Das aktuelle Wetter NRW 9°C
Kino

„Rock of Ages“ mit Tom Cruise im Klischeegewitter

13.06.2012 | 19:46 Uhr
„Rock of Ages“ mit Tom Cruise im Klischeegewitter
Tom Cruise als Stacee Jaxx in „Rock of Ages“.

Essen.   Tom Cruise spielt in "Rock of Ages" den Ego-Rocker, und Catherine Zeta-Jones konkurriert mit einem Röntgenbild: Die Kinofassung des Musicals mit Rockhymnen von Kultgruppen wie Whitesnake, Foreigner, Journey und Def Leppard gerät zur Travestie, die musikalisch enttäuscht.

Jukebox-Musical ist die Branchenbezeichnung für Bühnenproduktionen, die bereits vorhandenes Songmaterial aufgreifen und drumherum eine neue Handlung stricken. Erfolgsmodellen wie „Mamma Mia!“, „Queen – We will Rock you“ und „Saturday Night Fever“ folgte 2006 „Rock of Ages“. Die Show war auf der Bühne so erfolgreich, dass nun auch noch eine Verfilmung nachgeschoben wurde.

Es ist heiß in Hollywood 1987: Die Stadt pulsiert im Rockfieber und der junge Drew Boley (Diego Boneta, ein Spargeltarzan ohne jede Ausstrahlung) arbeitet als Hilfskellner im Rockladen Bourbon Club. Eines Abends kommt Sherry (Julianne Hough, eine Blondpüppi ohne jede Ausstrahlung) in sein Blickfeld, ein hübsches Mädel aus Kansas, das gerne Schauspielerin werden möchte – und es ist Liebe auf den ersten Blick.

Dunkle Wolken über Bourbon Club

Über dem Bourbon Club aber sind schon dunkle Wolken aufgezogen. Der Laden soll unter moralischem Deckmäntelchen für ein neues Bauprojekt geschlossen werden. Club-Boss Dennis (Alec Baldwin) aber hält dagegen und engagiert Stacee Jaxx und seine Band Arsenal für ihr Abschlusskonzert. Leider ist der Rock-Superstar vor allem mit seinem exzentrischen Ego beschäftigt.

„I Wanna Rock“ – die Metal-Hymne der Band „Twisted Sister“ ist Programm für die neue kultträchtige Musical-Produktion der Filmemacher, die schon den Bühnenhit „Hairspray“ als Film verhunzten. Angelegt ist „Rock of Ages“ als ultimative Verschmelzung von Romantik und Rock’n’Roll im Zeichen von Gitarre und Schlagzeug.

Da rockt wirklich nichts

Erfolgsregisseur Adam Shankman („Der Babynator“) versammelt dafür eine Menge Stars, die in grotesker Verkleidung und absurden Frisuren die Rockklischees der 80er auf dem Niveau eines Kindergeburtstags nachspielen. Ausgerechnet Tom Cruise macht als Ego-Rocker noch die beste Figur, weil er eben auch ein guter Komödiant ist. Catherine Zeta-Jones hat als ultra-konservative Stadtpolitikerin ihre Momente in Nahaufnahme, zeigt aber wenig tänzerisches Geschick und ist so abgemagert, als ob sie demnächst als Röntgenbild posieren wollte.

Ganz schlimm aber ist, dass keiner der Beteiligten die Rockhymnen von Kultgruppen wie Whitesnake, For­eigner, Journey und Def Leppard auch nur im Ansatz so singen kann, dass es wirklich rockt. Eine derart verunglückte Travestie hat nicht einmal der Stadionrock der 80er verdient.

Uwe Mies



Kommentare
15.06.2012
15:01
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Aus dem Ressort
Ein Hexer am Pult: Yannick Nézet-Séguin
Klassik
Zwei umjubelte Konzerte des London Philharmonic Orchestra in Dortmund und Essen. Yannick Nézet-Séguin dirigierte in der Spitzenklasse, etwa klanglich extrem raffiniert ausgetüftelte „Unvollendete“ oder die schwindelerregenden Dynamik-Schübe von Richard Strauss’ „Don Juan“. Die Musiker verneigten...
Vier Frauen und die Welt der guten Revier-Literatur
Literatur
Preisverleihung beim Regionalverband Ruhr in der Essener Zentrale. Marianne Brentzel aus Dortmund erhielt den Hauptpreis, die Berlinerin Merle Wolke, die Bochumerin Sarah Meyer-Dietrich und die gebürtige Essenerin Frauke Angel die mit 2555 Euro dotierten Förderpreise zum Literaturpreis Ruhr.
Die böseböse Welt der Literatur
Buch
Mit Robert Galbraiths zweiter Streich „Der Seidenspinner“ erfüllt J.K. Rowling die hoch gesteckten Erwartungen. Der einbeinige Ex-Militärpolizist Cormoran Strike ist auf dem besten Weg, einen Platz unter den großen „Private Eyes“ der Krimigeschichte zu erobern.
Festival für elektronische Musik feiert Brian Eno
Musik
New Wave, Hip-Hop, Techno oder House: Elektronische Musik ist aus Clubs nicht mehr wegzudenken und hat Bands wie Kraftwerk und Depeche Mode oder Künstlern wie David Guetta zu Weltruhm verholfen.
Filme reizen Armin Mueller-Stahl derzeit nicht
Schauspieler
Armin Mueller-Stahl (83) macht weiter Pause vom Schauspielberuf. "Im Moment lodert das Innere, das Feuer nicht", sagte er am Samstag der Nachrichtenagentur dpa in Dresden.
Umfrage
Viele Manager von städtischen Unternehmen verdienen mehr als eine halbe Million Euro im Jahr. Die Einkommen richten sich nach Branche, Unternehmensgröße und Umsatz. Finden Sie die hohen Gehälter angemessen?

Viele Manager von städtischen Unternehmen verdienen mehr als eine halbe Million Euro im Jahr. Die Einkommen richten sich nach Branche, Unternehmensgröße und Umsatz. Finden Sie die hohen Gehälter angemessen?

 
Fotos und Videos