Hart aber fair - Ex-Super-Nanny kritisiert Weichei-Erziehung vieler Kinder
17.07.2012 | 06:44 Uhr 2012-07-17T06:44:29+0200
Essen. Ängstliche Eltern und gepamperte Kinder: Bei "Hart aber fair" diskutiert Frank Plasberg über die Generation Weichei. Ex-Super-Nanny Katharina Saalfrank fordert mehr Freiräume für Kinder und bekommt Unterstützung. Ein Wer-wird-Millionär-Kandidat macht die Medien für "Weicheier" mitverantwortlich.
Die Angst ist ständiger Begleiter. Angst auf dem Schulweg, Angst auf dem Spielplatz, Angst um die Zukunft der Kinder. Wird der Nachwuchs heute zu sehr behütet? Trauen Eltern ihren Kindern zu wenig zu? Oder sind sie sogar in der Pflicht, die Sprösslinge vor den Anforderungen und Gefahren des Lebens so gut und so lange wie möglich zu beschützen? Über diese Fragen diskutierte Frank Plasberg in seiner letzten Hart-aber-fair-Sendung vor der Sommerpause am Montagabend mit seinen Gästen unter dem Motto: „Umsorgt vom Kreißsaal bis zum Hörsaal – kommt jetzt die Generation Weichei?“
Zwischen Kreißsaal und Hörsaal liegt der Spielplatz, der mittlerweile anders aussieht als noch vor einigen Jahren. Weiche Gummiböden und abgerundete Klettergeräte – standen früher vor allem Abenteuerlust, Freiheit und Nervenkitzel im Vordergrund, werden Kinderspielplätze heute in erster Linie unter Sicherheitsaspekten entworfen. „Kinderbeschäftigungsanstalten“ nennt ein Spielplatzbauer das abwertend im Einspielfilm. Von Abenteuer keine Spur. Der Spielplatz als Sinnbild für den gesellschaftlichen Wandel.
Ex-Super-Nanny Katharina Saalfrank findet, Eltern trauen ihren Kindern zu wenig zu
Für Ex-„Super Nanny“ Katharina Saalfrank ist klar : „Kinder müssen ihre eigenen Erfahrungen machen. Eltern sind oft zu ängstlich, sie trauen ihren Kindern zu wenig zu.“ Doch die diffuse Angst, es könnte etwas passieren, schaukelt immer mit. Und sie ist auch auf dem Schulweg ständiger Begleiter, weshalb immer mehr Kinder mit dem Auto bis vor das Schultor gefahren werden und im Dunkeln nicht mehr draußen spielen dürfen, wie Studien belegen. „Daran sind nicht nur die Eltern schuld“, rechtfertigt sich Journalistin und Buchautorin Inge Kloepfer und erhält Unterstützung von Bastian Bielendorfer, der erst als Kandidat bei „Wer wird Millionär“ und später als Buchautor („Lehrerkind – Lebenslänglich Pausenhof“) für Aufsehen sorgte : „Auch die Massenmedien schüren Ängste“, weil etwa Missbrauchsfälle viel öffentlicher würden als früher, was auch gut sei.
Trotzdem findet Maren Heinzerling eine solch ängstliche Grundhaltung gefährlich: „Eltern übertragen die Ängste auf ihre Kinder“, fürchtet die 1938 geborene Mutter von zwei Kindern. Als gelernte Eisenbahningenieurin schaffte sie es, sich in einer Männerwelt zu behaupten. Eltern sollten ihren Kindern ein „begründetes Selbstbewusstsein“ vermitteln, sie fördern, aber auch fordern. Dass dazu aus ihrer Sicht auch echte Verträge mit dem Nachwuchs über die Aufteilung der Hausarbeiten gehören, sorgte in der ARD-Runde noch für allgemeine Erheiterung. Mit der Meinung, dass ihr auch die eine oder andere Ohrfeige des Bruders nicht geschadet habe, stand sie allerdings recht alleine da.
