nutzt die Delegationsreise nach China auch zur Kontaktpflege mit deutschen Industriemanagern. Der CDU-Landeschef muss bei der Wirtschaft gegen das Image eines „schwarzen Sozialdemokraten“ ankämpfen.

In der Delegation wird Rüttgers' Auftreten in China wohlwollend begleitet. Rüttgers' öffentlicher Kritik an Chinas Dalai-Lama-Politik stehen manche Manager skeptisch gegenüber. „Das stört unsere Geschäfte“, klagt ein Unternehmer. Auf politische Provokationen reagiert die chinesische Führung trotz des politischen Tauwetters und der Öffnung immer noch dünnhäutig.

Wilfried Goebels

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