Das aktuelle Wetter NRW 9°C
Bühne

Teuflisch unterhaltsam

10.06.2012 | 17:24 Uhr
Teuflisch unterhaltsam
„Die Hexen von Eastwick“ und der satanische Kunsthändler. Foto: Pedro Malinowski

Gelsenkirchen.   Das Musical „Die Hexen von Eastwick“ feierte in Gelsenkirchen deutschsprachige Erstaufführung

„Die Hexen von Eastwick“: ein erfolgreicher Roman von John Updike (1984), ein noch bekannterer Film mit Jack Nicholson (1987) und ein Musical (2000), das es in London auf über 750 Aufführungen gebracht hat. Es muss etwas dran sein an dem Stoff um drei frustrierte Frauen in einem amerikanischen Provinznest, die in der Begegnung mit dem satanischen Kunsthändler Darryl van Horne sexuell zu explodieren drohen.

An begeisterter Zustimmung mangelte es der Premiere der deutschsprachigen Erstaufführung auch im Gelsenkirchener Musiktheater im Revier nicht. Geboten wird ein bunter, turbulenter Abend mit viel technischem Aufwand, etlichen pfiffigen Gags und viel musikalischem Schwung. Dass dennoch von keinem ganz großen Musical-Abend gesprochen werden kann, liegt einerseits an der Musik von Dana P. Rowe, der unterhaltsame Konventionsware aus allen gängigen Nischen der Musical-Fabrikation zusammenbraut und nicht zuletzt an der Inszenierung von Gil Mehmert, der nach vordergründig publikumswirksamen Effekten sucht.

Weder der Biss der Spießer-Satire Updikes noch die hintergründige Dämonie des Films interessieren Mehmert. Er verniedlicht die böse Geschichte zu einem Comic-Strip mit Gags am laufenden Band. Das bittere Ende mit zwei Toten und drei ungewollten Schwangerschaften aus der Lende Satans wirkt angesichts der braven Werksicht Mehmerts aufgesetzt und entbehrt jeder bedrohlichen Beklemmung.

25 animierte Bühnenbilder in Comic-Manier

25 animierte Bühnenbilder in Comic-Manier aus der Feder Fufu Frauenwahls bilden das optische Zentrum der Aufführung, wodurch rasche Szenenwechsel ermöglicht werden. Die Musik bietet eine Klangkulisse, die zwar keine Ohrwürmer enthält, aber mit der Handschrift eines routinierten Könners viel Schwung und Pep verbreitet.

Das Ensemble wird durch Musical-erprobte Spezialisten ergänzt, die ihre Sache, wie auch das Ensemble, erstklassig und mit viel Spielfreude meistern. Der dänische Gast Kristian Vetter in der Rolle des teuflischen Kunsthändlers verströmt ein großes Bühnencharisma. Nicht minder glänzend das Hexen-Trio mit Jeanette Claßen, Stefanie Dietrich und Anke Sieloff. Begeisterter, lang anhaltender Beifall für einen unterhaltsamen, mit viel Aufwand und Engagement gestalteten Abend, der aber etlichen Fassetten der Vorlagen einiges schuldig bleibt.

Pedro Obiera



Kommentare
Aus dem Ressort
Folkwang-Fotografie strahlt bis nach Venedig
Kunst
Große Ehre für den Essener Kurator Florian Ebner: Er gestaltet den deutschen Biennale-Pavillon und verät jetzt erste Pläne. Er hat als Künstler Tobias Zielony, Hito Steyerl, Olaf Nicolai und das Duo Jasmina Metwaly & Philip Rizk engagiert: „Widerständige Bilder in Zeiten digitaler Überbelichtung“.
Warum Atze Schröder auch mal ein Mann für eine Nacht ist
Comedy
Premiere für eine Ratgeber-Stunde der unmoralischen Art: Comedian Atze Schröder hat sein neues Bühnenprogramm dem „Richtig fremdgehen“ gewidmet . Das stellte er nun in der Essener Lichtburg vor. Ein Abend zwischen Bravo für Erwachsene und Ballermann ohne Sangria-Eimer.
Das Rock-Magazin „Visions“ kennt das Geheimnis ewiger Jugend
Pop
Am Wochenende gibt’s ein Festival, denn das Dortmunder Magazin für Alternative Rock feiert seinen 25. Geburtstag - und hat sich die Frische erhalten. Ein Gespräch mit Chefredakteur Michael Lohrmann über Kurt Cobain, Rock’n’Roll-Lifestyle und größenwahnsinnige Vertriebsdeals in der Dönerbude.
U2 rocken im Treppenhaus von Radio NRW in Oberhausen
Konzert
U2 live und ganz nah: Sonst füllen sie Stadien, am Freitagnachmittag spielten sie vor 200 Zuschauern. Im Treppenhaus von Radio NRW in Oberhausen präsentierten Bono und seine Mitstreiter ihr neues Album "Songs of Innocence". Eine feine Party, aber leider eine kurze.
Theaterkarten in NRW werden mit bis zu 162 Euro bezuschusst
Kultur-Kosten
Der Bund der Steuerzahler NRW hat jährlichen Etats von Theatern in 22 Großstädten im Land unter die Lupe genommen und mit den Besucherzahlen in Relation gesetzt. Das schlechteste Verhältnis ergibt sich in Düsseldorf: Eine Theaterkarte wird mit 162 Euro subventioniert. Dortmund liegt auf Platz 2.
Umfrage
Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?

Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?