Weihnachtskonzerte - jauchzet und frohlocket
10.12.2009 | 18:52 Uhr 2009-12-10T18:52:00+0100
Arnsberg/Hagen. Händels Messias und Bachs Weihnachtsoratorium sind die großen Konzerthöhepunkte im Advent in der Region.
In Zeiten knapper Finanzen wird es für die Kantoreien immer schwieriger, große Chorprojekte zu realisieren. Mit viel Einfallsreichtum gelingt es dennoch, dass die Meisterwerke der weihnachtlichen Literatur in der Region erklingen: Händels Messias in Arnsberg und Hagen sowie Bachs Weihnachtsoratorium gleich zweimal in Hagen.
Angelika Ritt-Appelhans ist Kantorin an der katholischen Liebfrauenkirche in Arnsberg. Sie leitet den freien weltlichen Chor „Forum Vocale Arnsberg”. Und zusammen mit der evangelischen Johanniskantorei und dem Johannis-Vokalensemble Hagen unter der Leitung von KMD Manfred Kamp führt das „Forum Vocale” Georg Friedrich Händels Messias in historischer Aufführungspraxis auf.
Fruchtbare Kooperation
„Musikalisch und menschlich passt es gut”, beschreibt Angelika Ritt-Appelhans die Kooperation. Schon vor sechs Jahren haben die Arnsberger mit der Johanniskantorei die Marienvesper interpretiert. „Mit Eintrittsgeldern allein kann man die Konzerte nicht finanzieren”, erläutert Angelika Ritt-Appelhans. „Wir haben zum ersten Mal gewagt, das mit Sponsoren zu machen. Wir sind unseren Unterstützern sehr dankbar und waren positiv überrascht.”
Der Hagener Kirchenmusikdirektor Manfred Kamp, der beide Konzerte dirigiert, freut sich ebenfalls über die Zusammenarbeit. „Das hat sich rein zufällig ergeben, unabhängig von der Konfession”, sagt er. „Das gibt uns die Möglichkeit, zwei Aufführungen zu machen, was für alle Beteiligten eine gute Sache ist.” Kamp konstatiert, dass es immer schwieriger wird, junge Stimmen in eine Gemeindekantorei einzubringen. „Die Tendenz geht dahin, dass man sich zu Projekten zusammenschließt. Aber wir sind unverzagt und versuchen, neue Wege zu gehen.”
Händel: Messias:
Samstag, 12. Dezember, 19 Uhr, Liebfrauenkirche Arnsberg, Hellefelder Str. 15. Karten an der Abendkasse.
Sonntag, 13. Dezember, 17 Uhr, Johanniskirche Hagen am Markt. Karten:
02331 / 3488588.
In Hagen erklingt Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium gleich zweimal kurz hintereinander. Der chorbegeisterte Hagener Generalmusikdirektor Florian Ludwig hat Bachs bedeutendes Werk auf das Programm des Sinfoniekonzertes der Hagener Philharmoniker in der Stadthalle gesetzt. Der Bach-Chor Hagen und der Knabenchor Hagen führen das Opus kurz vorher in der Hagener Marienkirche auf - und zwar im Originalklang.
In alter Stimmung
„Die Termine liegen schon nahe beieinander. Aber es sind zwei Konzerte mit jeweils ganz anderem Profil, die werden sehr unterschiedlich sein”, begründet Chorleiter Johannes Krutmann, dass sich hier nicht zwei Dirigenten unbedacht gegenseitig Konkurrenz machen wollen. „Wir machen das in alter, tiefer Stimmung, mit alten Instrumenten und kleiner Besetzung, wir gehen zu den Wurzeln zurück”, schildert Krutmann. „Der schlanke durchsichtige Klang verbindet sich mit diesem sehr besonderen Klang der Knabenstimmen, die Georg Hellebrandt einstudiert. Das gibt eine ganz andere Farbe”.
Krutmann ist der festen Überzeugung, dass eine Großstadt wie Hagen zwei Weihnachtsoratorien kurz hintereinander verträgt. Diese Meinung teilt GMD Florian Ludwig. „Das Weihnachtsoratorium gehört zum Kanon der Werke des christlichen Abendlandes, die ein solches Kulturgut sind, dass man sie jedes Jahr aufführen sollte. In anderen Städten gibt es bis zu fünf Weihnachtsoratorien parallel”, argumentiert Ludwig.
Florian Ludwig liegt es sehr am Herzen, dass die Sinfonieorchester die Chorliteratur nicht aus dem Programm streichen und wie in den vergangenen Jahrzehnten den Alte-Musik-Gruppen überlassen. „Die Spezialistenensembles, die das etwas an sich gerissen haben, kann ich ja als Anregung nehmen. Deshalb ist eine Aufführung mit modernen Instrumenten berechtigt”, begründet Ludwig und ergänzt: „Ich finde, dass diese Werke so zeitlos sind, dass sie ihre Berechtigung haben, im Sinfoniekonzert immer wieder aufzutauchen. Es ist auch eine sehr schöne Herausforderung für den Opern- und Extrachor des Theaters Hagen.”
Die Situation der Chorlandschaft beobachtet der Kirchenmusiker-Sohn Ludwig mit Freude und Besorgnis: „Es ist schwer für die Chorszene, Nachwuchs zu bekommen, auch weil das Geld und das Personal fehlen, um gute Kinderchorarbeit zu machen. Es ist allerdings erfreulich, dass es noch so viele Chöre gibt, die die großen Chorwerke pflegen, dass dieser Zweig unserer Kultur nach wie vor blüht. Wir dürfen nur nicht vergessen, ihn zu gießen.”
Bach: Weihnachtsoratorium:
Bach-Chor Hagen, 20. Dezember, 20 Uhr, Marienkirche Hagen. 27. Dezember, 17 Uhr, Liebfrauenkirche Hamm. Karten Abendkasse.
Philharmonisches Orchester Hagen, 22. Dezember, 20 Uhr, Stadthalle Hagen. Karten: 02331 / 2073218.
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