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Erschreckendes System von Parallelwelten

25.01.2013 | 17:43 Uhr
Erschreckendes System von Parallelwelten
Die Kirche ist als Organisationsstruktur in der Krise – nicht die Glaubensbotschaft selbst.Foto: Stephan Eickershoff

Die Ergebnisse der Milieustudie sind alarmierend, aber nicht überraschend. Wen wundert es, dass die deutschen Katholiken nicht lebensdienliche Kirchenregeln inzwischen offen kritisieren, etwa den Zölibat, den Umgang mit Frauen, den Ausschluss von wiederverheirateten Geschiedenen von den Sakramenten, die Sexuallehre, und so weiter.

Dass der Missbrauchs-Skandal die Unzufriedenheit der Laien mit der Amtskirche nicht verringert hat, steht ebenso wenig zur Debatte wie die Tatsache, dass die Folgen des Priestermangels inzwischen sogar Katholiken treffen, die noch ins Hochamt gehen würden. Die Bestandsaufnahme offenbart die Kirche als erschreckendes System von Parallelwelten. Während einerseits der einzelne Katholik zwar nicht austreten mag, aber gleichwohl seinen Alltag längst nicht mehr an den Dogmen ausrichtet, fehlt den Verantwortlichen jedes Gespür dafür, konstruktiv und kreativ mit der Situation umzugehen. So hat die Bischofskonferenz dem Vernehmen nach kontrovers auf die Milieustudie reagiert, die sie selbst in Auftrag gegeben hat. Eine Rückbesinnung auf Christus, wie viele Bischöfe sie gebetsmühlenartig bei jedem neuen Skandal fordern, ignoriert beharrlich die Tatsache, dass die Kirche als Organisationsstruktur in der Krise ist – und nicht die Glaubensbotschaft selbst.

Leere Sonntagsmessen einerseits und gleichzeitig ein gestiegenes Bedürfnis nach spirituellen Angeboten andererseits: Oh ja, es gäbe – und es gibt, da, wo engagierte Priester am Werk sind - viele Wege aus der Krise. Ob die erstarrte Hierarchie der deutschen Kirchenleitung diese aber überhaupt finden will, geschweige denn kann, an dieser Frage verzweifelt langsam selbst der treueste Katholik.

Monika Willer



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