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EU-Gipfel

Europa braucht den großen Wurf

14.12.2012 | 18:51 Uhr
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Gegen den Willen von Angela Merkel, Kanzlerin des größten EU-Staats, kommt in Europa derzeit kaum jemand an. Das zeigt auch das Gipfel-Ergebnis, das eigentlich viel zukunftsweisender hätte ausfallen sollen. Statt des versprochen großen Schritts wagten die Europäer erneut nur Trippelschritte.

Merkel hat damit im Großen und Ganzen durchgesetzt, was sie erreichen wollte. Und verhindert, was ihr nicht behagte, zum Beispiel neue Geldtöpfe für – aus ihrer Sicht – eher sparunwillige (Süd-)Europäer. Beliebte deutsche Mantras im Krisenkampf lauten: „Gründlichkeit vor Schnelligkeit“ und „Schritt für Schritt“. Daran ist absolut nichts falsch – wenn man sich daran hält. Doch auch Deutschland schürte noch im Herbst große Erwartungen an das Gipfeltreffen. Merkel & Co. wollten ihren Bürgern und der Welt zeigen, wohin sie Europa steuern. Und damit die große Verunsicherung dämpfen, die Menschen und Investoren derzeit befällt, wenn sie an Europa denken.

Für einen Zukunftsentwurf aber ist Mut nötig. Und die Bereitschaft von Politikern, über sich, ihre Amtszeit und ihre Landesgrenzen hinaus zu denken. Dazu jedoch ist der Druck in Deutschland, das die Euro-Krise bisher recht gut durchsteht, bisher zu gering. In anderen Staaten, deren Bürger die Krise stärker spüren, mag das anders sein.

Zudem ist klar, dass nationale Politiker, die sich – wie in Deutschland – für einen Wahlkampf rüsten, wenig Lust zu großen Veränderungen verspüren, die zudem ihre Macht beschneiden könnten. In so einem Falle sollten die Politiker jedoch bei Bürgern und Finanzmarkt-Investoren keine allzu großen Erwartungen wecken.

In der aktuellen Krise ist das zugegebenermaßen leichter gesagt als getan. Derzeit ist die Lage an den Finanzmärkten eher ruhig. Ändert sich das, werden Politiker erneut wie Getriebene reagieren, statt nach einem Fahrplan zu agieren.

Doch den gibt es ja immer noch nicht. Auch deswegen wird es Zeit, dass die Europäer endlich einen großen Wurf wagen.

Sabine Brendel

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Kommentare
15.12.2012
21:02
Wie kann der "große Wurf" für Europa aussehen??
von sichau1 | #1

Fr. Brendel hätte ruhig ein Paar Eckpunkte für den "großen Wurf" nennen können....
Eurobonds etwa, da die Euro-Einzelstaaten ja keine eigene Währung mehr haben, die sie z.B. abwerten könnten; wie Finanzierung der Staaten mit geringeren Zinsen durch die EZB (wie sie die Banken längst haben); etwa Austrocknung von Steueroasen nach US-Muster; wie Beendigung des deutschen Exportwahns (unsere Überschüsse sind die Schulden der Anderen) und Stärkung der (deutschen) Binnennachfrage; etwa echte Wachstumsimpulse für Südeuropa und sofortige Beendigung der verheerenden Austeritätspolitik (Kürzungspolitik, die mitnichten "Sparpolitik" ist), Austeritätspolitik, die alles nur noch schlimmer macht und zu höheren statt weniger Schulden führt. (Müssten wir eigentlich seit ca. 80 Jahren wissen!) ....
Allerdings werden im Kommentar problematische Begriffe wie "Sparunwille" statt Kritik an der Austeritätspolitik und "Finanzmarkt-Investoren" statt Finanzmarkt-Spekulanten gebraucht, die wenig Hoffnung geben.

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