Die Kinder werden älter, die Sorgen werden größer
Unabhängig davon meint auch der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, dass viele Ängste der Erziehungsberechtigten unbegründet seien. Der Gymnasialdirektor aus Bayern meint, dass Kinder viel häufiger ermuntert werden sollten, zu sagen: „Ich schaff‘ den Weg alleine“ – auch im übertragenen Sinne.
Denn die Sorgen der Eltern werden nicht geringer, wenn die Kinder älter werden. Im Gegenteil: Ab der ersten Klasse wird um jede Note gefeilscht, das Abi ist das Maß aller Dinge. Nicht selten muss ein Richter heutzutage über eine Versetzung oder eine Abiturnote entscheiden. „Kinder werden früh auf Noten reduziert“, kritisiert Inge Kloepfer. Eltern verhielten sich also nur rational, wenn sie als Anwälte ihrer Kinder aufträten.
Werden Gymnasiasten zu lange "gepampert"?
Aber wird der Nachwuchs nicht insgesamt zu lange „gepampert“, fragte Plasberg? Schließlich endet die Rund-um-die-Uhr-Fürsorge oft nicht einmal auf dem Campus. Längst bieten zahlreiche Hochschulen eigene Elternabende an. Für Inge Kloepfer ist das nur die logische Schlussfolgerung aus Turbo-Abitur und immer früherer Einschulung . Manch Student ist noch gar nicht volljährig, wenn die erste Vorlesung beginnt.
Auch Josef Kraus sieht diesen „Beschleunigungswahn“ kritisch. Zudem würden besonders Gymnasiasten zu lange „gepampert“ und zu spät auf das Berufsleben vorbereitet. Darüber hinaus falle es Eltern, die im Durchschnitt immer weniger Kinder haben, entsprechend schwerer, sich von ihrem Nachwuchs abzunabeln.
Am Ende steht eine Erkenntnis, die nicht neu ist
Eine „Generation Weichei“ fürchtet Inge Kloepfer trotzdem nicht . „Kinder nehmen sich ihre Freiheiten wenn sie wollen und nabeln sich ab. Das eine schließt das andere nicht aus“, ist die Journalistin und Autorin („Glucken, Drachen und Rabenmütter“) überzeugt.
Bleibt die Frage nach der richtigen Erziehungsmethode, der richtigen Mischung aus Schutz und Freiheit. Eine wirkliche Antwort hatte niemand darauf. „Mehr Regeln und Rituale“ forderte Gymnasialdirektor Josef Kraus. Für Katharina Saalfrank und Inge Kloepfer stehen dagegen Dialog und Kommunikation im Mittelpunkt. „Die Eltern sollten selbst entscheiden, wie sehr sie sich kümmern“, sagte Inge Kloepfer. Um genau zu sein, müssen sie das sogar. Und das ist keine neue Erkenntnis, die "Hart aber fair" da lieferte .
08:59
Es muss was damit zu teuen haben ,dass die Eltern von ehuete total unfähig sind.
Wie kann es sein ,dass wir als Kinder gerade mal den Atari hatten und der uns zwar interessiert hat,aber wir lieber draussen waren zum Spielen.Wie kann es sein das wir früher mit 20 Kindern waren und heute viele Kinder gar keinen mehr zum spielen haben ,der um die Ecke wohnt?!
Wie kann es sein das heute die Kinder 16-25, keinen Respekt mehr haben gegenüber viel älteren?!
Wenn ich an unsere Azubis denke ,wird mir schlecht.Dumm,faul,große ****** und agressiv,schnell beleidigt und beleidigend (Andere Menschen).Da weiß man direkt was Zuhause los ist! Migrantenkinder ist auch so ein Thema.Im übrigen hatten wir früher auch einige.Nicht so viele wie heute.Aber die haben sich uns angepasst.
