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Für Eros Ramazzotti darf die Bühne keine Droge sein

27.12.2012 | 18:13 Uhr
Für Eros Ramazzotti darf die Bühne keine Droge sein
Eros Ramazotti im Jahre 2010 in der Arena Oberhausen.Foto: Gerd Wallhorn / WAZ FotoPool

Essen.  Der Schmuse- und Soulsänger Eros Ramazzotti im Gespräch über Fehler auf der Bühne, Vorbilder und Fan-Kritik, über sein unvermeidlich öffentliches Privatleben und die Grenzen von Silvio Berlusconi. Im Frühjahr geht er mit seinem neuen Album „Noi“ auf Deutschland-Tournee.

Eros Ramazzotti wird im kommenden Jahr nicht nur 50, er geht auch mit seinem jüngsten Album „Noi“ auf Tournee, im Frühjahr kommt er nach Deutschland. Jakob Buhre sprach mit ihm über Stimmtraining, Fehler auf der Bühne, die Charts, Berlusconi und seine Gitarrensammlung.

Wie gefährlich ist der Winter für Ihre Stimme?

Eros Ramazzotti: Ich hatte schon Probleme, Halsschmerzen oder mal eine Kehlkopfentzündung. Aber ich habeeinen deutschen Arzt, den kenne ich seit 20 Jahren und der bringt mich dann wieder in Ordnung.

Wie bereiten Sie die Stimme auf ein Konzert vor?

Ramazzotti: Es gibt eine Methode, die ich vor kurzem erst gelernt habe, mit meiner kleinen Tochter, die geht so: Ramazzotti streckt die Zunge ein wenig hervor, macht ein furzähnliches Geräusch. Dadurch bewegt man die Stimmbänder und wärmt sie auf.

Eros Ramazotti in der Arena Oberhausen. (Foto: WAZ FotoPool)Foto: WAZ FotoPool

Wenn man mich dabei beobachtet, könnte man natürlich denken, „der tickt nicht ganz richtig“, aber das ist wirklich eine gute Methode. Auf Tournee benutze ich auch Wasser mit homöopathischen Tropfen drin, um Schleim von den Stimmbändern zu lösen und eine Heiserkeit los zu werden.

Der Opernsänger Vittorio Grigolo sagt, er würde am Tag einer Aufführung kein Wort sprechen, um seine Stimme zu schonen...

Ramazzotti: Ja, aber das ist ein anderes Genre, dafür muss man Jahre studieren, die Stimme richtig trainieren – Opernsänger haben ganz andere Schwierigkeiten als Popsänger. Wir können kleine Fehler verbergen, aber ein Opernsänger ist zu 100 Prozent präsent, wenn der auch nur einen winzigen Fehler macht ist das für ihn wesentlich problematischer.

Machen Sie Fehler auf der Bühne?

Ramazzotti: Ja, viele. Zum Beispiel passiert es mir, dass ich mal einen falschen Text singe. Deswegen benutze ich seit 15 Jahren Teleprompter, da muss ich zumindest ein Auge drauf haben. Ich singe ja auch auf Spanisch und da komme ich oft sehr durcheinander. Oder ich treffe manche Töne nicht und muss mich dann mit der Stimme zurückziehen. Aber im Laufe deiner Konzerterfahrungen lernst du natürlich mit solchen Dingen umzugehen.

Sie haben das Live-Publikum mal als eine Art Energiequelle beschrieben. Sind Sie süchtig nach der Liebe des Publikums?

Ramazzotti: Nein. Süchtig sind nur diejenigen, die das Star-Sein 24 Stunden am Tag leben.

Aber nach einer Konzertpause zieht es Sie früher oder später wieder auf die Bühne, oder?

Ramazzotti: Ja, natürlich. Aber das darf keine Droge sein. Man muss ja auch daran denken, dass dich die Leute eines Tages nicht mehr sehen wollen. Wenn man sich damit nicht im Laufe der Zeit abfindet, ist es schwierig, den Übergang vom Bekanntsein zum Nicht-mehr Bekanntsein zu schaffen.

Wer hat Sie in puncto Gesang inspiriert?

Ramazzotti: Vor allem Ray Charles. Auch Stevie Wonder, Steve Winwood und Sting.

Viele verbinden mit Ihnen den Begriff „Kuschelrock“. Was hören Sie selbst, wenn es romantisch sein soll?

Ramazzotti: George Michael etwa. Der hat sehr schöne Lieder geschrieben. Oder auch die Eagles.

Wie reagieren Sie, wenn Sie im Restaurant Ihre eigene Musik hören?

