Das aktuelle Wetter NRW 4°C
Museum

Wer will das „schönste Museum der Welt“?

05.06.2012 | 18:10 Uhr
Wer will das „schönste Museum der Welt“?
Ein Hingucker, schon von Außen: Das von David Chipperfield neu gestaltete Museum Folkwang in Essen zählt zu den ersten Ausstellungs-Adressen im Revier. Foto: Ulrich von Born

Essen.   Nach dem Weggang von Museums-Chef Hartwig Fischer nach Dresden sucht die große Kunstschatzkammer Folkwang neues Führungspersonal. Das gestaltet sich offenbar schwieriger als erwartet. Denn die nächsten Jahre dürften für den neuen Chef nicht einfach werden.

90 Jahre alt zu werden, ist heute keine große Kunst mehr. Nicht mal als Museum. Aber wenige sind dabei in einem so strahlenden Zustand wie das Museum Folkwang in Essen. Die Geburtstagsfeier fiel trotzdem flach. Ex-Direktor Hartwig Fischer schwingt seit Anfang Mai das Zepter über die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, das war seit Ende Dezember bekannt. Seither steht die Findungskommission, die ursprünglich nur eine Nachfolge für Fischers Stellvertreterin, die international renommierte Fotografie-Expertin Ute Eskildsen, finden wollte, doppelt unter Druck.

Als dann letzte Woche auch noch Meldungen à la „Direktor verzweifelt gesucht“ die Runde machten, war die Stimmung vollends im Keller. Mit einem Kandidaten soll man dabei praktisch schon handelseinig gewesen sein. Doch dann kam die Absage aus New York.

Die Ortsmarke NY signalisiert die eine Richtung, in der man sucht: Internationalität, mit der das Haus durch die Stürme der nächsten Jahre kommen soll. Zum anderen wünscht man sich vom neuen Direktorium vor allem eins: Dass die Kandidaten langfristig in Essen bleiben.

Startrampe für Museumskarrieren

Nichts war in den vergangenen Jahren verlässlicher als der Wechsel. Hubertus Gassner ging nach nur zwei Jahren an die Kunsthalle Hamburg. Hartwig Fischer begleitete den fulminanten Aufstieg des Hauses durch den Umbau des britischen Stararchitekten David Chipperfield immerhin sechs Jahre lang, um dann dem Ruf nach Dresden zu folgen. Als Startrampe für Museumskarrieren ist den Verantwortlichen aber das Haus zu schade. So sehnt man sich nach einer Leitung, die sich mit Region, Sammlung und Folkwang-Geschichte identifizieren kann. Geeignete Kandidaten fänden sich von Hagen bis Wuppertal.

Die nächsten Jahre dürften für den neuen Chef nicht einfacher werden. Etatkämpfe, wie sie für ein städtisch getragenes Museum unvermeidlich sein werden, und sinkende Sponsorenmittel werden dazu zwingen, noch mehr mit der eigenen Sammlung zu wuchern und mit den Häusern im Umfeld zu kooperieren. Das grandiose Äußere ersetzt auf die Dauer keine Kunstgroßereignisse, wie sie bislang in schöner Regelmäßigkeit für Besucherrekorde sorgten, von van Gogh bis zu den Pariser Impressionisten. Solche Ausstellungen zu stemmen, setzt in Zukunft eine noch größere Kraftanstrengung voraus, auch wenn sich das finanzielle Engagement für Traditionspartner Eon bislang immer gerechnet hat. Aber schon in diesem Herbst gibt es einen Kurswechsel. Die große „Fauves“-Ausstellung wird erstmals von RWE gesponsert.

Gut möglich, dass das letzte Wort ohnehin von Berthold Beitz kommt, dem kunstsinnigen Patriarchen der Essener Krupp-Stiftung. Der mächtige Mann auf dem Hügel bewegt in Sachen Folkwang immer noch Millionen und Karrieren. Und die 90 hat er längst er hinter sich.

Martina Schürmann



Kommentare
Aus dem Ressort
"Charity Porn" - Patrice distanziert sich von "Band Aid 30"
Ebola-Charity
"Do they know it's Christmas?" schmettern Teilnehmer von "Band Aid 30", um Geld für den Kampf gegen Ebola zu sammeln. "Do they know it's scheiße?", fragt Jan Böhmermann und kritisiert die Aktion mit beißender Ironie. Und auch Patrice distanziert sich vom Projekt, an dem er selbst teilnahm.
Burghart Klaußner jagt im Kino Nazi-Verbrecher Eichmann
Kino
Fritz Bauer gehört zu den vergessenen Helden. Der hessische Generalstaatsanwalt jagte Nazi-Verbrecher Adolf Eichmann. Er stand fast allein da – und dennoch schaffte er es. Jetzt wird der Stoff fürs Kino verfilmt. Der aufrechte Jurist wird von einem der besten deutschen Schauspieler verkörpert:...
Finanzdebakel um Nürburgring wird zum Theaterstück
Nürburgring
Das Nürburgring-Debakel als Bühnenstück? Kein Problem, dachte sich eine Mainzer Theatergruppe. Und rief das Großprojekt "Nürburger Flughafenphilharmonie" ins Leben. Ähnlich verworren wie in der Eifel geht es auf der Bühne zu. Für das Publikum eine Herausforderung.
Grass schlägt Zwangseinquartierung von Flüchtlingen vor
Schriftsteller
Diese Idee hat es in sich. Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass kann sich vorstellen, dass Flüchtlinge bei Deutschen zwangseinquartiert werden. Falls ein Mangel an Unterkünften bestehe, sei das eine Option. So hätte man nach dem Zweiten Weltkrieg auch Flüchtlingen aus Ostpreußen geholfen.
Schrott aus Goebbels-Geburtshaus in Warschau
Kunstaktion
Trümmer, die für die Banalität des Bösen stehen. Der Künstler Gregor Schneider hat Schrott aus dem Geburtshaus von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels nach Warschau gebracht. Das ist eine gewagte Kunstaktion in einem Land, das besonders unter dem Nazi-Terror gelitten hat.
Umfrage
Das Bundesverwaltungsgericht hat der Sonntagsarbeit engere Grenzen gesetzt. Wie finden Sie das?
 
Fotos und Videos