Ja na klar ALLE Eltern sind heute unfähig und ALLE Kinder und Jugendliche benehmen sich daneben.
Wo können Kinder denn heute noch draussen spielen? Was dürfen Kinder denn spielen?
Wenn ich mir ihren Kommentar so durchlese bin ich mir fast sicher sie wären der erste der die Polizei ruft weil er sich von einer Gruppe spielender Kinder belästigt und bedroht fühlt. Teilweise dürfen Jugendliche noch nicht mal als kleinere Gruppe ein Geschäft betreten weil natürlich ALLE Jugendlichen nur klauen.
Erinnert mich an den Geschäftsführer eines EDEKA-Marktes in dem Ort wo ich aufgewachsen bin. Bier, Schnaps und Feuerwerk wurde selbst an Kinder!!! ohne Einwände verkauft. Der Sohn dieses Herren hat in der Schule gestohlen was nicht niet und nagelfest war, das war in Ordnung. Seine Azubis wurden wie Dreck behandelt.
Aber genau dieser Herr war am lautesten über die versoffene Jugend am schreien, und hat er ein Kind beim Süßigkeiten klauen erwischt war gleich Weltuntergang.
Und zu ihrem Problem mit den Azubis.....
Augen auf bei der Wahl ihrer Azubis!
Aber ich habe da auch so eine Vermutung wie Sie sich benehmen.
Und vor allem KINDER 16-25....
Also mit 12 habe ich nichtmehr draussen gespielt sondern programmiert und mit Elektronik rumgebastelt.
21:00
Die Kinder heute werden vor dem Fernseher oder PC geparkt, haben und kennen kaum Grenzen, Je älter sie werden, desto weniger Respekt haben sie vor den Eltern und helfen nicht mal im Haushalt, haben eher eine große Klappe.
Na wenn das bei Ihnen und in ihrer Verwanschaft so üblich ist.....
bestimmt nicht, es gab noch was hinter die Ohren
Ohne Grenzen kein Respekt. Sieht man ja heutzutage. Bei immer mehr Auseinandersetzungen fällt die Hemmschwelle und das Messer kommt zum Vorschein.
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18:24
"Gibt es noch ein gesundes Mittelmaß zwischen den Helikopter-Eltern und den "Der Staat erzieht schon"-Eltern?"
Ja, gibts.
Interessiert aber weder Medien noch Stammtische.
18:01
Früher gings mit 14 in die Lehre!
Gibt es noch ein gesundes Mittelmaß zwischen den Helikopter-Eltern und den "Der Staat erzieht schon"-Eltern?
16:53
Das Schizophrene an der Geschichte ist, dass es ja auch noch ein zweites Diskussionsthema an den Stammtischen gibt, nämlich, dass sich die heutigen Eltern vor lauter Selbstverwirklichung überhaupt nicht mehr um ihre Kinder kümmern, dass eine Generation von Verwahrlosten aufwächst.
Und wenn wieder mal ein junger Mensch bei einer Mutprobe oder sonst irgendeiner bescheuerten Aktion zu Schaden kommt, wird die Generation Doof beschworen.
Irgendwie passt das nicht so recht zusammen.
Es sei denn, man bringt alles auf die Formel "Früher war alles besser".
Ja das denk ich auch. Wie sonst soll man sich da noch erklären, dass immer mehr Alleinerziehende mit 1(!) Kind total überfordert sind?! Wer nicht fällt, lernt auch nicht aufzustehen.
15:46
Mal ehrlich Leute - ich bin Jahrgang 1952 und wenn ich die drei - bis vierjährigen Dreiradfahrer sehe, kann ich nur den Kopf schütteln. Helm, Knie- und teilweise sogar Ellenbogenschützer nüssen sie tragen - Mama wischt mit einem Sagrotantuch die Hände ab und die älteren Kinder sind von den Spielstraßen und Hinterhöfen verschwunden, sobald es draußen nieselig wird. Sie werden in Watte gepackt und verhätschelt und lernen aber so gar nichts über sich selbst!!!