Ramazzotti: Dann sollen die das leiser machen. Ich sitze dann ja mit Freunden dort, will etwas essen...

Es macht Sie nicht stolz?

Ramazzotti: Wenn es mir um Stolz gehen würde, dann würde ich ja ganz im Gegenteil fordern, dass man die Musik lauter aufdreht. Es ist eher, dass ich die anderen Gäste in dem Restaurant respektiere.

Spielen die Charts für Sie eine Rolle?

Ramazzotti: Ich bin nicht der Typ, der jeden Tag in seiner Plattenfirma anruft und fragt, auf welchem Platz ich jetzt bin. Es kann ja auch sein, dass du auf Platz 1 stehst, weil du nur eine Kopie mehr als jemand anderes verkauft hast oder umgekehrt, und dann wirst du auf dieser Grundlage beurteilt. Wichtiger für einen Musiker ist die Beständigkeit seiner Karriere.

Da haben Sie aber nicht nur gute Erfahrungen gemacht.

Ramazzotti: Ja, die Platte vor meinem neuen Album ist nicht so gut gelaufen. Da wurde ich von meinen Fans kritisiert.

Warum?

Ramazzotti: Keine Ahnung, einigen gefiel das Album nicht, die haben geschrieben „immer dasselbe, immer diese Heulerei“ usw. Viele Kritiken gingen in diese Richtung. Wir leben ja in einer Zeit, wo jedem diese Technologie zur Verfügung steht, deshalb bekommt man aus Blogs auch viele Informationen, du kannst dort lesen, ob du gut oder weniger gut arbeitest. Das habe ich in den letzten Jahren erst entdeckt.

Wäre es Ihnen lieber, wenn die Öffentlichkeit nichts über Ihr Privatleben wüsste?

Ramazzotti: Ja, absolut. Aber ich bin Realist, und meine Erfahrung als Künstler sagt mir: Das ist eine Utopie. Wie soll das gehen? Es ist unmöglich! Wenn du es den Medien nicht erzählst, dann erfinden sie es selbst. Es ist unvermeidbar, wenn du in einem Land wie Italien und in einer Stadt wie Mailand lebst. Du gehst aus dem Haus und hast sofort die Fotografen um dich herum. Weil die Zeitungen diese Dinge brauchen, ist ein Privatleben wie meines leider in aller Munde. Das geheim zu halten, ist so utopisch wie der Gedanke, dass Berlusconi Italien verändern kann.

Warum kann Berlusconi Ihrer Meinung nach Italien nicht verändern?

Ramazzotti: Weil er das schon versucht hat. Er ist ein sehr guter Präsident, für einen Fußballclub. Er ist ein sehr guter Geschäftsmann fürs Fernsehen, aber den Staat muss jemand regieren, der etwas von Politik versteht. Jemand, der die Probleme der Menschen versteht.

Haben Sie Angst um Italien?

Ramazzotti: Alle Italiener haben Angst, weil wir im Moment in einer besonderen Situation sind. Es gibt die Gefahr, dass die Fähigkeit der Italiener, mit allem fertig werden zu können, dieses Mal nicht ausreicht. Wenn die Politik in unserem Land sich nicht verändert, in dem man an der Basis alles reinigt, dann ist es sehr schwierig.

Welches Klischee über sich mögen Sie nicht?

Ramazzotti: Dass ich unsympathisch bin. Ich bin überhaupt nicht unsympathisch, ich bin als Mensch sehr ruhig und offen, ich habe mich immer nur um meine Angelegenheiten gekümmert und mich nie so sehr in den Vordergrund gedrängt. Großen Erfolg zu haben, sich aber auf der anderen Seite wenig zu exponieren, so ein Verhalten führt oft dazu, dass die Leute denken: Das ist ein Depp.

Zum Schluss: Wie groß ist inzwischen Ihre Gitarrensammlung?

Ramazzotti: Ich bin bei 70 stehen geblieben. Viele dieser Gitarren kann ich ja gar nicht einsetzen, oder nur alle Vierteljahre einmal.

Von welchem prominenten Musiker hätten Sie gerne eine Gitarre?

Ramazzotti: B.B. King. Ich habe auch ein paar Gitarren, auf denen wahrscheinlich schon große Musiker gespielt haben. Die habe ich vor ein paar Jahren in Amerika gekauft, zum Beispiel eine elektrische Gibson von 1941. Oder eine akustische Gibson von ‘51, bei der ist im Griff ein Loch reingebrannt, von einer Zigarette. Das muss irgendein Blues-Musiker gewesen sein.



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