Das aktuelle Wetter NRW 9°C
Pflege-Auszeit

Familie und Beruf müssen generell vereinbar sein

28.12.2012 | 16:59 Uhr
Familie und Beruf müssen generell vereinbar sein
Die Arbeitswelt muss so gestaltet werden, dass Familie und Beruf in allen Lebensphasen ohne ständige Überforderung vereinbar sind. Foto: Jens Ulrich-Koch

So erfreulich es auch ist, dass Minister(innen) die Probleme des Landes inzwischen ansprechen und also offenbar erkannt haben: Wenn Symbolpolitik (oder gar nichts) folgt, reicht das nicht - egal, ob es um Mini-Renten, Frauenquoten, Bildungspakete oder Familienpflege geht. Darauf kann man sich leicht einigen. Schwieriger ist zu klären, was denn angemessen wäre.

Zum Beispiel in Bezug auf Kristina Schröders Pflege-Auszeit. Da fordern die Kritiker einen unbeschränkten Rechtsanspruch des Arbeitnehmers und Ausgleichszahlungen durch den Staat. Die der bei den Banken einkassiert? Eher nicht. Und wie sinnvoll ist es, wenn gut ausgebildete Angestellte in Zeiten des Fachkräftemangels jahrelang ausfallen? Pflegezeit also nur für Ungelernte, die im eigenen Job weniger verdienen als Profi-Pfleger?

So ist es heute. Und so kann es nicht bleiben. Nicht in den Heimen und nicht in den Privathaushalten, die ohne illegale osteuropäische Hilfskräfte verzweifeln müssten. Was helfen könnte, wären der Aufbau von Nachbarschafts-Netzwerken, in denen zum Beispiel fitte Alte weniger fitte unterstützen, der Ausbau qualifizierter ambulanter Betreuung und eine angemessene Wertung der Demenz in der ohnehin unzureichenden Pflegeversicherung. Das wird Geld kosten, das jetzt schon anderswo fehlt. Aber die Menschenwürde darf nicht ab einem gewissen Lebensalter oder unterhalb bestimmter geistiger Fähigkeiten beschränkt werden.

Und die Angehörigen? Für die gilt nichts anderes als für Eltern: Die Arbeitswelt muss so gestaltet werden, dass Familie und Beruf in allen Lebensphasen ohne ständige Überforderung vereinbar sind. Vielen Firmen ist das bereits klarer als ihren Interessenverbänden.

Harald Ries


Kommentare
Aus dem Ressort
Die gefühlte Unsicherheit
Rettungswesen
Die Unbilden unseres Gesundheitswesens sind im Rettungswagen angekommen. Es ist in mehrfacher Hinsicht bedenklich, wenn ein Patient ohne akute Not den Rettungsdienst ruft – um so schneller in die Obhut eines Arztes zu gelangen. Es ist zu einfach, dieses Vorgehen ausschließlich deshalb anzuprangern,...
Mit gesunder Zuversicht in eine erfolgreiche Zukunft
Kommentar
Eine wirklich wohltuende Haltung, die sich da beim Südwestfalen-Symposium an der Siegener Universität präsentierte: Kein Jammern und Verzagen, Stattdessen Aufbruchstimmung, Verantwortungsbereitschaft und allenthalben eine spürbare Zukunftszuversicht.
Grüne bitten ihre Wähler zur Kasse
Parteitag
Einer der erfolgreichsten Grünen aller Zeiten, Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann, grätscht mit massiver Kritik an den Steuerplänen in den Parteitag.
Dem enttarnten Moralprediger Hoeneß bleibt nur der Rücktritt
Kommentar
Die Fallhöhe ist enorm: Der Doppelmoral überführt, steht Uli Hoeneß steht vor den Trümmern seiner Reputation. Von den Bayern-Fans als Seele des Klubs verehrt, kann er seinem Verein nur noch einen letzten Dienst erweisen: indem er zurücktritt. Ein Kommentar
Sekt oder Selters - die neue Maxime beim VfL Bochum
Kommentar
Wir müssen an dieser Stelle nicht die Frage diskutieren, ob Peter Neururer der richtige Mann am richtigen Fleck zum richtigen Zeitpunkt ist. Die Führung des VfL Bochum sah nach den jüngsten Niederlagen Handlungsbedarf und wollte nicht warten, bis der Zug ganz abgefahren ist. Ein Kommentar.
Fotos und Videos
Blindgänger in Essen-Karnap
Bildgalerie
Bombenentschärfung
Bergschäden im Ruhrgebiet
Bildgalerie
Bergbau-Folgen