15:29
Als ich Kind war, waren die spielplätze auch nicht so verdreckt wie heute. Es fanden auch keine Trinkergelage wie zum Teil heute statt. Soll nicht heißen,daß Kinder nicht mehr auf den Spielpatz sollen. Außerdem gehört zum Sparplan verschuldeter Städte der Abbau von Spielplätzen.
14:18
Eduard79 | #17
Ja, könnte hinkommen. Sieht man sich die pädagogischen Veröffentlichungen an, dann beginnt ungefähr in dieser Zeit, also vor ca. 15 Jahren, ein Boom von Titeln, die sich alle ähneln: "Kinder brauchen seelische Sicherheit", "Babys brauchen besonders viel Sicherheit", "Kinder brauchen Vertrauen und Sicherheit"....Gleichzeitig startet ein Boom in Sicherheitstechnik: Helme für Radfahrer, Stützräder, Armschützer, Knieschützer für den Spielplatz. Parallel dazu startet auch die gesellschaftliche Sicherheit: Nichtraucher-Aktionen, Rauchverbote, etc. , Bio-Lebensmittel, gesunde und bewußte Ernährung....
Also dieses Sicherheitsdenken hat quasi den Borkenkäfer abgelöst, der bis dahin unsere Zivilisation bedroht hat. Und das Waldsterben kam auch nicht.
14:01
Als ich Kind war, war ich fast jeden Tag auf dem nahen Spielplatz. Da gab es einen Turm aus Holz mit Rutsche, zwei weitere kleine Holzhütten wo man sich auch bei Regen beschäftigen konnte (Splitter in der Hand waren natürlich keine Seltenheit), ne Schaukel und Sand wie am Meer. Umringt von einem kleinen Erdwall und jeder Menge Gebüsch. Ich glaube wir waren mehr im Gebüsch als auf dem eigentlichen Spielplatz und haben uns da richtige Tunnelsysteme ins Dickhicht geschlagen ;)
Wenn ich mir genau den selben Spielplatz heute angucke kommen mir fast die Tränen. Ein paar kleine Büsche, die von der Stadt schön klein gehalten werden, dass man von aussen auch bloß den kompletten Überblick über den Platz hat, eingezäunt mit einem grünen 3 Meter hohen Metallzaun an dem man nichtmal klettern kann, diese Plastik Spielgeräte und schön mit Gummimatten zugepflastert. Währe ich heute Kind, würde ich wohl auch lieber zu Hause bleiben und Nintendo spielen.
Achja, bin Jahrgang 81
Ich bin Jahrgang 72 und kann das auch bestätigen. Alles wird bebaut oder entfernt. Keine aufregenden Entdeckergegenden mehr ;-)
13:57
Angst ist immer ein schlechter Begleiter, wenn Eltern sich schon von der üblichen Panikmache einlullen lassen, ist das für Kinder mitunter auch alles andere als förderlich.
Sicher, Gewalt, Mißbrauch, speziell gegen Kinder, dass ist ein immer wieder gern genommenes Thema in der Verdummungspresse, man könnte ja tatsächlich fast meinen, es wäre für unsere Kinder gefährlich geworden.
Fakt ist aber: Nur weil jede Straftat gegen Kinder medial ausgeschlachtet wird, heißt das noch lange nicht, dass tagtäglich Massen von Kindern mißbraucht, entführt oder gar getötet werden.
Dass Eltern ihre Kinder vor allem Bösen schützen wollen, das ist wohl normal, dass sie aber bei jeder Schlammpfütze ihr Kind in Sagrotan baden, das ist nicht nur dumm sondern eben auch gefährlich. Sensibilität gegenüber sich und anderen zu lernen ist gut, "Weichei-Erziehung" aber eben schlecht, so einfach ist das.