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Deutschland und Frankreich

Michel und Marianne: Ehekrise zur Goldhochzeit

22.01.2013 | 21:03 Uhr

Was Deutsche und Franzosen aneinander haben

Was Deutsche und Franzosen aneinander haben, das steht kaum in den Geschichtsbüchern und nur ganz selten in der Zeitung. Da ist eher von Kriegen und Krisen die Rede, von mühsamer politischer Versöhnung und brüchigen Treueschwüren, von Gedenkakten wie dem gestrigen im Deutschen Bundestag, die aus dem grauen Alltag hinausragen. Am besten klappt das Zusammenleben der Deutschen und Franzosen noch zur Ferienzeit: Dann liegen wir friedlich nebeneinander an den Stränden des Atlantiks und des Mittelmeeres, oder wir treffen uns in deutschen Städten, die viele Franzosen inzwischen gern bereisen.

Aber was eben nicht im Fokus unserer Betrachtung liegt, sind die reichen, überreichen kulturellen Verknüpfungen. Wir können die Musik nehmen oder die bildende Kunst, wir können die Philosophie nehmen mit Existenzialisten beiderseits des Rheins oder die Theologie mit den großen französischen und deutschen Vordenkern des Zweiten Vatikanischen Konzils. Wir können aus heutiger Sicht die schäumende Begeisterung nicht nachvollziehen, die den Staatslenkern De Gaulle und Adenauer vor 50 Jahren bei ihren Besuchen im ehemaligen Feindesland zuteil wurde. Zwei alte Männer haben zwei vom Krieg gezeichneten Ländern damals Hoffnung gegeben, und ihre Visionen waren und sind der lebendige Kern des zusammenwachsenden Europa.

Das heutige Fingerhakeln in der Eurokrise mutet demgegenüber wie kleine Münze an, und so ist es ja auch. Dem Schaumwein folgte die große Nüchternheit, der berauschenden Hochzeitsnacht ein zuweilen dröger Ehealltag. So ist das im Leben, bei Menschen wie bei Völkern. Ein Grund, nicht gleichwohl stolz auf 50 Jahre Beziehung zu sein, ist es nicht.

Stefan Hans Kläsener zum 50. Jahrestag der Elysée-Verträge

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