Lebensmitteleinzelhandel
Kunden sind die Gewinner im Preiskampf der Discounter
13.02.2010 | 11:12 Uhr 2010-02-13T11:12:00+0100
Nürnberg. Der Umsatz schrumpft, die Preise sinken, und die Verbraucher frohlocken: Sie sind die Gewinner massiver Preiskämpfe im Lebensmittelhandel im Jahr 2009. Dagegen konnten Aldi und Lidl in der Preisschlacht keine neuen Marktanteile für sich erobern.
Die Bundesbürger gaben im vergangenen Jahr deutlich weniger Geld für Lebensmittel aus als im Vorjahr. Sie profitierten beim aggressiven Kampf um Marktanteile in der Branche von den zwölf Preisrunden nach unten. In der Folge erzielte die Branche einen Umsatz von 150,1 Milliarden Euro, 1,8 Milliarden Euro weniger als 2008. Es ist der stärkste Umsatzrückgang im Lebensmitteleinzelhandel seit Bestehen der Bundesrepublik.
„Im Jahresdurchschnitt betrug der Preisrückgang im Lebensmitteleinzelhandel im vergangenen Jahr 1,4 Prozent”, sagt Wolfgang Adlwarth von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg im Gespräch mit der WP, „bei den Discountern lag er sogar bei minus 2,6 Prozent.”
Nicht mehr Marktanteil bei Aldi und Lidl
Den Discounter-Riesen Lidl und Aldi ist es nach den Erkenntnissen des Konsumforschers trotz offensiver Preispolitik nicht gelungen, ihre Marktanteile 2009 weiter auszubauen: „Sie stagnieren.” Aldis Markanteil schrumpfte von 19 auf 18,4 Prozent, Lidl lag 2009 bei 9,8 Prozent, im Vorjahr waren es 9,7 Prozent.
Auch verzeichnet Aldi nach den GfK-Zahlen einen Umsatzeinbruch von 4,4 Prozent. Eine Erweiterung des Sortiments sieht Adlwarth bei den Discountern gegenwärtig nicht. „Das Flächenpotenzial ist, so wie es derzeit aussieht, erschöpft. Es scheint eine Phase der Stagnation zu geben.”
Eine Renaissance erleben seiner Ansicht nach die traditionsreichen Handelsmarken. Eine Erklärung dafür liefert Adlwarth gleich mit. „Was früher altbacken gewirkt hat, sorgt heute in Zeiten der Wirtschaftskrise, rein psychologisch gesehen für ein Stück Sicherheit. Die Menschen suchen nach Verlässlichem und nach Bewährtem.”
Höheres Qualitätsbewusstsein
Der Preis allein ist nicht mehr das ausschlaggebende Argument für den Kauf. „Das Qualitätsbewusstsein der Verbraucher ist gewachsen.” Nach einer Auswertung der Antworten von 30 000 Haushalten richten sich 52 Prozent bei ihren Einkäufen vor allem nach dem Preis, 48 Prozent nach der Qualität.
Ein Ergebnis, das Sabine Eichner, Geschäftsführerin der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie, optimistisch stimmt: „Das Bewusstsein für Qualität ist vorhanden. Wir müssen es für kleinere und regionale Produkte fördern und stärken.”
Problematisch werde es, wenn alles nur über den Preis verkauft werde. Die Geschäftsführerin fürchtet nicht ohne Grund eine Verschärfung des Verdrängungswettbewerbs bei den mittelständischen Betrieben. „Die Erträge sind ausgesprochen schmal. Die Wettbewerbsfähigkeit bleibt auf der Strecke. Auf dieser Basis lässt sich kein zukunftsfähiges Unternehmen entwickeln. Das Geld für Innovationen fehlt.”
Sorge um Qualität
Sinkende Preise sind für die Verbraucher auf den ersten Blick ein Segen, auf den zweiten Blick scheint der hohe Standard bei der Lebensmittelqualität und der Nachhaltigkeit in Deutschland gefährdet. Der Vizepräsident des Deutschen Fruchthandelsverbandes, Thomas Bittel, hat es jüngst bei der Messe Fruit Logistica auf den Punkt gebracht: „Wenn 50 Köpfe Salat an der Kasse im Lebensmitteleinzelhandel genausoviel kosten wie eine Schachtel Zigaretten, dann muss jedem klar werden, dass hier etwas nicht stimmt.”
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